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Lokales Verfahren gegen angetrunkenen „Seemann“ eingestellt
Dresden Lokales Verfahren gegen angetrunkenen „Seemann“ eingestellt
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10:54 31.01.2019
In einem Schlauchboot unternahmen die drei Männer eine Herrentagstour auf der Elbe (Symbolbild). Quelle: Archiv/Wolfgang Thieme
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Dresden

Himmelfahrt 2017: Steffen P. und seine zwei Freunde hatten ein Schlauchboot gemietet und wollten sich auf der Elbe einfach treiben lassen. Motto: „Drei Mann in einem Boot“ oder „Eine Seefahrt, die ist lustig“. Lustig war es nur anfangs, am Ende wurde es teuer. Steffen P. erhielt einen Bußgeldbescheid über 500 Euro und legte Einspruch ein – so landete die Sache vor dem Amtsrichter.

Das Trio hatte Willi zum Kapitän bestimmt – der musste abstinent bleiben, die anderen zwei feierten Herrentag. Wobei sich der Alkoholkonsum bei Steffen P. in Grenzen hielt. Alles lief bestens, bis Willi ein Insekt ins Auge flog. Das schwoll zusehens an, sie wollten ans Ufer, um nachzuschauen. Und da der „einäugige“ Willi Probleme hatte, übernahm Steffen P. das Paddel.

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In dem Moment rückte die Wasserschutzpolizei an. So richtig verstanden hat sich das Trio mit den Beamten nicht – zum einen wegen der Motorgeräusche des Polizeibootes, zum anderen wegen des Fachlateins. Die drei Hobbyschifffahrer wurden zwar belehrt, konnten aber mit Begriffen wie Bootsführer und Rudergänger nichts anfangen. „Die fragten immer, wer das Boot führt“, erinnerte sich Steffen P. „Wir sagten, dass Willi unser Käpt’n und auch nüchtern ist, aber ein dickes Auge hat. Die fragten aber weiter. Ich wusste gar nicht, was die wollten und habe dann gesagt, dass ich im Moment paddle.“

Der Satz machte den 37-Jährige in den Augen der Beamten zum Bootsführer und Steffen P. wurde um Alkoholtest gebeten. Ergebnis: 0,52 Promille. Die Beamten sahen darin einen Verstoß gegen die Binnenschifffahrtsordnung, nahmen die Personalien auf und erstatteten später Anzeige. So kam Steffen P. zu seinem Bußgeldbescheid.

Nach der Kontrolle durften die Männer mit ihrem Schlauchboot übrigens wieder auf die Elbe. Gepaddelt ist Steffen P. „Wer denn sonst. Der eine hatte ein zugeschwollenes Auge, der andere war blau“, sagte er. Er rief seine Lebensgefährtin an, die das Trio nebst Boot am Ballhaus Watzke aus dem Wasser fischte. „Dort kommt man gut raus“, erklärte der 37-Jährige.

Der Richter stellte das Verfahren ein, er sah in der „Paddelübernahme“ eine Gefahrenabwehr, denn Willi war ja wirklich gehandicapt. Allerdings hätten sie sofort an Land gehen müssen und nicht noch bis in den Pieschner Winkel gondeln dürfen, erklärte er dem Angeklagten. „Das war ein gravierender Fehler, dass sie die Männer weiter fahren ließen“, sagte er in Richtung Wasserschutzpolizei.

Von Monika Löffler