Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Warum die Grundschule viel mehr Aufmerksamkeit verdient
Dresden Lokales Warum die Grundschule viel mehr Aufmerksamkeit verdient
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:12 03.04.2019
Dem Grundschul-Jubiläum widmen sich diese drei Erziehungswissenschaftlerinnen an der TU im Sommersemester besonders intensiv: Prof. Dr. Matthea Wagener, (l.) und Prof. Dr. Jeanette Hoffmann (M.), die die Ringvorlesung organisieren, und Franziska Herrmann, die die Lange Nacht der Werkstätten des Instituts koordiniert. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Bildung für alle. Das war das Ziel, als vor 100 Jahren das Modell Grundschule in der Weimarer Verfassung verankert wurde. Alle Kinder sollten unabhängig von Stand, Geld und Herkunft die Möglichkeit haben, eine Schullaufbahn anzutreten und erfolgreich abzuschließen. Vorher gab es das so nicht.

Die Grundschule stand im Laufe der Zeit – und steht auch heute – vor immer neuen Aufgaben und Herausforderungen. Den Fragen aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Grundschule widmet sich in diesem Jubiläumsjahr das Institut für Erziehungswissenschaft an der TU Dresden mit einer siebenteiligen Ringvorlesung.

Dauer des Besuchs der Grundschule immer wieder ein Thema

Vor einem halben Jahr haben die beiden Professorinnen Jeanette Hoffmann und Matthea Wagener mit der Organisation begonnen, ab 9. April werden Dozentinnen und Dozenten aus Dresden, Berlin, Schwäbisch Gmünd und Bern sich mit dem Stand der Forschung und Folgerungen daraus beschäftigen. Ziel: die Grundschulpädagogik und -didaktik möglichst vielfältig und aus verschiedenen Blickwinkeln abzubilden.

Dabei geht es um den Zwiespalt zwischen Förderung und Auslese, um Fragen zur Bewertungskultur im Mathematikunterricht, um das Lernen in jahrgangsgemischten Klassen, um das Zusammenspiel von Deutsch und Mehrsprachigkeit, um das Philosophieren mit Kindern, um Musikunterricht im Wandel und um nachhaltige Entwicklung im Sachunterricht. Auch die Dauer des Besuchs der Grundschule ist immer wieder ein Thema.

Mit Noten ändert sich das Lernverhalten

In den meisten Bundesländern – Sachsen gehört auch dazu – muss während des vierten Schuljahres schon die Entscheidung fallen, wie es weitergeht, also die für viele entscheidende Frage: Gymnasium oder nicht. Da lassen sich andere Länder im europäischen Vergleich deutlich mehr Zeit. So ist etwa in Norwegen die Grundschulzeit eingebettet in eine zehnjährige Einheitsschule ohne Selektionshürden. Auch in der DDR war das Schulsystem anders aufgebaut und zumindest in dieser Hinsicht fortschrittlicher: Man ging mindestens für acht Jahre gemeinsam in die Polytechnische Oberschule (POS).

Mit der Frage nach der Schulkarriere direkt verbunden ist die nach der Bewertung von Leistung. Ohne Schulnoten, so die pädagogische Begründung, „lernen Grundschulkinder freier, konzentrierter auf die Sache und mit weniger Druck“, berichtet Professorin Hoffmann. Sobald Noten eingeführt würden, ändere sich das Lernverhalten. „Da fragen Schülerinnen und Schüler häufig als erstes, ob es für die Aufgabe auch eine Note gibt.“

„Alter und Entwicklung verlaufen nicht immer gleich“

Der jahrgangsübergreifende Unterricht ist ein Spezialgebiet von Professorin Matthea Wagener. Derzeit gibt es dazu auch ein Forschungsprojekt. Mit Interesse beobachtet sie, dass das Thema in Sachsen gezwungenermaßen an Bedeutung gewonnen hat. Um Schulen auf dem Land trotz geringer Anmeldezahlen zu erhalten, hat man sich diesem Konzept geöffnet. Wagener begrüßt das. „Alter und Entwicklung verlaufen nicht immer gleich“, stellt sie fest. Die Forschung belege zudem, dass in jahrgangsgemischten Klassen häufig in Gruppen gearbeitet werde und die Kinder sich gegenseitig helfen.

Problem: „Viele Lehrkräfte haben mit dieser Unterrichtsform noch wenig Erfahrung.“ Und eine weitere Beobachtung – das Modell kommt an: „Manche Eltern melden ihre Kinder nun gerade in Schulen an, in denen jahrgangsübergreifend unterrichtet wird. Dann haben sie dort so viele Kinder, dass es wieder Klassen nach Jahrgängen geben kann.“ So zeigt sich, dass das Konzept eng mit der pädagogischen Überzeugung der Lehrkräfte verwoben ist.

Mehrsprachigkeit ist die Normalität“

Wie sich ein zeitgemäßer Deutschunterricht entwickeln kann, damit beschäftigt sich Professorin Jeanette Hoffmann – auch in ihrem Beitrag zur Ringvorlesung. Nicht unwesentlicher Aspekt dabei ist die Mehrsprachigkeit in den Grundschulklassen und die Mehrsprachigkeit der Kinder mit Migrationshintergrund. Wobei sie Wert legt auf die Feststellung, dass das beileibe kein neues Phänomen ist, Schülerinnen und Schüler mit verschiedenen Familiensprachen habe es in der Schule (nicht nur in Deutschland) immer schon gegeben: „Mehrsprachigkeit ist die Normalität.“

Daher sei es wichtig, mit dieser Mehrsprachigkeit produktiv umzugehen. Anstelle immer von geringeren Sprachkenntnissen im Deutschen auf allgemeine „sprachliche Defizite“ von Schulkindern mit Migrationshintergrund zu schließen, gehe es darum, einen ressourcenorientierten Blick zu entwickeln. Dazu gehört, das Sprachkönnen der Kinder in verschiedenen Sprachen wahrzunehmen, wertzuschätzen und ihnen Möglichkeiten zu schaffen, sich damit in den Unterricht einzubringen. Dies stärke das Selbstbewusstsein der Kinder und trage damit auch zu einem gelingenden Zweitspracherwerb im Deutschen bei. Außerdem können durch Sprachvergleiche auch grammatische Strukturen der eigenen Sprachen oder begriffliche Einflüsse zwischen den Sprachen entdeckt werden. So könne Sprachbewusstsein bei allen Kindern entstehen.

Es müsse ein Umdenken stattfinden

Zum Ziel der Grundschule wird immer mehr das Lernen aus der Lebenswelt, die Erziehung zur Selbstständigkeit, zu lernen, sich Hilfe zu holen, nicht nur das Ergebnis im Auge zu haben, sondern den Weg dahin zu verstehen und vielleicht auch selbst einen zu finden. Dabei die Schülerinnen und Schüler individuell zu betreuen, sie nicht allein zu lassen, sie in ihrer ganzen Unterschiedlichkeit anzunehmen… all das soll der Grundschulunterricht leisten. „Lehrer bzw. Lehrerin sein“, sagt Professorin Wagener, „ist kein einfacher Job.“

Einig sind sich die beiden Organisatorinnen, dass insgesamt in der Gesellschaft ein Umdenken stattfinden müsse: Die Grundschule muss sowohl im Vordergrund des bildungspolitischen Interesses stehen als auch der (nicht zuletzt) finanziellen Förderung. „Der Unterricht in der Grundschule ist die Grundlage. Alle weiteren Schulen bauen darauf auf.“ Davon sind beide überzeugt.

So will die Ringvorlesung auch hinweisen auf die besonderen Ansprüche, die an die Grundschule gestellt werden sollten. Sie will Dinge in Frage stellen, Diskussionen eröffnen, Lehrenden und Studierenden Anregungen und neue Ideen für den Unterricht geben, damit sie sie in die Praxis tragen. Denn sie haben im Rahmen des Lehrplans durchaus Freiheiten. „Die Lehrenden“, so betonen die Professorinnen, „haben die Möglichkeit, den Unterricht so zu gestalten, wie es ihnen aus pädagogischer und fachdidaktischer Sicht am besten erscheint.“

Die Vorlesungen

. Die Ringvorlesung umfasst sieben Vorträge. Sie finden ab 9. April jeden zweiten Dienstag von 18.30 bis 20 Uhr im Hörsaal WEB 136, Weberplatz 5, im Institut für Erziehungswissenschaft statt. Die Vorlesungen richten sich fächerübergreifend an alle, die an der TU lehren und studieren, stehen aber auch jedem Interessierten offen. Eintritt frei.

9. April – 100 Jahre Sysiphos: Grundschularbeit im anhaltenden Widerspruch von Fördern und Auslesen 1919 bis 2019, Prof. Dr. Jörg Ramseger, FU Berlin

23. April – Woher kommt unsere Bewertungskultur im Mathematikunterricht – und wohin führt sie?, Dr. Beat Wälti, PH Bern

7. Mai – Gemeinsam lernen in der Grundschule – Perspektiven auf die (Wieder-)Entdeckung jahrgangsgemischten Unterrichts, Prof. Dr. Matthea Wagener, TU Dresden

21. Mai – Eine Sprache für alle? Deutschunterricht in der Grundschule in historischer und empirischer Perspektive, Prof. Dr. Jeanette Hoffmann, TU Dresden

4. Juni – Philosophieren mit Kindern: Fachdidaktische Verortung und methodisch-thematische Konkretisierung, Prof. Dr. Markus Tiedemann, TU Dresden

18. Juni – Musikunterricht im Wandel, Prof. Birgit Ibelshäuser und Prof. Dr. Christin Werner, HfM Dresden

2. Juli – Neues Lernen für die Zukunft!? – Chancen und Schwierigkeiten von Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Grundschule, Prof. Dr. Hansjörg Seybld, PH Schwäbisch Gmünd

Von Bernd Hempelmann

Knapp eineinhalb Monate nach Prozessbeginn ist am Dienstag vor dem Dresdner Landgericht das Urteil gegen Frauke Petry gefallen. Die ehemalige AfD-Chefin muss wegen fahrlässigen Falscheides eine Geldstrafe in Höhe von 6.000 Euro zahlen. Den Verlust ihrer Mandate muss sie nicht befürchten.

02.04.2019

Eigentlich wollten die Brüder Ralph und Rastislav Krause ihre neue Sommerwirtschaft im Großen Garten schon im Sommer 2018 öffnen. Daraus wurde aus verschiedenen Gründen nichts. Aber jetzt wird an der Stübelallee Bier gezapft. Seit 2. April läuft der Probebetrieb. Am 11. April ist offizielle Eröffnung.

02.04.2019

Vor rund 50 Jahren wurde das VEB Kombinat Robotron gegründet. Zum Jubiläum wird in Dresden breit daran an die Pioniere dieser digitalen Transformation erinnert. Und auch an den ersten Informatik-Studiengang der DDR.

02.04.2019