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Lokales Lahmann-Grabstätte in Dresden in Gefahr
Dresden Lokales Lahmann-Grabstätte in Dresden in Gefahr
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21:00 13.08.2019
Die Lahmann-Grabstätte auf dem Waldfriedhof Weißer Hirsch ist eine Baustelle. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Es ist sicher nicht eines der auffälligsten, aber es gilt als eines der bekanntesten und bedeutendsten Grabmale auf dem Waldfriedhof Weißer Hirsch. Jetzt ist es eine Baustelle. Die Gedenkstätte von Sanatoriumsgründer und Arzt Heinrich Lahmann und seiner Familie muss saniert werden.

Die Kosten dürften sich auf rund 40.000 Euro belaufen. Denn das Grabmal besteht nicht nur aus dem denkmalgeschützten Bau über der Erde, darunter befindet sich auch noch eine Gruft. Und auch die ist nach Ansicht der städtischen Denkmalpflege erhaltenswert.

Für die Familie kümmert sich Axel Lahmann seit einiger Zeit um die Angelegenheit. Er ist der Urenkel von Heinrich, der dem Lahmann-Sanatorium seinen Namen gab, und der letzte Lahmann, der noch auf dem Weißen Hirsch geboren wurde. In den vergangenen Monaten war er mehrmals in Dresden, um mit den zuständigen Stellen über die Zukunft der Grabstätte zu sprechen.

Familie muss für ordnungsgemäßen Zustand sorgen

Anfang des vergangenen Jahres hatte die Kirchgemeinde Bad Weißer Hirsch dazu im Auftrag der Familie ein Gutachten in Auftrag gegeben. Der Kirchgemeinde gehört der Waldfriedhof, und sie würde die Grabstätte auch übernehmen – aber dazu muss diese in einem ordnungsgemäßen und verkehrssicheren Zustand sein. Dafür müsste die Familie sorgen.

In der denkmalgeschützten Gruft liegen Sanatoriumsgründer Heinrich Lahmann und eine Reihe von Familienmitgliedern. Quelle: Anja Schneider

Das Gutachten schlug zwei Möglichkeiten vor: Verfüllung der Gruft und Erhalt des oberirdischen Bauwerks (die deutlich günstigere Variante) oder Erhalt der gesamten Anlage. Ganz abgesehen von der Einschätzung der Denkmalpflege war die Entscheidung klar. Grabmal und Gruft müssen erhalten bleiben. „Da waren wir uns alle einig“, sagt Axel Lahmann. Der Familie sei auch bewusst, dass sie dafür die Kosten tragen müsse. Eigentlich betrifft das seine Mutter Erica, gerade 98 Jahre alt geworden, die einen Lahmann-Enkel geheiratet hatte. Ihr Mann Jürgen war 1998 der letzte, der in der Lahmann-Gruft beigesetzt wurde. Von da an hatte die Familie für 20 weitere Jahre die Nutzungsberechtigung. Sie ist 2018 ausgelaufen.

Lahmann-Vermögen und Sanatorium 1946 entschädigungslos enteignet

Wie sollte es also nun weitergehen? „Ich habe alle mir bekannten Nachkommen der verschiedenen Familienlinien angeschrieben“, sagt Axel Lahmann. Antwort gab es keine. Was ihn nicht wundert. Das Lahmann-Vermögen und das Sanatorium wurden 1946 entschädigungslos enteignet. Die letzten Lahmanns zogen 1949/50 aus Dresden weg in den Westen. „Verbindungen nach dort oder zu den Dresdner Wurzeln haben sie nicht mehr“, resümiert er.

40.000 Euro für die Sanierung aufzubringen, ist allerdings für die Familie ein harter Brocken. 7000 bis 8000 Euro könnten aus Denkmalschutzmitteln kommen. Es gibt Überlegungen, nach Paten zu suchen, die den Erhalt finanziell unterstützen würden.

Gedacht hat Axel Lahmann zum Beispiel an die Baywobau, die ja das Lahmann-Areal saniert hat. Berndt Dietze, Chef der Dresdner Niederlassung, sagte gegenüber DNN, er sei durchaus offen, da einen Beitrag zu leisten. Die Kirchgemeinde prüft zudem, ob ein Spendenaufruf möglich ist. Auch der Verschönerungsverein Weißer Hirsch zeigt sich grundsätzlich bereit, bei der Suche nach Geldgebern zu helfen.

Über der Erde Sanierungsaufwand relativ gering

Der Granitbau der Grabstätte steht an einer Ecke der Außenmauer des Friedhofs. Es ist ein offener Raum mit Bänken und Gedenktafeln aus Stahl für die Beigesetzten, in der Mitte Sanatoriumsgründer Heinrich Lahmann, der bereits 1905 starb.

Über dem Portal in einem Halbkreis das Familienwappen der Lahmanns: ein Anker in Menschenhand. Die Lahmanns stammen aus Bremen und „waren dort Reepschläger beziehungsweise Reepschlägereibesitzer“, erklärt Axel Lahmann. „Das Wappen bedeutet, dass die Reep, also Seile und Taue der Lahmanns fest halten.“ Erstmals sei es im Jahr 1728 am Haus eines Albert Lahmann in Bremen angebracht worden.

Über dem Portal in einem Halbkreis das Familienwappen der Lahmanns: ein Anker in Menschenhand. Quelle: Anja Schneider

Über der Erde ist der Sanierungsaufwand am Grabmal relativ gering, es müssen auf jeden Fall Sicherungsarbeiten am Dach erbracht werden. Der Bau besteht aus Granitquadern, der Innenraum ist mit Marmor verkleidet. Unter der Erde wird es aufwendig: Die Stahlträger in der Gruft sind schwer angerostet und müssen erneuert werden. Sie tragen auch die Last des oberirdischen Baues.

Für die Dauer der Arbeiten müssten die vier dort unten liegenden Särge und die sechs Urnen umgebettet werden. Nach Ansicht der städtischen Denkmalpflege sind auch sie kulturhistorisch bedeutsam und erhaltenswert. Öffentlich zugänglich ist die Gruft nicht und wird es auch nach der Erhaltung nicht sein.

Nicht bekannt, wer das Grabmal errichtet hat

Doch es drängt ein wenig die Zeit. „Die Arbeiten müssen bis Anfang Oktober abgeschlossen sein“, sagt Axel Lahmann, um die für 2019 zugesagten Zuschüsse des Denkmalamts abrufen zu können. Sonst muss für 2020 ein neuer Antrag gestellt werden.

Obwohl es sich bei dem Grabmal der Familie Lahmann um ein so bedeutendes Bauwerk auf dem Friedhof handelt, ist übrigens nicht mehr bekannt, wer es damals entworfen und errichtet hat. Weder bei der Kirchgemeinde noch bei der Familie finden sich dazu noch Unterlagen. Eine offene Frage, die beide gerne gelöst hätten.

Von Bernd Hempelmann

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