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Lokales Ein Wahldresdner will globale Probleme lokal in den Fokus rücken
Dresden Lokales Ein Wahldresdner will globale Probleme lokal in den Fokus rücken
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12:44 12.04.2019
Oscar Choque vom Ayni e.V. will Menschenrechtsverletzungen und die Ausbeutung bolivianischer Ressourcen in Sachsen bekannt machen. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Bolivien, 1986. Auf über viertausend Metern Höhe in den bolivianischen Anden trifft eine Krise den Bergbausektor hart: Von einem Tag auf den anderen erlischt die hohe Nachfrage nach Zinn – der Rohstoff, den auch Oscar Choque und seine Brüder wie viele andere Bergbauarbeiter Tag für Tag unter größter Anstrengung aus den Minen der staatlichen Bergbaugesellschaften holen. Aufgrund der plötzlichen Pleite entschließt sich Choque kurzerhand sein Heimatland zu verlassen und dem bolivianischen Bergbau als Arbeiter in zweiter Generation den Rücken zu kehren.

Teil des Eine-Welt-Programms

Fast ein Vierteljahrhundert später spielt sich der Arbeitsalltag des mittlerweile 58-Jährigen in einem Seminarraum der Dresdner Umweltzentrums anstatt in einer bolivianischen Bergbaumine statt. Der Diplom-Ingenieur für Forstwissenschaften ist heute Teil des Vereins Ayni e.V. und als Fachpromotor für Ressourcen, Technik und Umwelt in Sachsen tätig.

Mit Gastvorträgen an der Bergakademie Freiberg, der Technischen Universität Dresden und mit Seminaren für Schüler und Lehrer in ganz Sachsen will er globale Zusammenhänge zwischen Rohstoffkonsum, Rohstoffabbau und damit verbundenen Menschenrechtsverletzungen in das Bewusstsein von immer mehr Menschen rücken: „Da ich selbst im Bergbau gearbeitet habe, ist das ist ein Bereich, in dem ich mich auskenne. Aufgrund der eigenen Betroffenheit mit den existierenden Problemen vor Ort – Wasserverschmutzung, arbeitsrechtliche Probleme und so weiter – haben wir den Verein 2011 in Leipzig gegründet“, beschreibt Choque die Entstehungsgeschichte von Ayni.

Bundesministerium unterstützt Ayni

Der namensgebende Begriff „Ayni“ heißt übersetzt „Gegenseitigkeit“ und kommt aus der indigenen Sprache Quechua. „Diese Gegenseitigkeit wollen wir innerhalb der Vereinsarbeit mit einem Austausch zwischen der Kultur in Bolivien und den Industrieländern fördern“, erklärt der Ingenieur. Unterstützt wird Ayni e.V. dabei vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, das den Verein seit 2017 als Teil des Eine-Welt-Programms der sächsischen Landesregierung finanziert.

Über Russland, Österreich und die Schweiz nach Dresden

Oscar Choques erste Station außerhalb Boliviens vor seiner Ankunft in Dresden war nicht Deutschland. Mit Hilfe eines Stipendiums der damaligen Sowjetunion erhielt er die Möglichkeit, in der russischen Stadt Woronesch ein Studium der Forstwissenschaften zu beginnen.

Nach aufregenden Jahren im Süden Russlands und einem Diplom in der Tasche fiel erst die Berliner Mauer und später der Eiserne Vorhang: „Die Sowjetunion war nicht mehr zuständig für uns. Ich war quasi gezwungen auszuwandern. Wir hingen in der Luft und die Flugkosten nach Hause konnte ich in dem Moment nicht finanzieren“, erzählt Choque. Über Umwege in die Schweiz und nach Österreich landete er 1993 schließlich per Zufall in Deutschland.

Blick auf den größten Salzsee der Welt, den Salar de Uyuni im bolivianischen Hochland. Unter der Salzkruste lagern die größten Lithiumreserven der Welt. Quelle: Georg Ismar/dpa

„Die meisten haben von den Zusammenhängen und Problemen in Bolivien noch nie gehört“, sagt der Diplom-Ingenieur. Dennoch zeigen vor allem Studenten oftmals vertieftes Interesse an der Thematik.

Das liegt auch daran, dass eine neu vom Verein aufgegriffenes Problem in der deutschen Öffentlichkeit immer mehr Aufmerksamkeit erfährt: Bolivien besitzt das weltweit größte Lithiumvorkommen der Welt. Das Leichtmetall steckt in nahezu allen Batterien, ist deshalb besonders für den wachsenden Sektor der Elektromobilität immens wichtig. „Wir wollen einerseits die lokale Bevölkerung über die ökologischen Auswirkungen von Lithiumabbau informieren und andererseits versuchen in Deutschland Einfluss darauf zu nehmen, dass die Ressourcen trotz immer noch spürbarer Folgen der Kolonialzeit gerecht verteilt werden.“

Bolivianischer Präsidentschaftskandidat besucht Gläserne Manufaktur

Im Zuge dessen organisierte der Verein während der ersten Apriltage einen Besuch des bolivianischen Präsidentschaftskandidaten Felix Patzi in Dresden. Der aktuelle Gouverneur der größten bolivianischen Stadt La Paz besucht unter anderem die Gläserne VW-Manufaktur in Dresden – Hauptstandort des Konzerns für die Weiterentwicklung im Bereich Elektromobilität. Trotz Erfolgen und Kontakten wie diesen weiß Choque um die Herkulesaufgabe des kleinen Vereins: „Wie lange hat es gedauert, Leute in Industrieländern für Fair Trade und die gerechte Produktion von Kaffee oder Kakao zu sensibilisieren? Das war ein langer Prozess, aber es ist machbar.“

Kritischer Blick auf Entwicklungsarbeit

Am Montag, 15. April, nimmt Oscar Choque an einer Podiumsdiskussion des Vereins „Studieren ohne Grenzen“ mit dem Titel „Wer hilft hier wem? – Eine kritische Auseinandersetzung mit den Auswirkungen von Entwicklungszusammenarbeit“ teil. Die Diskussion mit freiem Eintritt findet um 19 Uhr im Marta-Fraenkel-Saal des Deutschen Hygiene-Museums, Lingnerplatz 1, statt. Neben Choque nehmen Elisabeth Jeglitzka („Brot für die Welt“), Professor Hans F. Illy (Universität Freiburg) und Tobias Lechtenfeld (Europakandidat der Partei „Volt Deutschland“) auf dem Podium Platz und stellen sich den Fragen aus dem Publikum. Moderiert wird die Diskussion von Ellen Schweda.

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