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Dresden Lokales Warum beim Neubau von Schloss Waldenburg viele Dresdner beteiligt waren
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19:54 30.09.2019
Schloss Waldenburg, das häufig Kulisse für nationale und internationale Filmproduktionen war, von der äußersten Ecke der Parkseite aus. Quelle: C.Ruf
Dresden

Es war ja nicht so, dass Otto Victor I., der zweite Fürst von Schönburg-Waldenburg, nicht wohltätig gesinnt gewesen wäre. Er erbaute das Carolinenstift, ein Lehrerseminar und die Henriettenstiftung ging ebenso auf seine Anregung zurück wie die Marien-Alfred-Stiftung. Aber er galt gleichwohl als streng und war deshalb alles andere als volkstümlich. Im Zuge der revolutionären Proteste in Sachsen 1848 wurde das altehrwürdige Schloss in Waldenburg gebrandschatzt.

Es erfolgte danach ein Neubau des Schlosses im Tudor-Stil, aber zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Vierflügelanlage nur noch als antiquierter Kasten wahrgenommen. Ein Neubau sollte her und da holte sich Fürst Otto Victor II. von Schönburg-Waldenburg (1882–1914) Hilfe aus Dresden.

Ein aufwendiger Umbau

Er verpflichtete den Königlich Sächsischen Hofbaurat Gustav Frölich, unter dessen Leitung schon die Dresdner Residenz einem aufwendigen wie bemerkenswerten Umbau unterzogen worden war. Ausgeführt wurden die Pläne vor Ort von Willy Meyer, der Mitglied des Deutschen Werkbundes war und der an der TU Dresden Vorlesungen über Raumkunst hielt. Er besorgte nicht zuletzt die Raumentwürfe.

Historische Aufnahme von der vertäfelten Bibliothek, die gut erhalten ist. Quelle: Repro: Christian Ruf

Neueste technische Errungenschaften

Technisch stattete Gustav Frölich das Schloss mit dem damals modernsten technischen Errungenschaften aus, wie zum Beispiel vollständiger Elektrifizierung, Telefon, zentraler Dampfheizung, Warmwasseranlage, komplexer Be- und Entlüftung, Speiseaufzug, zentraler Staubsaugeranlage ... Emsig kaufte der Fürst zielstrebig auch allerlei Kunstgut, um die Räumlichkeiten auszustatten.

In seinem äußerst informativen Führer zur Residenz Waldenburg hält der Historiker und Kunsthistoriker Matthias Donath fest: „In künstlerischer Hinsicht zeichnet sich das Schloss Waldenburg durch das einfühlsame Zusammenwirken von historischen Kunststilen, die meisterhaft nachempfunden wurden, und neuzeitlichem Design des frühen 20. Jahrhunderts aus.“ Billig war das alles nicht, aber Fürst Otto Victor II. war einer der reichsten Männer im Königreich Sachsen.

25 Firmen und einzelne Personen aus Dresden und Umgebung

Was die zwischen 1909 und 1912 erfolgenden Baumaßnahmen anging, setzt Frölich bevorzugt auf Hoflieferanten und -handwerker aus Dresden, die er von anderen Baumaßnahmen her kannte. Die Dachdeckerarbeiten? Wurden vom Hofzimmermeister Ernst Noack aus Dresden bewerkstelligt. Die Heizungsanlage? Stammte von Rietschel & Henneberg, ebenfalls Dresden. Die Aufzuganlage? Wurde von der Dresdner Firma August Kühnscherf & Söhne installiert. Die Stuckarbeiten? Wurden vom Hofbildhauer Wilhelm Schreiber beziehungsweise dem Hofstuckateur Curt Roch ausgeführt ...

Alles in allem waren es 25 Firmen und einzelne Personen aus Dresden und Umgebung, die Hand ans neue Waldenburger Schloss legten. In Waldenburg und Umgebung waren nicht alle erbaut über die Aufbauhilfe aus Dresden – ein Glauchauer Baugeschäftinhaber,der sich beim Fürsten beschwerte, wurde mit einem gut bezahlten Werkvertrag ruhiggestellt, wie Donaths Publikation zu entnehmen ist.

Schloss Waldenburg von der Nordseite samt Hauptportal, das auch als Auffahrtshalle diente. Quelle: Repro: Christian Ruf

Nach Kriegsende 1945 wurde das Anwesen teilweise geplündert, es diente den Russen auch als Kommandantur. Der Kreisrat Glauchau ließ 1948 eine Lungenheilstätte im Gebäude einrichten, was dem Schloss nicht gut bekam, immerhin aber den erwogenen Abriss verhinderte. Das Chinesische Zimmer wurde von den Halbgöttern in Weiß, also den Ärzten, als Speiseraum genutzt. Trotzdem waren die Verluste an Kulturgut hoch. Da auch das Kanzleigebäude direkt neben dem Schloss für die Heilstätte genutzt wurde, musste das fürstliche Archiv ausgelagert werden. 90 Prozent der Akten wurden ausgesondert und vernichtet.

Dresdner Beispiele waren inspirierend beim Festsaal

So sehr viele Räumlichkeiten ob der Zweckentfremdung ihren Charakter verloren, so überdauerten ein paar bemerkenswerte Zimmer auch. Die Bibliothek wie auch die große, sich über zwei Stockwerke erstreckende Halle waren und sind so beeindruckend, dass sie wiederholt für Filmaufnahmen genutzt wurden, etwa für die Hollywood-Produktion „The Grand Budapest Hotel“ oder auch den Märchenfilm „Die kluge Bauerntochter“.

Bei der Halle fertigte die Dresdner Hoftischlerei G. Udluft & Hartmann die alle Wandflächen bedeckende Holzverkleidung. Und was das Oberlicht angeht: Es enthält ornamentale Bleiverglasungen, entworfen von Josef Goller, der an der Kunstgewerbeschule in Dresden die Klasse für Glasmalereien leitete.

Die Außenfassade weist so manches aparte Detail wie diesen Löwen auf. Quelle: Christian Ruf.

Endgültig gehen dem Besucher des Schlosses (es ist nur im Rahmen von Führungen zugänglich) im Ballsaal, auch Gelber Saal genannt, die Augen über. Hofbaurat Frölich gestaltete ihn im Rokokostil, wobei er auf Dresdner Beispiele zurückgriff, insbesondere den Festsaal des Brühlschen Palais, das Oberlandbaumeister Johann Christoph Knöffel auf der Brühlschen Terrasse errichtet hatte. Dieser Festsaal wurde 1906 in den Neubau der Kunstgewerbeschule an der Güntzstraße in Dresden umgesetzt, wo er beim Luftangriff 1945 verbrannte.

Wände sind mit beigefarbenen Tapeten bespannt

Ein Hauch davon ist in Waldenburg zu erahnen, hat Frölich die geschnitzten Darstellungen von Musikinstrumenten über den Spiegeln laut Donath doch unmittelbar dem Festsaal des Brühlschen Palais nachgebildet. Doch während dort das Interieur in Weiß und Gold gehalten war, wurde für Waldenburg eine andere Farbkombination gewählt. Die Wände sind mit beigefarbenen Tapeten bespannt, alle Zierelemente an den Wänden und an der Decke tragen eine Versilberung, die Hofdekorationsmaler Julius Schultz ausführte.

Der „Gelbe Saal“ wurde für Bälle genutzt, aber auch für festliche Diners in größerer Gesellschaft. Im Klinikbetrieb diente er als Speisesaal für die Patienten, es galt vermutlich die – selbstverständlich inoffizielle – Devise: „Um seine Figur zu halten, muss man auch mal was essen, wenn man keinen Hunger hat!“

Öffnungszeiten: Di. bis Fr. 10 bis 16 Uhr, Sa. & So. 13 bis 17 Uhr;

www.waldenburg.de

Von Christian Ruf

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