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Lokales Verspäteter Frühling im Elefantenhaus des Dresdner Zoos
Dresden Lokales Verspäteter Frühling im Elefantenhaus des Dresdner Zoos
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06:32 29.06.2019
Elefantenbulle Tembo flirtet inzwischen heftig mit seinen dickhäutigen Damen Mogli und Sawu – beide Kühe könnten bereits schwanger sein. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Elefantenbulle Tembo gilt seit seinem Umzug aus der Hauptstadt im November als der große Hoffnungsträger im Dresdner Zoo: Er soll den Kühen Mogli und Sawu endlich Nachwuchs bescheren, denn deren biologische Uhr tickt bereits hörbar laut. Bislang spielte sich das Verhältnis zwischen dem Berliner Dickhäuter und den Elefantendamen eher auf freundschaftlicher Ebene ab. Plötzlich scheint nun aber das Interesse des Neuzugangs an den Elefantenkühen erwacht zu sein, es kam bereits zu ersten Annäherungen.

Fotorückblick: Tembos erste Schritte in Dresden

Nach einigen Tagen im Elefantenhaus lernt der 33-jährige Zuchtbulle nun das Außengelände kennen. Es scheint sich wohlzufühlen.

Warum Bulle Tembo ausgerechnet jetzt in Stimmung für amouröse Avancen geraten ist, lasse sich allerdings nicht genau verifizieren, erklärt der Zoologische Leiter Wolfgang Ludwig: „Das könnte an der Jahreszeit liegen oder daran, dass die Kühe nur zweimal pro Halbjahr überhaupt in der Lage sind, trächtig zu werden“. Das zunächst ein halbes Jahr ohne Paarungsversuche seitens Tembo verstrichen ist, sieht Ludwig als völlig normal und verständlich an, denn der Bulle habe sich erst einmal in seiner neuen Heimat eingewöhnen müssen.

Chancen stehen gut

Wann genau mit einer erfolgreichen Paarung zu rechnen sein wird, ist schwer zu sagen. Der Zoologische Leiter schätzt die Chancen dennoch gut ein. So waren Tembos letzte Deckbemühungen durchaus von Erfolg gekrönt und fielen in die fruchtbare Phase der beiden Elefantenkühe. Ob Mogli oder Sawu aber tatsächlich das ersehnte Elefantenbaby austragen werden, können die Laborwerte erst nach drei Monaten mit Sicherheit aussagen.

Ob eine Paarung erfolgreich gewesen ist, lässt sich durch die Östrogenwerte der Elefantenkühe bestimmen. Dazu wird wöchentlich der Urin der Kühe zur Untersuchung in ein Labor gebracht. Dort wird dann der Zyklusstand anhand der Östrogene untersucht und ausgewertet, welcher Auskunft darüber geben kann, ob eine Kuh trächtig ist oder nicht.

Persönliche Vorlieben spielen keine Rolle

Eine Lieblings-Kuh habe Tembo nicht, er ist ganz Gentleman und verteilt seine Zuneigung gerecht innerhalb der ganzen Gruppe, mit der er gern zusammen unterwegs ist. Sowieso spielen persönliche Präferenzen des Bullen bei der Wahl der Paarungspartnerin wohl keine Rolle, erklärt Ludwig.

Sollte es bei Mogli oder Sawu sicher zu einer Trächtigkeit gekommen sein, heißt es erst einmal warten: Eine Elefantenschwangerschaft dauert ganze 22 Monate. Zeit genug, die Ankunft des neuen Erdenbürgers sorgfältig vorzubereiten. So muss geklärt werden, wo die frischgebackene Mutter mit ihrem Kalb die ersten Wochen verbringen kann und ob der Stall für das Jungtier geeignet und ausreichend gesichert ist. Schließlich kann ein kleiner Elefant viel leichter irgendwo stecken bleiben oder sich an Stellen verletzen, die für ein ausgewachsenes Tier kein Hindernis darstellen.

Selbstbewusster durch Trächtigkeit

Außerdem muss der Ernstfall, nämlich dass die Kuh ihr Kalb nicht annimmt, bedacht und somit Ersatzmilch bereitgestellt werden. Ferner spielt auch die Auswahl des Zeitpunktes, wann sich Mutter und Jungtier wieder in die Gruppe einfügen können eine Rolle – das jedoch ist erst einmal noch Zukunftsmusik.

Während der Trächtigkeit einer Elefantenkuh nimmt diese beträchtlich an Gewicht und Körperumfang zu, was nicht zuletzt auch auf Wassereinlagerungen im Gewebe zurückzuführen ist. Ob sich auch die Gemütsverfassung eines trächtigen Tieres verändert, hänge stark von dessen persönlichem Temperament ab, erklärt Ludwig. So könne es etwa sein, dass eine sonst eher zurückhaltende Kuh während der Trächtigkeit viel selbstbewusster wird.

 Ein Bulle im besten Alter

Das Gewicht eines Bullen hingegen habe auf die Paarungswilligkeit potenzieller Geschlechtspartnerinnen nicht zwangsläufig Einfluss, wie Ludwig erläutert. So stelle die Paarung mit einem besonders großen und schweren Bullen zwar für die Kühe eine größere Belastung dar, besonders wenn diese eher von schmaler Statue sind. Tembo sei jedoch ein normal gebauter Bulle im besten Alter und damit keine Gefahr im Verzug.

Wer mit dem Zoobesuch nicht warten will, bis das Elefantenhaus endlich den lang erwarteten Nachwuchs präsentieren kann, findet auch bei anderen Zoobewohnern genug Niedliches zu bestaunen: in Koalaweibchen Sydneys Beutel wohnt schon seit einem halben Jahr ein winziges Koalababy. Im Juni erblickten außerdem ein kleiner Rotbüffel, ein Schweinshirsch und mehrere Zebramangusten das Licht der Welt. Und auch bei den Erdmännchen steht Nachwuchs ins Haus: „Die dicke Doris“ ist ebenfalls schwanger.

Von Jennifer Georgi und Kaddi Cutz

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