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Dresden Lokales Warum Dresdner Eltern beim Kultusminister protestieren
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14:33 13.07.2019
Dresdner Eltern kämpfen mit einer Unterschriftensammlung gegen die Kürzung des Deutschunterrichts um eine Stunde in Sachsen. Quelle: privat
Dresden

In Dresden machen Eltern gegen die Lehrplanänderungen des Freistaats mobil. „Das geht überhaupt nicht“, beschreibt Regine Scheffer die Reaktion von Müttern und Vätern auf die geplante Streichung von einer Stunde Deutsch pro Woche für Grundschüler in der 4. Klasse. 50-Jährige hat drei Kinder, zwei sind bereits am Gymnasium, das jüngste kommt im August in die vierte Klasse an der 49. Grundschule auf der Bernhardstraße.

Der Freistaat will mehr politische Bildung, Medienbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung vermitteln. Dazu sind hat er 90 Fachlehrpläne für die Grundschulen, Oberschulen, Gymnasien und Förderschulen von Fachexperten analysieren, bewerten und überarbeiten lassen. Veränderungen in der Stundentafel mussten in die Pläne eingearbeitet werden. „Damit stärken wir die schulische Bildung in gesellschaftlich sehr relevanten Themenfeldern und machen sie zur Aufgabe für alle allgemeinbildenden Schulen und fast allen Fächern“, hatte Kultusminister Christian Piwarz (CDU) Ende Juni dazu erklärt. Außerdem sollte die Stundenbelastung der Schüler gesenkt werden. So werden ab dem Schuljahr 2019/2020 unter anderem in Grundschulen in der 3. Klassenstufe je eine Unterrichtsstunde weniger Musik und in der 4. Klassenstufe je eine Stunde weniger Deutsch und Sport unterrichtet.

Das stößt nun auf Widerstand. Als Übersetzerin liege ihr Sprache am Herzen, erklärt Regine Scheffer ihre Engagement. Beim Schulfest vor einigen Tagen habe sie innerhalb von zwei Stunden fast 90 Unterschriften „für die Rücknahme der Kürzung im Fach Deutsch“ gesammelt. Bei den Eltern sei sie auf breite Unterstützung gestoßen.

Ministerium sichert Qualität zu

Das Kultusministerium bestätigte auf DNN-Anfrage den Eingang des Briefes und stellte eine Beantwortung in Aussicht, der nicht vorgegriffen werden sollte. „An der Qualität wird sich nichts ändern“, versicherte Susann Meerheim aus der Pressestelle. Eher im Gegenteil, die Schulen erhielten nun mehr Freiräume, um auf spezielle Defizite der Schüler besser reagieren zu können. Sie könnten beispielsweise spezielle Lernangebote für Schüler mit Schwierigkeiten in der Orthographie durchführen, ohne dass die Unterrichtsbelastung steige. So gebe es die sogenannte „Eigenverantwortungsklausel“ in den Stundentafeln. Hier könnten die Schulen eigene Stundenpläne – im gewissen Rahmen – erstellen. Wenn eine Grundschule bemerke, dass bei den Schülern in der Klasse 3 oder 4 große Defizite in der Rechtschreibung vorliegen, könne die Schule eine Deutschstunde erhöhen und müsse dafür eine andere Unterrichtsstunde kürzen – die Lehrerkonferenz muss zustimmen. „Oder die Schule verstärkt ihr Ganztagesprogramm in dieser Richtung“, fügte Meerheim hinzu.

Regine Scheffer ist der festen Überzeugung, dass es für den Bildungserfolg der Kinder von wesentlicher Bedeutung ist, dass sie frühzeitig lernen, sich mündlich und schriftlich korrekt auszudrücken. Außerdem müssten sie diese elementaren Grundfertigkeiten in der Grundschule lernen, damit sie später daran anknüpfen und darauf aufbauen können. Laut den jüngsten Ergebnissen des Instituts für Qualität im Bildungswesen (IQB) im „Bildungstrend“ 2016 erreichten nur 9,7 Prozent der sächsischen Viertklässler den Optimalstandard, während 19,1 Prozent sogar den Mindeststandard verfehlten, argumentierte Regine Scheffer in einem Schreiben an den Kultusminister. Zudem befürchtet sie, der Freistaat könnte Abstriche bei den künftigen Ansprüchen an die Bildungsziele im Deutsch-Unterricht machen.

Große Zustimmung für Lernziel

Bestätigt sieht sie sich in ihrer Haltung auch durch eine kürzlich vorgelegte Studie der Roland Berger Stiftung, in deren Auftrag das Institut für Demoskopie Allensbach nach den Lernzielen in der Grundschule gefragt hatte. 86 Prozent der Gesamtbevölkerung und 88 Prozent der Eltern mit Kindern an der Grundschule erklären die „Gute Beherrschung von Rechtschreibung und Grammatik“ zum wichtigsten Punkt.

„Mit dieser Unterschriftensammlung fordern wir daher, dass die bildungsschädlichen Kürzungen im Fach Deutsch zurückgenommen werden, damit die Grundschulen ihren Bildungsauftrag ordnungsgemäß erfüllen können und die sächsischen Viertklässler bestmöglich ausgebildet in die weiterführende Schule und ihr späteres Berufsleben entlassen werden.“

Bislang habe sie nur die Lehrpläne für die Grundschule verglichen. In nächster Zeit will sie sich auch noch das Gymnasium vornehmen und „möglicherweise eine breitere Aktion“ starten.

Von Ingolf Pleil

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