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Lokales Voller Terminkalender für einen Angeklagten
Dresden Lokales Voller Terminkalender für einen Angeklagten
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10:53 19.02.2019
Der Angeklagte erschien nicht vor dem Gericht. Trotzdem fielen Urteile.
Der Angeklagte erschien nicht vor dem Gericht. Trotzdem fielen Urteile. Quelle: picture alliance / dpa
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Dresden

Felix S. hatte am Montag eigentlich einen vollen Terminkalender: 9 Uhr die erste Verhandlung am Amtsgericht, 10 Uhr die nächste, diesmal bei einem anderen Richter. Es waren alle da – außer dem Angeklagten. Denn der hatte sich zehn Minuten vor Prozessbeginn krank gemeldet. Er sei am Sonntag in die Notaufnahme gekommen, weil er sich nicht mehr bewegen konnte und soll noch in dieser Woche operiert werden, hieß es. Die ärztlichen Atteste würden nachgereicht.

Geurteilt wurde auch ohne ihn. Beide Richter wandelten ihre Verhandlungen in ein Strafbefehlsverfahren um.

Beim ersten Prozess ging es um das Vortäuschen einer Straftat. Der 30-Jährige hatte bei der Polizei behauptet, dass „Südländer“ ihn und einen Bekannten an einer Tankstelle attackiert, Bargeld gefordert und seinen Freund an der Hand verletzt hätten. Stimmt nicht, die Schnittverletzung hatte sich sein Kumpan anderswo zugezogen.

Eine Stunde später stand Unterschlagung in der Anklageschrift. Felix S. soll aus einem Schließfach am Hauptbahnhof einen fremden Rucksack genommen haben. Gut, man hatte es ihm einfach gemacht, denn das Fach stand offen. Die Besitzer des Gepäckstücks hatten – warum auch immer – anstelle des Abteils mit dem Rucksack das Nachbarfach abgeschlossen. Trotzdem kein Grund, den Rucksack „wegzufinden“.

Felix S. kassierte wegen des Vortäuschens einer Straftat 60 Tagessätze à zehn Euro, für die Unterschlagung 40 Tagessätze à zehn Euro. Macht zusammen 1000 Euro.

Von ml