Warum der Rathaus-Neubau in Dresden plötzlich wieder wackelt
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Warum der Rathaus-Neubau in Dresden plötzlich wieder wackelt

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10:00 29.08.2020
Die Tiefbauarbeiten auf dem Ferdinandplatz laufen schon.
Die Tiefbauarbeiten auf dem Ferdinandplatz laufen schon. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Heftiger Gegenwind fürs neue Verwaltungszentrum auf dem Ferdinandplatz: „Die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens lässt sich nicht mehr nachweisen“, erklärte am Freitag Tilo Wirtz, Bauexperte der Stadtratsfraktion Die Linke. Der Fachpolitiker hat errechnet: Die geplanten Baukosten liegen bei 6078 Euro pro Quadratmeter. „Das sprengt jeden Rahmen“, sagte Wirtz.

Der Linke-Stadtrat bezieht sich auf die vom Stadtrat getroffenen Beschlüsse zum Verwaltungszentrum. Sollte zunächst mit einem Budget von 162 Millionen Euro eine Nutzfläche von 50 875 Quadratmetern geschaffen werden, seien jetzt von der Stadt 135 Millionen Euro für 22 212 Quadratmeter geplant. „Das sprengt den Baukostenindex für Bürobauten“, sagt Wirtz. Für Bürogebäude mit hohem Standard seien 3200 bis 5000 Euro pro Quadratmeter ein realistischer Wert, im Durchschnitt 4100 Euro.

Intensiv über Alternativen nachdenken

„Die veranschlagten Baukosten liegen ein Fünftel über der höchsten Spanne des Baukostenindex in der luxuriösesten Kategorie von Bürobauten. Das hat der Stadtrat nicht bestellt“, konstatiert Wirtz. Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) müsse dafür sorgen, dass die Verwaltung eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung mit realistischen Zahlen vorlegt.

„Es bleibt der Verdacht, dass die Verwaltung sich einen Palast bauen möchte und hier anfangs die Flächen aufgeblasen worden sind, um anschließend mit einer angeblichen Verkleinerung des Projektes fast doppelte Kosten pro Quadratmeter zu verschleiern.“ Wirtz empfiehlt der Verwaltung, intensiv über Alternativen nachzudenken und sich auf dem Büromarkt nach geeigneten Mietflächen umzuschauen.

DNN-Informationen zufolge liegt der Stadtverwaltung ein verbindliches Angebot vor, die erforderlichen Flächen im World Trade Center (WTC) zu mieten. „Über die Intransparenz des Ausschreibungsverfahrens hinaus fühle ich mich von der Verwaltung mit falschen Zahlen getäuscht, in Wirklichkeit ist die Eigenrealisierung unwirtschaftlich.“ Zumal das Verwaltungszentrum mit einem Kredit finanziert werden soll und so auch noch Zinszahlungen die Wirtschaftlichkeit belasten würden.

Tiefbauar­beiten keine verlorene Investition

Die bereits angefallenen Kosten für das laufende Verfahren sollten die Suche nach Alternativen nicht behindern. Die Tiefbauar­beiten auf dem Ferdinandplatz seien keine verlorene Investition. Einige hunderttausend Euro verlorene Kosten seien kein Argument für einen Millionenverlust.

Die Freien Wähler im Stadtrat haben sich bereits mehrfach gegen das geplante neue Verwaltungszentrum ausgesprochen. Auch die AfD-Fraktion präferiert eine Lösung im World Trade Center, wie Fraktionssprecher Heiko Müller am Freitag mitteilte. Die FDP spricht sich für den Neubau aus, wie Fraktionsvorsitzender Holger Zastrow erklärte. Grüne, CDU und SPD unterstützen ebenso die Neubaupläne.

Von Thomas Baumann-Hartwig