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Lokales Luft in Dresden ist sauberer geworden – aber der CO2-Ausstoß ist zu hoch
Dresden Lokales Luft in Dresden ist sauberer geworden – aber der CO2-Ausstoß ist zu hoch
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09:54 09.11.2019
Die Stadt Dresden hat ihren neuesten Umweltbericht vorgestellt. Quelle: Landeshauptstadt Dresden/Montage DNN
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Dresden

Die sächsische Landeshauptstadt hat den neuen Umweltbericht vorgestellt. Wolfgang Socher, Leiter des Umweltamtes, las aus den Daten für 2017/2018 sowohl Erfolge wie auch Hinweise auf drängende Baustellen. So bescheinigt die Klimaschutzbilanz, die alle zwei Jahre veröffentlicht wird, der Stadt aktuell zwar eine verbesserte Luftqualität und keine weitere Steigerung beim Ausstoß von Kohlendioxid (CO2). Die CO2-Belastung sei aber eben auch nicht gesunken.

„Diese Stagnation steht im Widerspruch zu unseren bereits 2013 beschlossenen Zielen“, erklärt Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (Bündnis 90/Die Grünen). Handlungsmöglichkeiten sieht sie vor allem in den Bereichen Wärmeversorgung und Mobilität.

Die strategische Antwort auf die vielfältigen Herausforderungen sei der im Mai 2018 vom Stadtrat beschlossene Landschaftsplan, der zeige, wie sich Natur und Landschaft in den nächsten zehn bis 15 Jahren entwickeln sollen.

Größte Herausforderung ist CO2

Obwohl eine kleine Verringerung des CO2-Ausstoßes auf knapp unter zehn Tonnen CO2-Äquivalente pro Einwohner und Jahr (t/EW/a) registriert wurde, ist die Stadt von ihrem Ziel 5,8 Tonnen im Jahr 2030 weit entfernt. Um dieses Ziel zu erreichen, sieht das 2013 vom Stadtrat beschlossene Integrierte Energie- und Klimaschutzkonzept eine CO2-Reduktion von zehn Prozent alle fünf Jahre, ausgehend von 2005 bis 2030 vor. Für 2016 betrug der Zielwert 7,8 Tonnen, erreicht wurden 9,9. Das ist bereits eine Abweichung von 27 Prozent. Und diese Schere wächst bei weiter stagnierendem CO2-Ausstoß immer weiter.

Was sind CO2-Äquivalente?

Neben dem wichtigsten von Menschen verursachten Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) gibt es weitere Treibhausgase wie Methan (CH4) oder Lachgas (N2O), die vor allem in der Landwirtschaft durch den Einsatz von Stickstoffdünger und die Massentierhaltung ausgestoßen werden. Diese Gase tragen unterschiedlich stark zum Treibhauseffekt bei und verbleiben unterschiedlich lange in der Atmosphäre. Methan hat zum Beispiel eine 28 mal größere Klimawirkung als CO2, bleibt aber weniger lange in der Atmosphäre. Die Klimawirkung von Lachgas übersteigt die von CO2 sogar fast um das 300-fache.

Um die Wirkung verschiedener Treibhausgase vergleichbar zu machen, hat das Expertengremium der Vereinten Nationen (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) das so genannte „Globale Erwärmungspotenzial“ (Global Warming Potential) definiert. Treibhausgasemissionen werden dabei auf die ihnen entsprechende Wirkung von CO2 umgerechnet und können so zu einem Wert (CO2-Äquivalente) zusammengefasst werden, die mit der Abkürzung CO2eq bezeichnet werden.

Fahrverbote soll es auch künftig nicht geben

Seit 1990 sei die Belastung durch Luftschadstoffe zwar stark gesunken, sagte Socher. Mit Blick auf aktuelle Grenzwerte bereiteten aber Feinstaub- und Stickstoffdioxid (NO2) nach wie vor Probleme. Der Straßenverkehr verursache den Hauptanteil der Luftbelastung in der Stadt. Fahrverbote sollen aber nicht eingeführt werden. Im Rathaus setzt man auf den neuen Luftreinhalteplan, der unter anderem die Förderung des öffentlichen Nahverkehrs und des Radverkehrs priorisiert.

Beim hauptsächlich durch den Straßenverkehr verursachten Ausstoß von Stickstoffdioxid (NO2) war in den vergangenen Jahren vor allem die Messstation an der Bergstraße durch Grenzwertüberschreitungen aufgefallen. 2017 wurde auch dort der seit 2010 gültige EU-Grenzwert von 40 µg/m3 nicht mehr überschritten. Damit gibt es in der Stadt keine Überschreitung des über das Kalenderjahr gemittelten EU-Grenzwertes mehr. Das macht Socher zuversichtlich, dass die Stadt tatsächlich um Fahrverbote herum kommen könnte. „Wenn allerdings ein Gericht ein Fahrverbot anordnet, können wir auch nichts machen“, sagt er.

Für 27 000 Dresdner ist es gefährlich laut

Noch zu viele Dresdnerinnen und Dresdner seien Lärm ausgesetzt, bilanziert der Bericht. Die stärkste Lärmbelastung gehe vom Straßenverkehr aus, gefolgt von Anwohnern und Passanten, Baustellen und vom Luftverkehr. In der kommunalen Bürgerumfrage 2018 hätte unter den Dresdnerinnen und Dresdnern, die einen Umzug planen, jeder vierte (26 Prozent) den Wunsch nach mehr Ruhe im Wohnumfeld als maßgeblichen Grund angegeben. Abhilfe schaffen sollen Lärmaktionspläne, wie jener, der seit einigen Monaten für die Äußere Neustadt gilt. Weitere seien in Bearbeitung.

Durch die Sanierung einiger besonders lauter Straßen konnte der Anteil der stark betroffenen Bürgern etwas verringert werden. Trotzdem waren 2017 noch immer mehr als 27 000 Dresdner einem als gesundheitsrelevant geltenden Lärmpegel vom mehr als 65 Dezibel ausgesetzt. Fazit des Berichts: Es sind weiterhin Lärmsanierungen in gleichem Umfang erforderlich.

Immer mehr versiegelte Flächen

Auch die ungebremste Flächenversiegelung wird als Problem genannt. Im zweijährigen Berichtszeitraum sei die Siedlungs- und Verkehrsfläche in der Stadt um 103 Hektar gewachsen. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche nehme dagegen immer mehr ab. Breche man das Ziel der Bundesregierung, bis 2020 nur 30 Hektar Flächenverbrauch pro Tag zuzulassen, linear auf Dresden herunter, dürfe die Stadt nur etwa 10 Hektar im Jahr in Anspruch nehmen. Selbst wenn man in Betracht ziehe, dass man an eine wachsende Metropole und ländlichen Raum nicht die gleichen Maßstäbe anlegen könne, sei die Lücke zwischen dem Bodenverbrauch und dem Ziel zu groß.

Der hohe Flächenverbrauch ist zum großen Teil auf den Wohnungsbau zurückzuführen. Die durchschnittliche Wohnfläche pro Einwohner sei deutlich größer als früher, sagte Stadtsprecher Kai Schulz bei der Vorstellung des Umweltberichts. Eine Möglichkeit, Wohnraum flächensparend zu schaffen, sei der Bau von Hochhäusern. Dem setze aber das Hochhauskonzept der Stadt Grenzen, das zwar neue Standorte für Hochhäuser ermögliche, deren Höhe aber begrenze.

Altlasten

Für die größten Altlastensanierungs- und Brachflächenrevitalisierungsprojekte hat die Stadt in den Jahren 2017 und 2018 mehr als 4,5 Millionen Euro ausgegeben. Auch hier, wie zum Beispiel bei der Sanierung der Collmberghalde, kollidieren notwendige Maßnahmen mit anderen Interessen, erklärte Umweltamtsleiter Wolfgang Socher. So mussten für die Abdichtung der Halde mit radioaktiven Abfällen Bäume gefällt werden.

Straßenbäume

Im Berichtszeitraum wurden in Dresden 1183 Straßenbäume nachgepflanzt. Deren Zahl erhöhte sich auf 54 196 in 139 Baumarten. Jährlichen Baumkontrollen hätten ergeben dass sich die positive Entwicklung des Bestandes weiter fortsetzt. In den 1930-er Jahren gab es im Stadtgebiet bereits rund 60 000 Straßenbäume. Langfristiges Ziel der Stadt ist es, diese Zahl wieder zu erreichen. Allerdings sei besonders der Bestand an Altbäumen durch den Um- und Ausbau von Straßen, Leitungsverlegungen und den Klimawandel gefährdet.

Problembewusstsein beim Klimawandel vorhanden

Als positiv hebt der Bericht hervor, dass das Problembewusstsein beim Klimawandel längst in der Bevölkerung angekommen sei. So habe bei der Meinungsumfrage „Klimawandel in Dresden im Jahr 2017 nur einer von hundert Befragten die Meinung vertreten, dass es keinen Klimawandel gibt.

Der Klimawandel, so Umweltamtschef Socher, bedeute jedoch nicht, „dass wir jetzt Mailänder Verhältnisse bekommen“. Es werde zwar wärmer, aber gleichzeitig auch kälter. Aus dem Bericht geht hervor, dass es im Jahr 2018 in Dresden 105 Tage mit einer Höchsttemperatur von 25 Grad Celsius oder mehr gab. 2017 waren es nur 58 und im langjährigen Mittel von 1961 bis 1990 nur rund 44. Mit 30 Frosttagen wurde 2017 aber gleichzeitig auch die dritthöchste Zahl seit 1961 registriert.

Interaktive Präsentation

Die Stadt bietet den kompletten Umweltbericht im Internet zum Downloadan. Neu sind Kästchen, die übersichtlich Ziele, Tendenz, Stand und Handlungsempfehlungen zu den einzelnen Themen geben sowie Links und QR-Codes, die auf Seiten der Stadt mit weiterführenden Informationen leiten.

Von Holger Grigutsch

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