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Lokales Ungeliebte Geschenke werden bei Oxfam Dresden zu Spenden
Dresden Lokales Ungeliebte Geschenke werden bei Oxfam Dresden zu Spenden
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08:19 27.12.2017
Und wieder die Weihnachts-CD von Helene Fischer unter dem Tannenbaum? Kein Problem. Ungeliebte Geschenke müssen nicht im Müll landen.
Und wieder die Weihnachts-CD von Helene Fischer unter dem Tannenbaum? Kein Problem. Ungeliebte Geschenke müssen nicht im Müll landen.  Quelle: epd
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Dresden

 Na, haben Sie sich auch so über den rot-grün gestreiften Kringelpullover von der Großtante gefreut? Oder den Dan-Brown-Roman, den Sie eigentlich schon vier Mal im Regal stehen haben? Herzlichen Glückwunsch, Sie sind nun stolzer Besitzer eines ungeliebten Weihnachtsgeschenks und überlegen wahrscheinlich schon seit dem Moment, als sie es unter dem Christbaum auspackten, wie Sie es ohne großes Aufsehen verschwinden lassen können. Hannelore Zörner vom Oxfam-Shop Dresden, hat da einen Tipp für Sie: Verschenken Sie es einfach weiter.

Seit fünf Jahren schon gibt Hannelore Zörner ungeliebten Dingen ein neues Zuhause, sie gehört fast selbst zum Inventar. „Wir kümmern uns um die Dinge, die einfach übrig sind und nicht mehr gebraucht werden“, sagt die ehrenamtliche Filialleiterin. „Ein bisschen wie Schrottwichteln.“ Besonders beliebt seien um diese Jahreszeit echt erzgebirgische Pyramiden, je älter desto besser.

„Die Leute kaufen die Nostalgie gleich mit“, erklärt sich Zörner den Andrang auf die weihnachtliche Holzschnitzkunst. Hannelore Zörner und ihre Kollegen nehmen ausschließlich gespendete Dinge an und polieren sie wieder auf alten Glanz, bevor jene zu einem sehr günstigen Preis auf die Verkaufsfläche des kleinen Ladens dürfen. Der Erlös fließt nach Berlin und von dort in Projekte und Kampagnen der Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam.

Zu den gespendeten Dingen, die bei Zörner im grün-weißen Schaufenster auf der Brucknerstraße 2 – 4 liegen, gehören nicht nur Textilien, Vasen und CDs, sondern manchmal sogar echte Raritäten. Obwohl Bücher, vom Kinderbuch bis hin zum Fachbuch, den größten Absatz stellen, bringen die Dresdner auch allerlei Seltsamkeit in den Shop. „Manchmal wissen wir selbst nicht genau, was es ist“, lacht Hannelore Zörner. Besonders Dinge aus der ehemaligen DDR seien sogar von ausländischen Kunden heiß begehrt. Gut in Erinnerung geblieben ist der Shop-Leiterin ein britischer Kunde, der sich unsterblich in ein altes DDR-Tee-Ei verliebt hatte. „Meine Kollegin erklärte ihm dann auf Englisch, was es mit dem Ei auf sich hatte und wofür man es früher benutzte“, erinnert sich Zörner. Staunen aufseiten des Briten, er kaufte es allein wegen der Geschichte dahinter.

Der kleine Shop nahe dem Blauen Wunder setzt vor allem auf die vielen Stammkunden, die besonders das täglich wechselnde Sortiment schätzen. „Bei uns ist jeder Tag wie ein Abenteuer und die Kunden mögen es im Laden auf Schatzsuche zu gehen“, weiß die Rentnerin. Wenn ein Kunde durch Zufall genau das findet, was er schon Jahrzehnte sucht, bestärkt das Hannelore Zörner in ihrer Arbeit. „Wir alle arbeiten hier ehrenamtlich und erleben jeden Tag, wie wichtig dieser Beitrag ist.“

Über die Jahre hinweg habe sich das Sortiment deutlich verändert: „Mittlerweile bekommen wir auch sehr viele neue Artikel, teilweise sogar originalverpackt“ Dass diese dann an ihren Shop gespendet werden, findet sie gut. „Alles ist besser, als die Dinge wegzuschmeißen. Jemand anderes sucht vielleicht genau nach diesem Produkt.“

Hannelore Zörner ist eine von über 3000 Mitarbeitern bei Oxfam. Die Entwicklungsorganisation setzt sich für eine gerechte Welt ohne Armut ein. Dafür arbeitet der Oxfam-Verbund mit rund 3500 lokalen Partnern in mehr als 90 Ländern Seite an Seite. Sie versorgen beispielsweise Menschen, die im Südsudan, Jemen sowie in Somalia und Nigeria von Hungersnot bedroht sind, mit Trinkwasser und Nahrung, oder errichten in Benin Schulen, um Mädchen eine Zukunftsperspektive zu geben.

Die Chefin des Dresdner Standortes arbeitet aber auch eng mit regionalen Partnern zusammen, wie der Dresdner Heilsarmee. Dinge, die nicht verkauft wurden, kommen Menschen in Notsituation zugute. Der Laden „Zweite Chance“, eine Initiative der der Heilarmee, auf der Keplerstraße 4, nimmt ebenfalls Sachspenden an, verkauft sie lediglich für einen Unkostenbeitrag weiter und stellt Menschen mit einer nachgewiesenen Bedürftigkeit kostenlos Textilien und Schuhe aus der Kleiderkammer zur Verfügung. In der Neustadt ist der „Umsonstladen“ auf der Alaunstraße 68 eine gute Adresse. Hier sind Nehmen und Geben voneinander unabhängig. Wer etwas hat, der gibt. Wer etwas braucht, der nimmt es sich völlig kostenlos mit. Da der „Umsonstladen“ keinerlei Gewinn erwirtschaftet, wird die Ladenmiete über Spenden finanziert.

Zurück also zu Ihrem eigenen gering geschätzten Geschenk. Die gute Nachricht: Das Debakel unterm Tannenbaum kann den Weihnachtsgedanken also doch noch wahr werden lassen, indem das ungewollte Präsent mit der Unterstützung von ehrenamtlichen Mitarbeitern wie Hannelore Zörner einen neuen Besitzer bekommt. Vielleicht findet so auch Ihr ungeliebtes Weihnachtsgeschenk ein neues Zuhause.

Von Carolin Seyffert

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