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16:41 07.02.2020
Die Hortfinanzierung an der Unischule in Dresden sorgt für Aufregung. Quelle: Sebastian Gollnow/dpa
Dresden

Das Problem ist von Anfang an bekannt, jetzt schlagen die Eltern Alarm: In einem Schreiben an die Politik bitten Elternvertreter aus dem Grundschulbereich der Universitätsschule um Unterstützung „bei der Lösung eines unsere Schule existentiell bedrohenden Problems“.

Die Universitätsschule war zu Beginn des Schuljahres mit einem Grundschul- und einem Oberschulbereich gestartet. Aufgrund von allerlei Querelen im politischen Raum hatte sich der Start schon um ein Jahr verzögert. Inzwischen läuft der Betrieb: „Die Unischule ist erfolgreich gestartet und alle Beteiligten – Schüler, Lehrer, Eltern, Wissenschaftler – sind sehr zufrieden“, erklärte die TU Dresden auf DNN-Anfrage.

Modell mit besonderem Ansatz

Das Modellprojekt verfolgt einen besonderen Ansatz, völlig neue Formen des Unterrichts sollen erforscht werden. Der Freistaat hatte dafür im Schulgesetz den Weg gebahnt, war aber offenbar auf halbem Weg stehengeblieben. „Eine tragende Säule des Konzepts ist der sogenannte gebundene Ganztag“, heißt es im Schreiben von Elternrat Ingo Frohberg. Der Brief sei bislang Politikern von CDU und Grünen auf Stadt- und Landesebene zugegangen, sagte er den DNN.

Der „gebundene Ganztag“ hebe die formale Trennung zwischen Schule und Hort auf und verteile Phasen des Lernens, des Spielens, der Erholung, der sozialen Interaktion und ähnliches strukturiert über den gesamten Tag. So flexibel sind die Gesetze aber nicht. Ein formaler Hort im Sinne des sächsischen Kita-Gesetzes existiert damit nicht und damit gibt es auch kein Geld – zumindest vom Land. Betreut werden müssen die Kinder aber trotzdem.

Stadt zahlt für den Hort

Die Stadt als Schulträger hat das Problem erkannt. Sie entschloss sich, den eingesparten Kommunalanteil der Hort-Finanzierung plus die eingenommenen Elternbeiträge für die Finanzierung von zusätzlichem Betreuungspersonal bereitzustellen. Horte und andere Kitas werden ganz grob betrachtet grundsätzlich zu je einem Drittel von Eltern, Kommunen und dem Land finanziert.

Das Drittel des Landes fehlt nun bei der Unischule. Die übliche Kita-Pauschale pro Jahr und Kind, die derzeit bei rund 3000 Euro liegt, fließt nicht für das Modellprojekt. Nach DNN-Informationen war im sächsischen Landtag 2018 ein Versuch von Bildungspolitiker, dies in den Beschlüssen zum Doppelhaushalt für 2019/20 zu ändern, gescheitert. Sie konnten ihre Finanzpolitiker nicht überzeugen.

„Existenzbedrohendes Problem“

Für Ingo Frohberg ist das Problem inzwischen „existenzbedrohend“. Wo ein normaler Hort mit 130 Kindern über sechs Vollzeitstellen verfügen würde, sind es an der Unischule lediglich viereinhalb, rechnet der Elternvertreter vor, der im beruflichen Leben Anwalt ist. Die Lücke werde derzeit über externe Partner, freiwilliges Engagement der Eltern und „weit überobligatorischen Einsatz aller sonst Beteiligten notdürftig geschlossen“. Das führe zu andauernder Überlastung. „Das gesamte Team der Schule leistet Außergewöhnliches und bewegt sich dabei seit Monaten faktisch ununterbrochen im roten Bereich.“ Und mit jeder neuen Schulklasse, die aufgenommen wird, wächst nicht nur die Schule, sondern auch das Problem.

Frohberg weist darauf hin, dass der Freistaat für die Finanzierung des Horts nicht wirklich zusätzliche Gelder aufbringen müsste. Die 390 000 Euro für die 130 Kinder würden bei jeder anderen Grundschule mit klassischem Hort genauso anfallen. Im Schreiben an die Politik deutet Frohberg an, wo er eine Lösung sehen würde: Das sächsische Schulgesetz sehe – „im Gegensatz zu anderen Bundesländern – derzeit noch keine erweiterten Personalschlüssel für eine Schule mit gebundenem Ganztag vor. Bislang betreue die Schule ihre Kinder über einen deutlich längeren Zeitraum als jede andere sächsische Schule in öffentlicher Trägerschaft, verfüge aber gleichwohl „nur über eine deutlich reduzierte Personal- und Finanzausstattung“.

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Von Ingolf Pleil

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