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Lokales Warum zehn Bäume pro Dresdner kein Grund zum Ausruhen sind
Dresden Lokales Warum zehn Bäume pro Dresdner kein Grund zum Ausruhen sind
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09:48 08.05.2019
Professor Andreas Roloff vom TU-Institut für Forstbotanik kennt gute, aber auch schlechte Beispiele fürs Stadtgrün in Dresden. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Rund 1100 Forstfachleute und Politiker aus ganz Deutschland treffen sich vom 8. bis 12. Mai in Dresden, um in Seminaren und Exkursionen über Themen rund um den Wald zu diskutieren. Eine Exkursion führt auch durch das Dresdner Stadtzentrum. Denn im Fokus stehen die „Bäume in der Stadt“.

Andreas Roloff, Leiter der Professur für Forstbotanik an der TU Dresden, will den Teilnehmern der Exkursion zeigen, mit welchen besonderen Standortbedingungen Straßenbäume in Dresden zu kämpfen haben, welche Wege die Stadt dabei geht und wo es Nachholebedarf gibt. „Insgesamt gesehen macht die Stadt Dresden in Sachen Straßenbäume vieles richtig“, so seine Meinung.

Verschwunden: Den Straßenbaum, der mal an dieser Stelle an der Leipziger Straße stand, gibt es nicht mehr. Wilde Triebe eines anderen Gehölzes versuchen den Platz einzunehmen, sind aber oben abgebrochen. Quelle: Catrin Steinbach

Auf jeden Einwohner kommen zehn Bäume

Vergleicht man den Anteil der bepflanzten Flächen von Großstädten in Deutschland belegt Dresden laut Statistik-Portal Statista immerhin den 4. Platz (Stand 2016). Der Anteil der Grünfläche innerhalb der Stadtgrenze betrug da 69,4 Prozent. Nur Stuttgart (69,9 %), Dortmund (70,7 %) und Hamburg (71,4 %) sind grüner.

„5,48 Millionen Bäume (gerechnet ab einer Höhe von etwa fünf Metern) gibt es in Dresden. Das macht bei 560641 Einwohnern (Stand 31.12.2018) auf jeden zehn Bäume. Das ist schon ordentlich“, findet Prof. Andreas Roloff vom Institut für Forstbotanik der TU in Tharandt.

Auf die Zahl von 5,48 Millionen Bäumen ist eine Studentin gekommen, die im Rahmen ihrer Bachelorarbeit eine Methode zur Ermittlung der Baumzahl entwickelte. Und zwar mit Hilfe einer stichprobenweisen Auszählung auf Luftbildaufnahmen am Computer, einer manuellen Zählung im Gelände sowie der anschließenden Hochrechnung. Allerdings ist auch das Waldgebiet Dresdner Heide, das sich ja innerhalb der Stadtgrenze befindet, Teil der Betrachtung.

Am Dr.-Külz-Ring hatte ein Baum das Metallgitter nach oben gedrückt. Die Unfallgefahr musste entfernt werden. Quelle: Catrin Steinbach

Zahl der Straßenbäume steigt

„Der zum 31. Dezember 2018 erfasste Bestand an Straßenbäumen beträgt 54 196. 2017 lag diese Zahl bei 53 850“, teilt die Stadt auf Anfrage der DNN mit. Sieht man sich die Statistik seit 1994 an, ist ein kontinuierlicher Anstieg zu verzeichnen. Auch nach den letzten Eingemeindungen 1999.

Allerdings betrug der Straßenbaumbestand 1928 schon mal 60 000 Stück, sank dann bis 1990 auf 28 200 Bäume. Das Straßenbaumkonzept von 2009 (das gegenwärtig überarbeitet wird) bezifferte die geschätzte maximale Gesamtzahl aller Straßenbäume auf 77 400, wenn das Potential im Haupt- und Nebenstraßennetz ausgeschöpft wird.

Dresden hat große Vielfalt an Straßenbaumarten

Bemerkenswert findet TU-Professor Roloff die mit 145 Arten große Vielfalt der Dresdner Straßenbäume. Zum Vergleich: 1928 gab es in Dresden 85 Straßenbaumarten und -sorten, 1990 waren es noch 40. „In Wien gibt es aktuell 18 erlaubte Straßenbaumarten“, nennt der Wissenschaftler ein krasses Gegenbeispiel.

Trotzdem würden in Dresden zwei Gattungen fast 50 Prozent ausmachen: Spitz- und Bergahorn (20 %) sowie Sommer- und Winterlinde (28 %). Das sei ungünstig, denn wenn Schädlinge oder Krankheiten einer dieser dominierenden Baumarten zu schaffen machen, sind gleich sehr viele Bäume gefährdet.

Diese Befürchtung kommt nicht von ungefähr. Im vergangenen Sommer wurden plötzlich die Blätter vieler Ahornbäume braun, Zweige starben ab. Auch jetzt gebe es Absterbeerscheinungen, „allerdings nicht in dem Umfang wie befürchtet“, sagt Roloff. „Die krasse Trockenheit war sicher beteiligt, kann aber nicht die alleinige Ursache sein“, ist er überzeugt. „Wir untersuchen das gerade, inwiefern Krankheitserreger und Bodenverdichtung eine Rolle spielen.“ Denn Bodenverdichtung kann für Bäume ein Todesurteil sein.

Clevere Lösungen gegen Bodenverdichtung

Welche cleveren Lösungen die Dresdner Stadtverwaltung schon gefunden hat, um Baumwurzeln zu schützen, will Roloff bei seinem Rundgang mit den Forstfachleuten auch zeigen. Auf der Prager Straße zum Beispiel.

Die Baumscheiben der Bäume an den Wasserspielen sind mit flach wurzelnden, kriechenden und genügsamen Eiben bepflanzt, so dass die Erde rund um die Baumstämme nicht plattgetrampelt werden kann. An der Centrumgalerie ist bis an die Stämme der Platanen ein Spezialbelag auf den Boden aufgebracht. „Er verhindert Bodenverdichtung, lässt aber trotzdem 70 bis 80 Prozent des Niederschlages durch“, erklärt Roloff.

Negatives Beispiel für den Baumforscher sind zu kleine Container, in denen Bäume wachsen sollen, wie die am Intercity-Hotel. Bäume könnten es aus Roloffs Sicht mit einem Wurzelraum von 9 bis 12 Kubikmetern lange aushalten, wenn man diesen nicht mit normaler Erde füllt, sondern einem Gemisch aus Erde und Ziegelresten beispielsweise, um die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens zu erhöhen.

Schrecklich kahle Plätze

Dresden hat noch viele Orte, an denen Bäume stehen könnten und sollten. Forstbotaniker Prof. Andreas Roloff will seine Exkursion durch die Stadt mit „einem der schrecklichsten Plätze Dresdens“ beginnen: dem Wiener Platz. „Da kommt man als Tourist in einer der grünsten Städte Deutschlands an, tritt aus dem Bahnhof und steht auf einem kahlen Vorplatz.“

Ebenso stehen aus seiner Sicht rund um den – wenn nicht gerade Markttreiben herrscht – kahlen Altmarkt zu wenig Bäume. Im Winter pfeift der Wind über den Platz, lacht im Sommer die Sonne, kann man es kaum aushalten.

Die Baumscheiben dieser Platanen auf der Prager Straße neben der Centrum Galerie sind mit einem trittfesten Belag abgedeckt – der zugleich aber große Teile des Niederschlags durchlässt. Quelle: Catrin Steinbach

Heißes Pflaster

„Studenten haben auf dem Neumarkt mal an einem heißen Sommertag die Pflastertemperatur gemessen. Die betrug 55 Grad Celsius“, macht Andreas Roloff deutlich, wo das hinführt. Jetzt habe die Stadt auf dem Neumarkt endlich das Grüne Gewandhaus verwirklicht und Bäume gepflanzt.

„Aus meiner Sicht könnten es aber noch mehr sein.“ Konkret handelt es sich um Platanen, die kastige Kronen bekommen sollen. Allerdings hätte man nach Roloff gleich Bäume wählen können, die kleiner bleiben. „Dann müssten sie nicht ständig mit Aufwand geschnitten werden.“

Online-Datenbank für die Suche nach dem richtigen Baum

Die Suche nach dem richtigen Baum erleichtert die seit drei Jahren für jeden über die Homepage des TU-Instituts online zugängliche Datenbank citree.de. „In dieser sind 400 Baumarten und -sorten mit ihren Eigenschaften eingearbeitet und können mit bis zu 65 voreingestellten Kriterien gezielt gesucht werden. Nicht nur in der Stadt Dresden wird die Planungsdatenbank für Gehölze genutzt. „Wir bekommen positive Rückmeldungen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum.“

Wenige einheimische Baumarten auf lange Sicht geeignet

Angesichts des Klimawandels biete die Klima-Arten-Matrix der Professur für Forstbotanik Aussagen zu Trockentoleranz und Winterhärte von Baumarten. „Zusammen mit drei Partnern vor Ort haben wir für die Stadt Jena ein Stadtbaumkonzept erarbeitet. Im Ergebnis der Untersuchungen blieben nur neun einheimische Baumarten übrig, die im Innenstadt- und Straßenraum zunehmende Hitze und Trockenheit aushalten“, macht Roloff deutlich, dass sich Städte in Sachen Baumartenwahl breit aufstellen müssen.

Eschen seien durch das Eschentriebsterben und Rosskastanien durch den Befall mit der Miniermotte bzw. das bakterielle Rosskastaniensterben so problematisch geworden, dass sie derzeit eher nicht mehr in Frage kommen.

Bäume beim Bauen nicht aus dem Auge verlieren

Nachholebedarf habe die Stadt Dresden aus Sicht des TU-Professors in Sachen Straßenbäume vor allem beim Budget, das für die Baumpflege zur Verfügung steht. „Es werden mehr Bäume gepflanzt, aber die Mittel, die für die Baumpflege zur Verfügung stehen, werden zu wenig angepasst. Das führt auf lange Sicht zu großen Problemen“, weiß Prof. Andreas Roloff.

Er mahnt auch, bei der Verdichtung des Stadtraumes die Bäume nicht aus den Augen zu verlieren. Sie dürften im Wettstreit der Interessen nicht den Kürzeren ziehen. „Ideal wäre es, wenn in bestimmten Abständen und flächendeckend gut verteilt kleine Parkanlagen und Alleen vorhanden sind, sowie es in einigen Bereichen Dresdens bereits der Fall ist.“

Von Catrin Steinbach

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