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Lokales Vortrag für den guten Zweck – Torsten Ranft liest beim DNN-Benefizkonzert
Dresden Lokales Vortrag für den guten Zweck – Torsten Ranft liest beim DNN-Benefizkonzert
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13:21 10.12.2019
Nicht nur textlich eine Nahaufnahme: Torsten Ranft. Quelle: Staatsschauspiel Dresden
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Dresden

Das Benefizkonzert zur DNN-Weihnachtsaktion „Dresdner helfen Dresdnern“ beschert dem Publikum in diesem Jahr eine Begegnung mit Torsten Ranft. Der Schauspieler, der die Lesungen zwischen den Konzertteilen bestreiten wird, ist sicherlich vielen Theatergängern der Stadt durch seine überaus einprägsamen Rollengestaltungen aufgefallen, gehört mittlerweile zu den dienstälteren im Ensemble. 2009 mit dem Intendanten Wilfried Schulz nach Dresden gekommen, steht er nun in seiner elften Spielzeit auf den Bühnen des Staatsschauspiels, hat unversehens ein ganzes Drittel seiner bisherigen Karriere hier verbracht.

Und das, obwohl er sich eigentlich als „einen echten Wanderer“ bezeichnet, den es nie länger als ein paar Jahre an einem Ort hält. In dem kurzen Gespräch, zu dem wir uns zwischen Probe und abendlichem Joggen im Schwarzmarktcafé treffen, begründet er das weniger mit dem Charme von Dresden. Er wollte nicht nach Düsseldorf. Seine Frau ist hier in der Straßenschule engagiert, um gefährdete Jugendliche wieder in die Spur zu bringen, ihr Sohn soll möglichst bis zum Abitur in Dresden bleiben.

Vieles ist möglich für jemanden, der ständig neue Anfragen und Angebote erhält – und so gesehen ist die Lesung am Sonntag eine besondere Gelegenheit für beide Seiten. Ranft wird lesen aus Ingo Schulzes Roman „Peter Holtz. Sein glückliches Leben erzählt von ihm selbst“, aus drei Kapiteln, die von der Jugendzeit des Helden berichten. Der Stoff beschäftigt ihn, denn die Stückfassung von Friederike Heller und Kerstin Behrens kommt am 7. Februar zur Uraufführung, und Ranft wird dabei in mehren Rollen zu sehen sein.

Zur rechten Zeit am rechten Ort

Wer Ranft in Kafkas „Amerika“ in der Regie von Wolfgang Engel in seiner wahnwitzig schrägen Nebenrollen gesehen hat, bekommt da vielleicht eine Vorahnung. Freilich muss der Mann, der „nicht gern nur auf einem Brett steht, um Text aufzusagen“, mit einem Stuhl vorliebnehmen, aber schließlich hat er ja auch schon unsichtbar als Hörspielsprecher agiert.

DNN-Benefizkonzert

Im Konzertsaal am Wettiner Platz der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber spielt das Philharmonische Kammerorchester Dresden für die DNN-Benefizaktion „Dresdner helfen Dresdnern“ unter Leitung von Wolfgang Hentrich Werke von Händel, Baermann, Corelli und Shir-Ran Yinon (*1986). Torsten Ranft liest Texte.

15.12., 20 Uhr, Tickets: 15 Euro (keine Ermäßigung)

Begonnen hat Ranfts Laufbahn offiziell im Herbst 1989, in Frankfurt/Oder, wohin er nach dem Schauspielstudium von Jörg Bochow, dem heutigen Dresdner Chefdramaturgen, geholt worden war. Zwei Jahre später ging er an die Volksbühne in Berlin zu Frank Castorf, spielte u.a. in „Clockwork Orange“ und fiel dem Regisseur Andreas Kriegenburg auf, der mit ihm die Titelfigur von Büchners „Woyzeck“ besetzte. Für die Rollengestaltung erhielt Ranft den Alfred-Kerr-Preis zum Berliner Theatertreffen.

In der Folgezeit wurde er rasch zu einem der überaus gefragten Darsteller. Die Liste der Regisseure, die wiederholt bzw. zeitweise regelmäßig mit ihm gearbeitet haben, erscheint als Who is Who der Vertreter des sehr bewusst zeitgenössischen, mit Konventionen brechenden Theaters, was freilich nicht mit der kontrovers diskutierten „Postdramatik“ gleichzusetzen ist. Was nach der vielzitierten Vernetzung klingt, erscheint mir vielmehr als Wirken eines unsichtbaren Räderwerks, dessen Zähne präzise ineinandergreifen und dafür sorgen, dass bestimmte Protagonisten immer zur rechten Zeit am rechten Ort auftauchen, der seit der Ära Schulz eben durchaus auch Dresden heißen kann. Ein längerer Aufenthalt bedeutet da nicht zwangsläufig einen Karriereknick.

Mitte der neunziger Jahre folgte Ranft Leander Haußmann nach Bochum, spielte später in dessen Filmen „Sonnenallee“ und „Herr Lehmann“. Es folgte Bremen mit einer Begegnung, die ihm in diesen Tagen sehr nachgeht, nämlich mit dem im Sommer verstorbenen Johann Kresnik, der ihm die Hauptrolle in seinem dem Worpsweder Maler Heinrich Vogeler gewidmeten Stück übertrug. Dafür gab es den zweiten Theaterpreis.

„Zweimal ,Emilia Galotti‘ sind wirklich genug.“

Wichtiger war wohl die existenzielle Erfahrung auf einem Weg, der wohl nicht nur Höhen kannte. Ranfts Begegnung mit Karin Henkel, ebenfalls in Bremen, nennt er als Beispiel für glückliche Momente, aus denen sich eine neue, für ihn zukunftsweisende Arbeitsbeziehung ergab. Was er mag und nicht mag – ein fest engagierter Schauspieler lehnt sich da eher nicht zu weit aus dem Fenster, obwohl: „Zweimal ,Emilia Galotti‘ sind wirklich genug.“ Er ist wohl auch mit dem Regisseur Jürgen Kruse zurecht gekommen, „mit dem keiner arbeiten wollte“. Sehr wichtig, dass der Mensch im Regiestuhl vor ihm über Humor verfügt. „Ich warte nicht, dass mir einer was sagt, sondern biete an, suche das Zwiegespräch.“

Ranft hat nicht nur das besondere Timbre, das wohl jeder gute Schauspieler braucht, sondern vor allem eine besondere Energie und diese eigenwillige, fast unberechenbare Intensität, mit der er die Figuren geradezu an sich reißt, ihr Innerstes hervorkehrt, sie aber nie preisgibt oder denunziert. Das hat oft mit dieser besonderen Art Humor zu tun, mit dem Lachen, das befreiend sein kann, manchmal aber auch im Hals stecken bleiben muss. Da schwärmt er geradezu und kommt immer wieder auf Arthur Millers „Tod eines Handlungsreisenden“ zu sprechen, die gerade wieder aufgenommene „so herrlich einfache“ Inszenierung von Michael Talke, in der er die Hauptrolle spielt.

Aber er freut sich auch auf seine dritte Zusammenarbeit mit Sebastian Hartmann. „Seine Stücke spielen sich für mich einfach toll“, gesteht er, denn er sucht unterschiedliche Herausforderungen, die sich bei den „Erniedrigten und Beleidigten“ auch aus immer neuem Material ergeben. Das Thema Nacktheit ist da rasch abgehakt, es muss eine zwingende, existenzielle Begründung dafür geben – wie damals auch beim Vogeler. „Ansonsten bin ich grundsätzlich hoch geschlossen.“ Hartmann hatte Ranft seinerzeit eigentlich schon in sein Centraltheater in Leipzig engagieren wollen, an das Haus, in dem er seine ersten Berührungen durch das Theater erlebt hatte.

Der übrigens um ganze 70 Jahre ältere Vater, der Kinderarzt und auch Theaterarzt gewesen war, hatte ihn frühzeitig dahin mitgenommen, und als der Junge da die „Schneekönigin“ gesehen hatte, war das für ihn aus heutiger Sicht die Initialzündung. Allerdings ging er nach Abitur und Armeezeit nicht gleich auf die Theaterhochschule, sondern begann seine Karriere, so eigenwillig, wie er eben ist, auf der Wartburg als Museumsführer. „Das war meine erste Gelegenheit, richtig vor Leuten zu sprechen, einfach super, den Besuchern im Landgrafenzimmer die alten Sagen erzählen zu dürfen.“

DNN-Aktion „Dresdner helfen Dresdnern“

Wer Dresdnern in schwierigen Situationen helfen möchte, kann sich noch bis Weihnachten an der Spendenaktion „Dresdner helfen Dresdnern“ beteiligen. Das gespendete Geld geht an den Verein Aufwind, der benachteiligte Kinder un­terstützt, die Dresdner Kinderhilfe und die Diakonie Stadtmission.

Das Formular zur Überweisung und Informationen zur Namensnennung oder anonymen Spende sowie Hinweise zum Datenschutz gibt es im Internet unter dnn.de/dresdnerhelfen. Die DNN bedanken sich bei allen Spendern.

Von Tomas Petzold

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