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Lokales Warum hängen Schuhe von der Albertbrücke?
Dresden Lokales Warum hängen Schuhe von der Albertbrücke?
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07:56 08.09.2019
Von einem Mast an der Albertbrücke baumeln Schuhe über der Elbe. Was sich viele fragen: Was soll das? Quelle: Anja Schneider
Dresden

Von der Albertbrücke hängen Schuhe: An den Schnürsenkeln zusammengebundene Schuhpaare, die offenbar mutwillig auf einen Signalmast geworfen wurden und nun über der Elbe baumeln. Doch was steckt hinter dem Phänomen?

Zwei Ursprungslegenden

Die Antworten auf diese Frage fallen düster bis albern aus. Bekannt ist das Phänomen jedenfalls schon länger – vor allem aus anderen Städten, aber auch in Dresden wurde ein Baum auf dem Albertplatz schon einmal mit Schuhen behängt.

Diese Art Schuhwurf hat sogar einen Namen: Shoefiti, was sich aus dem englischen Begriff für Schuh und Graffiti zusammensetzt. Aus dem englischsprachigen Raum soll der Brauch auch stammen. Es kursieren vor allem zwei Ursprungslegenden: So sollen schottische Männer ihre Entjungferung durch ein ins Fenster oder ans Haus gehängte Paar Schuhe signalisiert haben.

Offenbar ein großer Wurf: Dieses Paar baumelt fast an der Spitze eines Signalmastes für die Schifffahrt. Quelle: Anja Schneider

Die andere Herkunftslegende stammt indes aus den USA, genauer New York. Dort sollen rivalisierende Banden ihre Gebiete, Drogenumschlagplätze oder Gegenden, an denen Gangmitglieder einen gewaltsamen Tod starben, durch über freihängende Kabel geworfene Schuhe anzeigen.

Vor allem Berlin eine Hochburg des Schuhwurfs

Ziviler lässt sich da eine Erklärung an, die aus Flensburg stammt. In der nördlichsten Stadt Deutschlands hat die Norderstraße den Rang einer besonders fotogenen Sehenswürdigkeit erlangt, weil dort seit etwa 15 Jahren viele Schuhpaare in luftiger Höhe über dem Pflaster baumeln. Ausgangspunkt dafür soll ein an der Straße gelegenes Fachgeschäft für Skaterbedarf gewesen sein: Wann immer zufriedene Kunden dort ein neues Paar Sneaker oder Turnschuhe ergattert hatten, warfen sie ihre ausgedienten Treter über eines der freihängenden Kabel. Shoefiti als – mitunter müffelnde – Feier des Konsums.

Mittlerweile soll neben anderen Großstädten vor allem Berlin in Deutschland eine Hochburg des Schuhwurfs sein. Und das ist vielleicht auch der Ausgangspunkt für die hängenden Schuhe von Dresden. Die sehen jedenfalls nicht sonderlich getragen aus und könnten daher ein fototauglicher Spaß der Hipsterjugend sein.

Dient die Albertbrücke für einen Liebesbeweis?

Wobei sich noch eine andere, romantische Erklärung anbietet: In den Vereinigten Staaten gibt es sogenannte Shoetrees, von denen der bekannteste eine Pappel im Bundesstaat Nevada ist. Ein Liebespaar soll sich dort Anfang der 1990er Jahre auf dem Weg zur Hochzeit heftig gestritten haben. Im Eifer des Gefechts schmiss der angehende Bräutigam dabei die Schuhe seiner Erwählten auf den Baum. Der gemeinsame, jedoch vergebliche Versuch, die Schuhe herabzuholen, versöhnte das Paar dann wieder – die Hochzeitsglocken konnten doch noch läuten. Seitdem suchen Liebende den Baum mit ihren Tretern heim.

Dient die Albertbrücke also für einen könnerischen Liebesbeweis? Auch das ist möglich. Das Phänomen bleibt vorerst unaufgelöst – was an vielen betroffenen Orten anderswo in der Welt jedoch genauso ist. So hat das Internetportal „Zeit-Online“ vor sechs Jahren über den Dokumentarfilm „The Mystery of Flying Kicks“ berichtet. Die Filmemacher baten demnach Schuhwerfer anonym um Auskunft, warum deren Schuhe nun von Kabeln, Ampeln oder Bäumen baumelten. Und bekamen sehr unterschiedliche An­tworten, fast zu jedem Schuhpaar eine neue – der Schuhwurf als individueller Ausdruck im urbanen Raum. Wie bei Graffiti eben.

Die Doku „The Mystery of Flying Kicks“

Ist das Kunst oder kann das weg?

Stellt sich die Frage: Ist das Kunst oder kann das weg? Dazu hat man in der Stadtverwaltung folgende Antwort parat: „Bei dem ,Signalmast’ handelt es sich um eine Anlage des Wasser- und Schifffahrtsamtes. Nach Auskunft dieser Behörde geht von den Schuhen keine Gefährdung aus. Sie werden aufgrund des hohen Aufwandes, der damit verbunden wäre, erst beseitigt, wenn wieder einmal Arbeiten an dieser Anlage an­fallen.“ Die Schuhe an der Albertbrücke dürfen also fürs Erste hängen bleiben.

Von Uwe Hofmann

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