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Lokales Warum die Dresdner CDU das Wahlergebnis emotionslos aufnimmt
Dresden Lokales Warum die Dresdner CDU das Wahlergebnis emotionslos aufnimmt
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23:59 01.09.2019
Interessiert ja, aber von Jubel keine Spur: Die CDU nimmt die erste Hochrechnung gelassen auf. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Als 18.02 Uhr die erste Hochrechnung über die Leinwand flimmert, ist es ruhig. Sehr ruhig. Wahlsonntag, Brauhaus Watzke am Goldenen Reiter, Wahlparty des CDU-Kreisverbandes bei ofenfrischen Brezeln, Watzke-Pils und Fass-Brause: Beifall brandet erst auf, als die Ergebnisse der Linken und der Grünen erscheinen. Schlechte Ergebnisse.

33,5 Prozent dagegen in der Prognose für die eigene Partei nehmen die Christdemokraten nahezu emotionslos auf. Erstaunlich für eine Partei, die vor wenigen Wochen noch deutlich unter 30 Prozent lag und um ihren Nimbus als stärkste Kraft im Freistaat Sachsen bangen musste. „Die Stimmung an den Wahlkampfständen hat sich in den vergangenen Tagen deutlich verbessert. Die Leute waren freundlicher, aufgeschlossener“, erklärte CDU-Stadtrat Steffen Kaden, warum er von dem Ergebnis wenig überrascht ist.

Dresdner CDU dankt Michael Kretschmer

„Das habe ich erwartet“, sagte auch Jan Donhauser, Vorsitzender der CDU-Stadtratsfraktion. „Dieses Ergebnis haben wir vor allem Michael Kretschmer und seinen vielen Helfern zu verdanken.“ Er erwarte jetzt, so Donhauser, dass Umwelt- und Klimaschutzthemen auf der Agenda der Landespolitik weit nach vorne rücken.

„Das sieht hoffnungsvoll aus“, meinte Gunter Thiele, einziger CDU-Direktkandidat, der schon um 18 Uhr zur Wahlparty gekommen war. „Das Ergebnis ist eine gute Ausgangsbasis für die Koalitionsverhandlungen. Wir können mit großem Selbstvertrauen auftreten.“ Thiele selbst lieferte sich mit dem Grünen-Politiker Thomas Löser ein Kopf-an-Kopf-Rennen um das Direktmandat, das er knapp verlor.

Frenetischer Applaus für einen Wahlverlierer

Anderthalb Kilometer Luftlinie entfernt herrschte eine Stimmung, als habe die SPD eben die Wahl gewonnen. Im Herbert-Wehner-Haus an der Devrient-Straße toste der Applaus bei der Rede des Landesvorsitzenden Martin Dulig. Das Foyer des Neubaus war bis auf den letzten Platz gefüllt, die Genossinnen und Genossen waren regelrecht außer Rand und Band.

Dulig sprach davon, dass die sächsische SPD eines besonders gut könne: Aufstehen. „Wir müssen anfangen und weitermachen“, kommentierte Dulig das schlechteste Wahlergebnis in der Geschichte der Sozialdemokraten in Sachsen.

Der Dresdner Landtagsabgeordnete Albrecht Pallas räumte unumwunden ein, dass das Ergebnis schlecht ist. „Das heißt aber nicht, dass wir den Kopf jetzt in den Sand stecken. Wir werden uns nicht wegducken, sondern müssen überlegen, wie wir unsere Themen durchsetzen. Sachsen braucht ein soziales Korrektiv.“

Im Elefantenrennen nur Staub gesehen

Hundert Meter vom Herbert-Wehner-Haus entfernt parkte vor dem Maritim-Hotel der Wahlkampf-Doppeldeckerbus von Holger Zastrow. Der FDP-Landesvorsitzende war im Untergeschoss des Congress Centers umringt von vielen traurigen Menschen. Wenn die Distanz zwischen einzelnen Personengruppen das Wahlergebnis widerspiegelt, dann war schon bei einem Blick in den Raum zu erkennen, dass die FDP den Wiedereinzug in den Landtag verpasst hat. Weit auseinander standen Gruppen und Grüppchen an den Tischen.

Hinter offener Hand wurde schon über das politische Ende von Zastrow diskutiert, und der Frontmann der Liberalen selbst kündigte an: „Ich werde über vieles nachdenken müssen.“ Es sei auf kleine Dinge angekommen in diesem Wahlkampf, CDU und AfD hätten sich ein Elefantenrennen geliefert. Das habe mobilisiert, das habe es den kleinen Parteien schwer gemacht. „Interessanterweise feiert jetzt genau die Partei, die die AfD hat großwerden lassen, einen Wahlerfolg. Das ist ein bitteres Ergebnis.“

Jürgen Martens, vor zwei Jahren für die sächsische FDP in den Bundestag eingezogen, greift das Bild vom Elefantenrennen auf: „Wenn die Elefanten um die Wette rennen, sehen die Kleinen im Staub nichts mehr.“

Hans-Georg Maaßen und Gloria von Thurn und Taxis

Im Penck-Hotel an der Ostraallee hat sich eine kleine, aber illustre Runde gefunden: Hans-Georg Maaßen, ehemaliger Verfassungsschutzpräsident, diskutiert mit Gloria von Thurn und Taxis das Wahlergebnis und die Konsequenzen. Die Werteunion, der konservative Flügel der CDU, hat zur Wahlparty geladen, in der Maaßen mehr Basisdemokratie in der CDU forderte. Der nächste Kanzlerkandidat sollte doch per Urabstimmung ermittelt werden.

Eine Urabstimmung sollte es auch in Sachsen bei der Wahl des Koalitionspartners geben, forderten die Konservativen in der CDU. Mit den Grünen dürften die Christdemokraten auf keinen Fall zusammengehen. „Das passt nicht zusammen“, meinte Sven Eppinger, Stadtrat in Radebeul.

„Wo standen wir denn in den Umfragen, bevor sich Herr Maaßen im Wahlkampf engagiert hat?“, fragte Ulrich Link, Landesvorsitzender der Werteunion. Maaßen habe viele Wähler von der AfD zurück zur CDU gebracht. Das Wahlergebnis sei zu einem großen Teil auch dem Engagement der Wertunion zu verdanken, so Link, der auch Besuch vom CDU-Bundestagsabgeordneten Arnold Vaatz bekam.

Die Prognosen noch übertroffen

Gejubelt wurde bei der AfD im Landtag, als die Hochrechnungen aufflimmerten. „Ich bin überrascht, dass wir die Prognosen sogar noch übertreffen konnten“, erklärte Heiko Müller, Stadtrat in Dresden. Er persönlich habe nicht erwartet, dass die AfD vor der CDU einkommen werde. „Andere schon.“ Die AfD feierte am Abend ihre Wahlparty auf dem Motorschiff „Gräfin Cosel“.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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