Überraschung bei den Pelikanen im Zoo Dresden
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Überraschung bei den Pelikanen im Zoo Dresden

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19:00 23.06.2021
Brütender Pelikan im Dresdner Zoo.
Brütender Pelikan im Dresdner Zoo. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Wer derzeit den Zoo besucht und bei den Pelikanen vorbei läuft, wird seinen Augen nicht trauen. Vier Pelikanpärchen haben Nester gebaut und brüten. Ausgesucht haben sie sich dafür das lauteste und unruhigste Fleckchen in ihrem Gehege – und zwar unmittelbar am Zaun, wo wenige Zentimeter entfernt die Besucher vorbeilaufen und natürlich auch stehenbleiben, staunen und sich oft nicht eben leise unterhalten.

Pelikane können schmerzhaft zuzwacken

Doch sich über den niedrigen Zaun zu beugen, vielleicht sogar der Versuchung nicht zu widerstehen und einen der Pelikane zu streicheln, ist keine gute Idee. Denn die männlichen Tiere beobachten sehr aufmerksam, was um sie herum passiert. Und streckt nur einer kurz die Hand über den Zaun, reißen Sie den Schnabel auf, drohen und machen unmissverständlichen klar – bis hierhin und keinen Millimeter weiter.

„Ich kann nur davor warnen, hier die Hand reinzustecken. Die Pelikane schnappen ordentlich zu. Und das ist schmerzhaft. Denn der Oberschnabel ist sehr scharfkantig und hat an der Spitze einen Haken“, so Zoo-Kurator Matthias Hendel.

Neue Brutplattform gebaut

Er ist ebenfalls erstaunt, dass die Pelikane nun ausgerechnet dieses Plätzchen zum Brüten wählten. Dabei haben ihnen die Zoomitarbeiter erst in diesem Frühjahr eine neue Brutplattform über dem Wasser gebaut, weil die alte in die Jahre gekommen war.

„Wegen der Vogelgrippe durften wir die Pelikane erst Ende April wieder aus dem Stall lassen und dann waren die Weißstörche, die neben den Nyala-Antilopen mit im Gehege leben, schneller und entdeckten die Plattform für sich. Deswegen haben die Pelikane erst angefangen, neben der Brutplattform an der Weide Nester zu bauen.“

Heu für die Nester bei den Antilopen geklaut

Die Tierpfleger nahmen die ersten zusammengetragenen Zweige weg und stallten die Störche vorübergehend auf, damit die Pelikane wieder auf die Plattform können. Doch diese erkoren sich auf der anderen Seite des kleinen Teiches – auch unter einem Baum – ein vergleichsweise winziges Plätzchen zwischen Ufer und Zaun zum neuen Brutplatz aus. Die Wasservögel sammelten kleine Zweige im Gehege und klauten den Nyala-Antilopen ein bisschen Heu.

Zunächst fanden die Tierpfleger zwei Eier in den Nestern. Da die Pelikane in den vergangenen Jahren ihre Eier nie wirklich bis zu Ende bebrütet hatten, nahmen die Tierpfleger die beiden Eier weg, legten sie in einen Brutschrank und platzierten in den Nestern kleinere Fake-Eier (von denen eins auf unerklärliche Weise kurz darauf verschwand).

Zoo-Kurator Matthias Hendel. Hinter ihm drängen sich direkt am Zaun die brütenden Pelikane an ihren Nestern. Quelle: Dietrich Flechtner

Bislang noch kein Ei ausgebrütet

„In der Vergangenheit haben die Pelikane immer so nach 14 Tagen die Lust verloren und öfter mal ihr Nest samt Ei alleine gelassen, zum Beispiel, um der erste beim Futter zu sein“, erzählt Matthias Hendel von seinen Beobachtungen. „Da dauerte es nicht lange, die Krähen nutzten die Chance und holten sich die Eier.“ Mit anderen Worten: Bei den Pelikanen im Dresdner Zoo hat es noch nie mit Nachwuchs geklappt.

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Doch diesmal ist alles anders. Die Pelikane haben drei weitere Eier gelegt, bebrüten und beschützen sie. „Da sie so nah am Zaun brüten, geben wir ihnen das Futter immer direkt vor den Schnabel“, so Matthias Hendel.

Anfang Juli herrscht Gewissheit

Nun sind alle auf das Ergebnis gespannt. „Bei einem von den beiden Eiern im Brutschrank wissen wir ziemlich sicher, dass es nicht befruchtet ist“, dämpft der Zookurator aber allzu große Erwartungen. Was mit den Eiern ist, die die Pelikane selbst ausbrüten, weiß noch keiner. „Die Brutzeit beträgt zwischen 30 und 36 Tagen.“ Die ersten beiden Eier sind seit 27. Mai im Brutschrank. Etwa zwei, drei Tage später wurden die anderen Eier gelegt. Lange dauert es also nicht mehr, bis Gewissheit herrscht. „Ende Juni/Anfang Juli könnten wir mit einem Schlupf rechnen“, so Matthias Hendel. Wenn denn ein Küken schlüpft.

Von Catrin Steinbach