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Lokales Warum beendet ein junger Mensch freiwillig sein Leben?
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11:11 12.10.2015
Plädiert gegen die Kriminalisierung der Sterbehilfe: Eugen Drewermann. Quelle: Bernd Weissbrod

Der Theologe, suspendierter Priester, Psychoanalytiker und Schriftsteller Eugen Drewermann ist einer der bekanntesten deutschen Kirchenkritiker. In seiner Arbeit und seinen Vorträgen beschäftigt er sich seit langer Zeit mit psychologischen Phänomenen. Jugendfrei Autorin Xenia Grohmann hat sich mit ihm während eines Besuches in Dresden über das Thema Selbstmord unter Jugendlichen unterhalten.

Frage: Sind Sie in ihrem Leben bereits Menschen begegnet, die selbstmordgefährdet waren bzw. später durch Suizid ums Leben gekommen sind?

Eugen Drewermann: Ja, ich habe schon Menschen kennengelernt, die Selbstmord begehen wollten und in zwei Fällen musste ich auch erleben, dass sie es tatsächlich getan haben. Dabei habe ich begriffen, wie wenig dazugehört. Letzten Endes sind es winzige, zufällige Augenblicke.

War ein Fall besonders einprägsam?

Ich entsinne mich an eine Frau, die mit der Zeit tiefes Vertrauen zu mir gewann. Sie hat im Ausland sehr viel durchgemacht. Ihr Mann schätzte sie über alles, aber sie litt an schweren Minderwertigkeitsgefühlen. Dann war es kurz vor Weihnachten und ihre Mutter kam. Sie wollte ihrer Tochter helfen und eine Erleichterung für den Haushalt sein. Jedoch habe ich zu spät begriffen, dass das für sie eine tödliche Bedrohung war, denn es stand eine Frau neben ihr, die wieder bewies, dass sie zu nichts im Stande war. Die Frau fragte mich sogar am Ende der letzten Sitzung vor ihrem Suizid, wann sie wieder kommen könne. Ich habe gesagt: "Wie immer in der nächsten Woche." Doch das war zu spät für sie. In dieser Geschichte waren es Minderwertigkeitskomplexe, welche die Frau zum Suizid antrieben.

Welche Gründe vermuten sie bei Jugendlichen?

Zum einen kann die Unerträglichkeit des Elternhauses ein Auslöser sein. Erwartungen und mögliche Frustration spielen dabei eine entscheidende Rolle.Zum Teil suchen Jugendliche auch ein Ausweichen in Drogen. Das kann bereits eine Art von verlängertem Selbstmord sein. Man schaltet nur noch ab, will raus, aber weiß nicht wie. In jungen Jahren kann aber auch ein Suizid aufgrund der Enttäuschung einer verlorenen Liebe eingeleitet werden. Man hat jemanden geliebt, als wäre er das Leben. Er war das Ein und Alles. Dann passiert irgendetwas, das man manchmal selber nicht versteht, wozu man aber beigetragen hat, womit man nicht fertig wird. Dann will man am besten gar nicht mehr leben.

Gibt es ihrer Meinung nach ein Motiv, das bei allen suizidgefährdeten Menschen vorzufinden ist?

Ich glaube, dass alle Suizidversuche auf dem Verlangen beruhen, endlich so aufgenommen zu werden, wie man es brauchen würde. Leute stürzen sich in den Tod, wie andere in die Arme eines Anderen, der sie auffängt - für immer. Es ist die Sehnsucht nach einer Welt, die ganz anders ist. Und diese Sehnsucht stimmt, die kann man nur bestätigen. Aber sie ist nicht erfüllbar in den paar Jahren hier auf Erden.

Können sie diesen Grund und eine endgültige Entscheidung gegen das Weiterleben verstehen?

Ja unbedingt. Ich kann auch Leute von ihrem Entschluss, Selbstmord begehen zu wollen, nicht abhalten, außer ich gehe den Gründen nach, die erst einmal plausibel scheinen: Was ist alles nicht richtig im Leben? Was versperrt den Weg? Was gibt es für Widersprüche gegen Glück oder Hoffnung? Je bewusster man sich über die Ursachen wird, desto besser kann man Wege daran vorbei finden. Aber nur durch verstehen. Ich kann nicht sagen: "Ich bin es leid. Jetzt hören sie mit dem Quatsch auf. Sie haben vielleicht noch 60 Jahre zu leben." Das geht absolut nicht.

Und wie würden sie dem persönlichen Umfeld raten mit einer geliebten Person umzugehen, die Selbstmordgedanken hat?

Es gibt kaum einen Selbstmord, der nicht lange vorher signalisiert wird. Jedoch braucht es eine gewisse Sensibilität um den Hilferuf an die Umwelt zu verstehen. Das Problem ist, dass die Personen, die dem Betroffenen am nächsten stehen, in den ganzen Komplexen zutiefst verwickelt sind und deshalb als Hilfe am wenigsten in Frage kommen. So wie bei dem beschriebenen Fallbeispiel, in dem der Besuch der eigenen Mutter das Todesurteil für die Tochter darstellt.

Also würden sie raten, dass man professionelle Hilfe sucht?

Meistens. Wenn der Wille Suizid zu begehen beispielsweise aufgrund einer Beziehungstragödie besteht, dann kann eigentlich nur eine Person von außen einen gewissen Abstand herstellen.

Denken sie, dass bei Suizidgefährdeten die "Grenzen der Medizin" erreicht sind?

Ich plädiere dafür, dass man auf die Möglichkeit über das Ende des Lebens hier auf Erden selber zu bestimmen, nicht mit dem Strafrecht antwortet. Es gibt Verzweifelte, denen sollte man helfen, wenn es geht. Es gibt aber auch andere, die der Meinung sind, dass ihr Leben zu Ende ist und es keinen Grund mehr gibt, dieses zu verlängern. Die sind weder krank, noch verzweifelt. Jedoch ist es in unserer Gesellschaft für manche völlig unverständlich, wenn jemand das Leben beendet sieht, wo er doch eigentlich gut leben könnte. Er kann essen, schlafen oder Filme schauen. Man begreift aber nicht, dass manche Leute tiefer fragen, als die Oberflächlichkeit der Unterhaltungsindustrie und des Konsums es zulässt. Friedrich Nitzsche meinte einst, dass unsere Kultur sich ändern würde, wenn wir selber den Todestag feiern könnten, wie ein Fest und selbst bestimmen, wann wir Abschied nehmen, die Tür öffnen und die Feier verlassen.

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