Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Schlampige Planungen haben den neuen Schulcampus in Pieschen gefährdet
Dresden Lokales Schlampige Planungen haben den neuen Schulcampus in Pieschen gefährdet
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:50 17.01.2019
Der Schulcampus Pieschen wird pünktlich fertig. Aber die Kosten steigen. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Die gute Nachricht zuerst: Der Schulcampus Pieschen kann voraussichtlich ab dem Schuljahr 2019/2020 genutzt werden. Das ist wichtig für das Gymnasium Klotzsche. Pieschen ist der Auslagerungsstandort für den Neubau des Schulgebäudes in Klotzsche.

Es gibt zwei schlechte Nachrichten von der Baustelle in Pieschen: Die als Bauherrenvertreter tätige städtische Tochtergesellschaft Stesad GmbH hat den Vertrag mit der aus drei Planungsbüros bestehenden Arbeitsgemeinschaft (Arge) gekündigt. Und: Es sind bereits rund neun Millionen Euro Mehrkosten angefallen. Darüber hinaus sieht die Stesad aufgrund der bisherigen Erfahrungen mit der Planungsqualität und den enormen Preisentwicklungen am Baumarkt weitere Kosten in Höhe von rund sieben Millionen Euro. Der geplante Kostenrahmen für den Neubau lag ursprünglich bei knapp 75 Millionen Euro.

Im DNN-Interview erklärt Stesad-Geschäftsführer Axel Walther, wie es zu der Entwicklung gekommen ist.

Frage: Warum haben Sie jetzt einen Schlussstrich gezogen und die Planer rausgeworfen?

Axel Walther: Der Weg dahin war ein längerer Prozess. Die Arge haben wir nach einem Architektenwettbewerb gebunden. Die ersten Probleme gab es bereits 2016. Die Arge hat der Stadt eine vermeintlich kostengünstige Gründungsvariante, sozusagen das Fundament, vorgeschlagen. Allerdings wurden die Erkenntnisse eines vorliegenden Bodengutachtens nicht ausreichend berücksichtigt, wie wir heute wissen. Dabei hatte das verantwortliche Planungsbüro der Arge gerade im Tiefbau besonderen Erfahrungen. Nachdem wir den Auftrag für die Gründung vergeben haben, hat das beauftragte Bauunternehmen fachliche Bedenken angemeldet. Es musste umgeplant werden, es wurde teurer und wir hatten drei Monate Zeitverzug.

Axel Walther Quelle: Ralf U. Heinrich

Wie wollten Sie die verlorene Zeit aufholen?

Entsprechend des Zeitplanes war zu diesem Zeitpunkt der Rohbau bereits ebenfalls vergeben. Wir haben das Rohbauunternehmen beauftragt, die Baustelleinrichtung aufzubauen und alle Ressourcen wie Kräne vorzuhalten, obwohl zunächst wegen der Probleme mit der Gründung nicht gebaut werden konnte. Wir haben Baukonjunktur: Wären die Ressourcen einmal abgezogen worden, wären sie so schnell nicht zurückgekommen. Wir hätten noch mehr Zeit verloren.

Tragswerksplaner im Ruhestand

Was hat das gekostet?

Für die neue Gründung wurden Nachträge in Höhe von rund 2,4 Millionen Euro fällig. Die Vorhaltung der Baukapazitäten hat eine halbe Million Euro gekostet. Das war kein guter Start.

Konnte nach der Gründung zügig gebaut werden?

Nein. Die Tragwerksplanung wurde zum nächsten großen Problem. Sie kam viel zu spät. Und als sie dann schrittweise vorgelegt wurde, war die Qualität so schlecht, dass sie der Prüfstatiker komplett zurückgegeben hat. Wie sich herausstellte, war der qualifizierte Tragwerksplaner in dem Planungsbüro in den Ruhestand gegangen. Die Arge hatte einen Nachauftragnehmer mit wenig Erfahrung beauftragt. Dort arbeiteten Berufsanfänger, die auch keine Vorlageberechtigung vorweisen konnten. Vereinbarungen und Zusagen der Arge zur Vorlage der Pläne wurden immer wieder nicht eingehalten.

Wie sind Sie zu einer vernünftigen Planung gekommen?

Erst nachdem ein weiteres Büro durch die Arge hinzugezogen wurde. Inzwischen hatten wir aber weitere fünf bis sechs Monate eingebüßt. Neue Planer müssen sich erst in die Materie einarbeiten.

Schultafeln hätten nicht an der Wand gehalten

Wie ging es auf der Baustelle weiter?

Unser Ziel war es, verlorene Zeit wieder einzuholen. Dafür wurden mit dem Rohbauunternehmen Beschleunigungsmaßnahmen erarbeitet und beschlossen: Das Unternehmen ist ins Mehrschichtsystem gewechselt und hat zusätzliche Kapazitäten eingesetzt. Betonzusätze und eine aufwendige Beheizung der Baustelle hat das Bauen im Winter ermöglicht. Insgesamt haben die Probleme mit der Tragwerksplanung Mehrkosten von rund drei Millionen Euro verursacht. Hinzu kommen Nachträge wegen mangelhafter Leistungsverzeichnisse. So wurde zum Beispiel eine zu geringe Stahlmenge angenommen. Wir mussten für die Korrektur des Fehlers eine halbe Million Euro mehr ausgeben. Dafür haben wir jetzt wieder eine Chance, rechtzeitig fertig zu werden. Der Rohbau war im Juli 2018 im Wesentlichen fertig.

Konnten Sie beim Ausbau das Tempo halten?

Im Frühjahr 2018 hat die Arge die Leistungsverzeichnisse vorgelegt. Bei einer Plausibilitätsprüfung ist uns klar geworden, dass die Qualität auch bei den Ausbau- und Haustechnikplanungen sehr schlecht ist. Wir mussten im April und Mai zwei weitere Büros aus Dresden binden, die die Pläne geprüft und Schritt für Schritt Planungskomponenten übernommen haben. Viele Probleme konnten so rechtzeitig erkannt und korrigiert werden. Allerdings stellen sich bei einem so komplexen Bauvorhaben leider viele Mängel auch erst in der Bauphase heraus. Nur zwei Beispiele: In den Klassenzimmern waren für die Trockenbauwände keine verstärkenden Konstruktionen vorgesehen. Wie soll da eine Tafel angebracht werden? Der Elektroplaner hatte veraltete Beleuchtungssysteme ausgeschrieben, für die es keine Anbieter mehr gibt.

Auf den Dreieck entsteht der Schulcampus Pieschen an der Gehestrasse in Dresden / Sachsen. Quelle: Jürgen-M. Schulter

Wie haben Sie als Bauherrenvertreter auf diese schlampigen Planungen reagiert?

Wir haben im Mai und Juni die Bauüberwachung und die Bauoberleitung an uns gezogen. Die zusätzlich beauftragten Planungsbüros haben immer mehr Leistungen übernommen. Im August haben wir alle Abläufe überarbeitet und ein neues Regime auf der Baustelle eingeführt. Das trägt Früchte. Vor allem, weil die Bau- und Handwerksunternehmen auf der Baustelle wirklich tolle Arbeit leisten, wofür ich außerordentlich dankbar bin. Der Schulbetrieb wird aus heutiger Sicht trotz des gewaltigen Zeitverzugs im August aufgenommen werden können.

„Das habe ich noch nie erlebt.“

Warum haben Sie die Planer erst im Dezember gekündigt? Warum nicht schon früher?

Wir wollten das Projekt nicht zusätzlich gefährden. Das ist eine sehr große und komplexe Baustelle mit umfangreichen Planungen. Wenn wir frühzeitig gekündigt hätten, hätten wir andere Planer finden müssen. Schon das ist in einer Baukonjunktur schwierig. Die neuen Planer brauchen dann mehrere Monate, sich in die Materie einzuarbeiten. So lange hätten die Bauarbeiten geruht.

Ist ein Ende mit Schrecken nicht manchmal besser?

So eine Entscheidung trifft man nicht leichtfertig. Es ist immer die beste Variante, die beauftragten Büros in die Spur zu bekommen. Wir wollten den Planern die Chance geben, sich zu verbessern und eigene Planungsmängel auszubessern. Es gab ja auch durchaus Antworten, die uns in unserer Hoffnung bestärkt haben.

Sie sind lange auf dem Bau tätig. Ist Ihnen so etwas schon einmal passiert?

Das habe ich noch nie erlebt. Dass es über die verschiedenen Planungsbereiche so schlechte Leistungen gibt, ist für mich eine neue Erfahrung. Jedes Planungsbüro hat Schwachstellen. Aber die hier aufgetretene Vielzahl von Problemen und Mängeln ist schon erschreckend.

Wie hoch werden die Mehrkosten ausfallen?

Wir rechnen mit neun Millionen Euro, die bereits angefallen sind. Für den weiteren Fortgang müssen wir mit weiteren Nachträgen wegen Mengenmehrungen und notwendiger Leistungsänderungen rechnen. Dann werden wir auch die starke Preisentwicklung am Baumarkt weiterhin zu spüren bekommen. Wir sind die einzelnen Gewerke in den letzten Wochen detailliert durchgegangen und rechnen mit guten sieben Millionen Euro. Hinzu kommen knapp zwei Millionen Euro für Änderungen am Projekt, die durch den Bauherren angeordnet werden mussten, um die Fortentwicklung der Richtlinien im Schulbau zu berücksichtigen. In der Summe werden wir wohl bei rund 92 Millionen Euro landen.

Schadensersatzansprüche werden geprüft

Werden Sie die Planer in die Verantwortung nehmen?

Wir prüfen gemeinsam mit einer Rechtsanwaltskanzlei aktuell die Höhe der Schadensersatzansprüche und werden diese auch geltend machen.

Wäre der Neubau auch bei sauberer Planung teurer geworden?

Davon gehen wir aus. Die Kostenschätzungen für ein öffentliches Bauvorhaben sind meist drei Jahre alt. Der Baukostenindex steigt aber Jahr für Jahr. Von 2016 bis 2018 gab es am Markt Kostensteigerungen von 12 bis 14 Prozent. Wir hätten in jedem Fall eine Erhöhung gehabt, wenngleich natürlich nicht in der nun prognostizierten Höhe.

Welche Lehren lassen sich aus dem Geschehen ziehen?

Grundsätzlich wäre es schön, mit den Planungen vor Baubeginn komplett fertig zu sein. Das ist ja auch eine Empfehlung des Rechnungsprüfungsamtes. Aber das habe ich erst bei einem Bauvorhaben bisher erlebt. Bei so komplexen Bauvorhaben wäre es sehr sinnvoll, die Erfahrungen und Kompetenzen von Bauunternehmen und Handwerkern stärker zu nutzen und sich nicht nur auf das Planungsbüro zu stützen. Private Bauherren nutzen dies schon immer. Das Vergaberecht lässt dies für öffentliche Bauherren leider nur in Ausnahmefällen zu.

Von Thomas Baumann-Hartwig

Lokales Rene Jahn tritt für Freie Wähler in Dresden an - Große: "In der Summe bürgerliche Mitte"

Der Freie Wähler Dresden e.V. hat am Mittwochabend seine Kandidaten für die Stadtratswahl aufgestellt. Mit von der Partie: Die FDP-Mitglieder Barbara Lässig und Jens Genschmar.

17.01.2019

„Wir hatten in Dresden noch nie eine solch hohe Durchschnittstemperatur“, resümiert Franziska Reinfried, Meteorologin im Umweltamt. Im DNN-Interview blickt sie auf das Klima 2018 zurück, das viele Rekorde brach und erklärt, was das bedeutet.

16.01.2019

Mögliche Brexit-Folgen treiben viele Unternehmer in Sachsen um: Fallen Zölle an? Gelten europäische Zertifikate und Genehmigungen weiter? Halten die Lieferketten? Die Industrie- und Handelskammer Dresden will Hilfe bieten.

16.01.2019