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Lokales Viel Lebensqualität, wenig Probleme im Wahlkreis 44 – Dresden 4
Dresden Lokales Viel Lebensqualität, wenig Probleme im Wahlkreis 44 – Dresden 4
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14:48 24.08.2019
Der Wahlkreis 44 vereint mehrere lebenswerte Stadtteile der Landeshauptstadt. Quelle: Jürgen-M. Schulter
Dresden

Es ist ein lauer Sommernachmittag, den Besuchern des Schillergartens bietet sich ein herrlicher Blick auf Blaues Wunder und Elbhänge, ein Elbdampfer tutet ohrenbetäubend. Die Leute haben kein Auge für die Schönheit des Ortes. Auf den Tischen stehen Kaffee und Kuchen. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) muss nicht Würstchen auf dem Grill wenden wie bei anderen Wahlkampfauftritten. Er beantwortet auf der Bühne die Fragen von Bürgerinnen und Bürgern.

Der Wahlkreis 44 erstreckt sich über Blasewitz, Striesen-Ost, Striesen-West, Tolkewitz/Seidnitz-Nord, Seidnitz-Dobritz und Gruna. Quelle: Holger Grigutsch

Bürgercafé mit dem Ministerpräsidenten heißt das Format, das so einige Einblicke in die Probleme des Wahlkreises bietet. Im ersten Schwung ergreifen vor allem Damen aller Altersgruppen das Mikrofon und schildern Begebenheiten mit Migranten, die ihr Sicherheitsempfinden massiv gestört hätten.

Strafbares Handeln muss verfolgt werden

Kretschmer hört sich die Redebeiträge geduldig an und betont immer wieder, dass strafbares Handeln auch verfolgt werden müsse. Dann betritt ein junger Mann die Bühne und konfrontiert Kretschmer mit Braunkohleausstieg und Klimaschutz. Sachsen tue viel zu wenig, den drohenden Klimanotstand abzuwenden.

Eine Frau betritt die Bühne und sagt, sie sei erschüttert, wie abfällig einige der Anwesenden über Menschen anderer Hautfarbe oder anderer Religion sprechen würden. Ein Querschnitt der Meinungsvielfalt in einem Wahlbezirk, der gefragte Wohnlagen Dresdens vereint: Die grünen Viertel Striesen und Blasewitz, dazu Gruna, Tolkewitz, Seidnitz und Dobritz.

Strukturdaten

Zum Wahlkreisgehören die Stadtteile: Blasewitz, Striesen-Ost, Striesen-West, Tolkewitz/Seidnitz-Nord, Seidnitz-Dobritz, Gruna.

Im Wahlkreis leben 77 439 Menschen. Die größte Bevölkerungsgruppe sind die über 60-Jährigen mit 22 092 Einwohnerinnen und Einwohnern. Der Ausländeranteilliegt bei vier Prozent. Es gibt 5900 Wohngebäude und 1516 Eigenheime. Die Zahl der Wohnungen beträgt 41 864, es gibt 41 843 Haushalte.

Durchschnittlich 1,8 Personen leben in einem Haushalt, die Haushalte mit zwei und mehr Kindern sind mit 3962 deutlich in der Unterzahl.

Die Zahl der Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaften ist mit 1989 vergleichsweise niedrig, die Arbeitslosenquotebeträgt 3,2 Prozent.

Im Wahlkreis gibt es55 Kindertagesstätten, 10 Grundschulen mit 3107 Schülern, 6 Oberschulen mit 1935 Schülern, 6 Gymnasien mit 2814 Schülern und 4 Berufsschulen mit 627 Schülern.

Die Kommunale Statistikstelle der Stadtverwaltung listet für den Wahlbezirk 76 Sport- und Freizeitanlagen, 39 Kinder- und Jugendeinrichtungen, fünf Kultureinrichtungen und zwei Bibliotheken auf. Auf je 1000 Einwohner gibt es 2,2 Ärzte.

Stadtviertel, in denen die größten Probleme marode Gehwege und der Erhalt der historischen Gaslaternen zu sein scheinen. Und das Nebenstraßennetz ist – eigentlich wie überall in Dresden – etwas heruntergekommen.

Gleise inmitten von Stadtvillen – für viele unvorstellbar

In Striesen und Blasewitz wird das Stadtbahnprogramm 2020 der Dresdner Verkehrsbetriebeheiß diskutiert. Soll eine Straßenbahnlinie durch die Wohnquartiere gelegt werden, deren Bebauung gerade erst mit Erhaltungssatzungen geschützt wurde? Verkehrsinfrastruktur mit Gleisen und Leitungsmasten neben den vielen, teils liebevoll sanierten Stadtvillen – für viele unvorstellbar.

Gleichwohl gibt es Gebiete rund um Augsburger Straße und Alemannenstraße, in denen die Bewohner bis zu einen Kilometer zur nächsten ÖPNV-Haltestelle laufen müssen. Ein Zustand, den der Stadtratmit einer neuen Linienführung für den Bus beenden sollte. Doch der Vorschlag blieb umstritten. Von solchen Konflikten ist im Schillergarten wenig zu hören. In einem Stadtteil mit hoher Lebensqualität und wenig Problemen dominieren bundespolitische Themen die Landtagswahl.

Koalieren möchte Kretschmer mit den Grünen nicht

Bei der Kommunalwahl im Mai lagen die Grünen in Striesen und Blasewitz vorn, in Gruna mühte sich die CDU mit mageren 19,8 Prozent auf den ersten Platz, in Seidnitz/Dobritz hatte die AfD die Nase vorn. Auch in Tolkewitz kam die AfD auf dem ersten Platz ein.

Vor fünf Jahren errang CDU-Bewerber Martin Modschiedler mit 35,4 Prozent souverän das Direktmandat. Zweiter wurde der Linke Tilo Wirtz mit 20,1 Prozent. Der Grüne Jan Schubert kam seinerzeit auf 11 Prozent, AfD-Mann Bernd Lommel auf nur 7,6 Prozent. Lang, lang ist es her.

„Eigentlich“, ruft Kretschmer den Gästen im Schillergarten zu, „möchte ich mit den Grünen keine Koalition eingehen.“ Die Wählerinnen und Wähler hätten es in der Hand, ob er es nach der Wahl doch tun müsse. Die Wählerinnen und Wähler haben Eierschecke und Zupfkuchen in der Hand. Aus der Ferne brüllt ein Mann bei jedem Beitrag des Ministerpräsidenten unverständliche Worte. Auf die Bühne kommen mag er nicht.

Die Direktkandidaten im Wahlkreis 44 – Dresden 4

CDU: Martin Modschiedler, Rechtsanwalt, Landtagsabgeordneter, geboren 1967 in Frankfurt/Main, wohnhaft in Dresden

Linke: Tilo Wirtz, Bauingenieur, geboren 1967 in Karl-Marx-Stadt, jetzt Chemnitz, wohnhaft in Dresden

SPD: Christian Kreß, Arzt, geboren 1989 in Bad Soden-Salmünster, wohnhaft in Dresden

AfD: Martina Jost, Dpil.-Ingenieur-Ökonomin, geboren 1961 in Halle (Saale), wohnhaft in Dresden

Bündnis 90/Die Grünen: Dietrich Herrmann, Historiker, geboren 1962 in Karlsruhe, wohnhaft in Dresden

FDP: Steve Görnitz, Rechtsanwalt, geboren 1987 in Rochlitz, wohnhaft in Dresden

Bürgerrechtsbewegung Solidarität (Büso): Holger Frömmel, Student, geboren 1997 in Dresden, wohnhaft in Dresden

Von Thomas Baumann-Hartwig

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