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Dresden Lokales Wann stinkt es im Dresdner Norden nicht mehr?
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07:33 18.04.2019
Blick auf die Müllsortieranlage am Hammerweg: Die Lagerhalle oben rechts ist besonders umstritten.
Blick auf die Müllsortieranlage am Hammerweg: Die Lagerhalle oben rechts ist besonders umstritten. Quelle: Foto: Stadtreinigung Dresden
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Dresden

Wann, wenn nicht jetzt, ist Zeit für Verbesserungen? Der Markt ist im Umbruch. Der Braunkohleausstieg belastet das Dresdner Abfallentsorgungskonzept. Bisher wird der Müll der Dresdner Einwohner in der „Biologisch-mechanischen Abfallaufbereitungsanlage“ (BMA) am Hammerweg verdichtet und zu Ersatzbrennstoff verarbeitet. Die Pellets wandern in Braunkohlekraftwerken in die Öfen.

„Es stinkt früh und es stinkt abends.“

Noch. Bald gibt es keine Braunkohlekraftwerke mehr. Dresden hat ein Problem – ein Problem mehr. Denn die Genehmigung der BMA läuft 2021 aus, die Landesdirektion Sachsen (LDS) soll eine neue erlassen. Hier kommen die Anwohner von Trachenberge und die Kleingärtner entlang der Hansastraße ins Spiel. Ihnen fährt das in die Nase, was am Hammerweg gelagert und verarbeitet wird. Wann, wenn nicht jetzt, fragen sie, werden wirksame Maßnahmen gegen die Geruchsbelästigung, zu deutsch Gestank, ergriffen?

Und so haben sich am Mittwochmorgen zahlreiche Anwohner im Saal 4004 der LDS an der Stauffenbergallee versammelt und tragen im Anhörungsverfahren vehement ihre Einwände vor. „Ich höre hier immer kommunale Daseinsvorsorge. Wer aber denkt an uns Anwohner?“, fragt Claus Dittrich, der an der Weinbergstraße wohnt. „Es stinkt früh und es stinkt abends. Das weiß doch jeder. Wir sind doch nicht aus Langeweile hier. Sondern weil es bei uns stinkt.“

Wenn die neue Genehmigung den Stand der Technik zum Maßstab macht und beispielsweise den Einbau von Unterdruckschleusen per Auflage verlangt, könnte es besser werden, glauben die Anwohner. Die Situation könnte sich aber auch verschlimmern, befürchten sie: Nämlich dann, wenn die BMA geschlossen werden sollte und Dresden auf ein Konzept setzt, bei dem der Müll am Hammerweg nur noch zwischengelagert wird vor dem Abtransport zu einer Müllverbrennungsanlage.

Der Dresdner Abfall wird europaweit ausgeschrieben

Mehr Transporte heißt nicht nur mehr Lärm und Abgase. Das heißt auch, dass die Tore der Lagerhalle häufiger offen stehen. Und der Geruch nach außen dringt. Die Lagerkapazität der Halle soll um 900 Tonnen auf 1000 Tonnen erhöht werden. Viel Müll riecht kräftiger als weniger Müll, wissen die Anwohner. Sie bezweifeln die Ergebnisse eines Gutachtens zum Gestank. Es berücksichtige nur seelenlose Grenzwerte, aber nicht die reale Situation. „Früh und abends können wir nicht lüften“, sagt Jana Gärtner.

„Der Dresdner Abfall wird europaweit ausgeschrieben. Wir wissen noch nicht, wohin die Reise geht“, erklärt Frank Siebert, Geschäftsführer der Stadtreinigung Dresden. Im Herbst sei mit Ergebnissen der Ausschreibung zu rechnen. Dann stünde fest, ob aus der Behandlungsanlage ein Zwischenlager wird.

Fahrzeuge bringen Müll in die Anlage. Steht die Tür offen, dringt der Gestank nach draußen. Quelle: Carola Fritzsche/Archiv

Frank Heinze, Betriebsleiter der BMA, verspricht den Anwohnern signifikante Verbesserungen. Ein 39 Meter hoher Abluftkamin werde auf 67 Meter erhöht, eine dritte Abgaslinie eingebaut. „Dann können wir mehr Luftvolumen absaugen und reinigen. Die Primärbelastung der Abluft wird geringer“, verspricht er.

Anwohnerinnen wie Bettina Simon oder Waltraud Seefried verweisen darauf, dass ihnen schon oft Verbesserungen versprochen worden seien. „Aber es ist bei den Versprechen geblieben“, sagte Seefried.

Tina Grunert von der LDS, die die sehr sachlich geführte Anhörung geleitet hatte, versprach, dass die Behörde alle vorgebrachten Einwände im Genehmigungsverfahren genau prüfen werde.

Von Thomas Baumann-Hartwig