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Lokales Ein Dresdner kandidiert für die junge Partei Volt bei den Europa-Wahlen
Dresden Lokales Ein Dresdner kandidiert für die junge Partei Volt bei den Europa-Wahlen
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06:45 30.03.2019
Robin Dießner (links) und Student Janik Fischer (rechts) sind Teil der Dresdner Volt-Ortsgruppe. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Aktives Engagement in einer politischen Partei? Für Robin Dießner kam das bis vor ein paar Monaten überhaupt nicht in Frage: „Ich wollte eigentlich nie in die Politik gehen. Dieses Aufreiben und gegenseitige Kaputtmachen, wenn man doch nicht ein und derselben Meinung ist – das hat mich immer gestört.“ Politisch interessiert war der 44-jährige Dresdner hingegen schon immer. Als Jugendlicher lief er bei den Montagsdemonstrationen vor der Wende mit und 2017 begann er an einem Buch über Politik und Philosophie zu arbeiten.

Wer ist Volt?

Wenige Monate später wurde er durch einen Zeitungsartikel auf die Partei Volt aufmerksam und sein Desinteresse an parteipolitischer Partizipation verschwand von einem Tag auf den anderen. Mittlerweile ist Dießner als technischer Leiter der eingetragenen Partei Volt Deutschland tagtäglich mit Parteiorganisation beschäftigt – sein Buch muss vorerst warten.

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Volt ist Partei und Bewegung und Partei gleichzeitig“, beschreibt der gebürtige Oberlausitzer die junge Partei. „Wir sind weder eher links noch eher rechts, sondern legen eine Philosophie der Best Pratice an den Tag. Das heißt, wir versuchen die bestmögliche Lösung für ein Problem zu finden ohne darauf zu achten, ob das nun eine linkspolitische Lösung, eine wirtschaftliche oder eher rechte Lösung“, beschreibt Dießner das Selbstverständnis der Partei. Auf Listenplatz 26 für die Europawahl weiß Dießner seine Chance auf einen Sitz im Parlament der Europäischen Union richtig einzuschätzen: „Das Ziel von Volt Deutschland sind fünf Plätze im EU-Parlament. Das ist zwar hochgesteckt, aber ich denke zwei bis drei Sitze könnten wir schaffen.“

Was fordert Volt?

An Optimismus mangelt es der jungen Partei offensichtlich nicht. Erst 2017 von einem Italiener, einer Französin und einem Deutschen in Amsterdam gegründet, möchte Volt noch in diesem Jahr als erste gesamteuropäische Partei in Straßburg über die Zukunft Europas mitbestimmen. Der Name ist dabei bewusst gewählt: Die international einheitliche Maßeinheit für elektrische Spannung soll den europäischen Ansatz und die Internationalität der Bewegung symbolisieren. In Deutschland ist Volt erst seit März 2018 als Partei offiziell registriert: Der Zeitplan bis zur Wahl im Mai ist straff.

In Dresden sitzt die aktivste und mitgliederstärkste Volt-Ortsgruppe in den neuen Bundesländern. Knapp 30 Engagierte bilden ein Team, dass sich einmal pro Woche trifft. Während der Meetings diskutieren die mehrheitlich Studierenden, wie sich noch mehr Dresdner und Sachsen für eine so junge und unbekannte Partei begeistern lassen, die sich weit gefasste Zielsetzungen wie „Smart State“, wirtschaftliche Erneuerung, soziale Gerechtigkeit, globales Gleichgewicht und Bürgerbeteiligung auf die Fahnen schreibt und von einem europäischen Gesamtstaat träumt. „Wir besitzen über ein Parteiprogramm mit wirklich europäischen Lösungsansätzen, das gemeinsam in zahlreichen europäischen Ländern ausgearbeitet wurde“, sagt Dießner.

Die Entstehung einer grenzübergreifenden Partei in Europa war für den ehemals im Werbe- und IT-Bereich Selbstständigen nur eine Frage der Zeit: „Uns Europäern bleibt gar nichts anderes übrig, als uns zusammenzuschließen. Das Beispiel des Brexits zeigt einmal mehr, wie schwach die Verhandlungspositionen einzelner Nationen ohne Staatenbund sind. Andere Länder wie China oder Indien sind mittlerweile so groß und einflussreich geworden, dass auch Deutschland nur noch ein Akteur von vielen ist.“ Inhaltlich erinnert Volt mit diesen Ansichten stark an die 2016 ins Leben gerufene Bürgerinitiative „Pulse Of Europe“ – in Dresden abreiten die beiden lokalen Ableger bereits zusammen.

Landtagswahlen als Etappenziel

Laut Umfrageergebnissen des Sachsen-Monitors 2018 haben rund zwei Drittel der in Sachsen lebenden Menschen „wenig“ bis „gar kein Vertrauen“ in die europäischen Institutionen.

Robin Dießner sieht dennoch das Potenzial in Volt, eine Mehrheit der Menschen in Dresden, Sachsen und Deutschland für eine pro-europäische Partei zu begeistern: „Wenn wir unsere Werte erhalten wollen, auch traditionelle und heimatverbundene Werte, müssen wir europäisch denken und europäisch zusammenstehen, anstatt in ein Konkurrenzdenken innerhalb Europas zu verfallen, dass uns nur noch kleiner macht.“ Mit Lösungsansätzen wie diesen denkt Dießner bereits einen Schritt weiter und spielt mit dem Gedanken, mit Volt bei den sächsischen Landtagswahlen im September anzutreten. Europaweit ist die Mitgliederzahl von Volt innerhalb von vier Monaten von rund 15.000 auf über 20.000 Unterstützer gestiegen. Erfährt die Partei in Dresden und Sachsen den gleichen Zuspruch wie auf europäischer Ebene, ist das Vorhaben möglicherweise gar nicht so traumtänzerisch, wie es anfänglich vielleicht klingen mag.

Wie lange sich Robin Dießner noch mit Parteipolitik beschäftigt, ist offen. Falls er seine ursprüngliche Buchidee tatsächlich noch umsetzt, hat er nun zumindest schon einen Titel für ein zweites Werk: „Dann schreibe ich eben noch ein Buch mit dem Titel: Wie gründe ich eine Partei?“, lacht der überzeugte Europäer.

Von Aaron Wörz