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Lokales Trauerfeier im Schloss Hirschstein für verstorbenen arche-noVa-Gründer Sven Seifert
Dresden Lokales Trauerfeier im Schloss Hirschstein für verstorbenen arche-noVa-Gründer Sven Seifert
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18:00 19.08.2018
Sven Seifert Quelle: dpa/Oliver Killig
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Meißen

In einer Trauerfeier haben Angehörige und Freunde am Sonntag im Schloss Hirschstein bei Meißen Abschied genommen von Sven Seifert. Der Gründer der Dresdner Hilfsorganisation arche noVa war am 18. Juli mit 56 Jahren nach schwerer Krebskrankheit in Dresden gestorben.

Sven Seifert sei Idealist und Pragmatiker, Humanist und Aktivist gewesen, ein Mensch vom Dorf und zugleich Kosmopolit, sagte Frank Richter, der frühere Geschäftsführer der Dresdner Frauenkirchenstiftung, jetzt unabhängiger Oberbürgermeisterkandidat für Meißen, in seiner Trauerrede. Sven Seifert habe die Frage bewegt: „Was müssen wir heute tun, um Menschen in Not schon ab morgen früh praktisch zu helfen?“ Wo sie sich befanden, sei zweitrangig gewesen - ob im Nordirak, in Syrien, auf dem Balkan, in Sri Lanka, in Nepal, Pakistan, Haiti oder auch als vom Elbehochwasser Geschädigte in Meißen. Diesem riesig großen Radius seiner Aktivitäten müsse eine starke Innerlichkeit und große Tiefe seiner Gedanken und Gefühle entsprochen haben.

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Bei einem Abendgespräch Anfang des Jahres in der Unterkirche der Frauenkirche habe er ihn als einen Mann erlebt, „der völlig unabhängig von seiner körperlichen Gebrechlichkeit eine unglaublich starke geistige Kraft ausstrahlte“, so Frank Richter. „Seine Stimme war fest. Sein Blick und seine Worte waren klar. Seine Gesichtszüge trugen wie immer eine große Entschiedenheit.“ Er sei eine Autorität gewesen, die ihm unbedingten Respekt abnötigte. Er habe sich sehr gern in dessen Nähe aufgehalten. Andererseits sei Sven Seiferts Anwesenheit immer mit der unausgesprochenen Forderung nach Klarheit und Wahrheit verbunden gewesen

- „also mit etwas Anstrengendem“. Kraft geschöpft habe er aus einem unbändig starken Naturell und aus seiner Liebe zur Natur.

Weggefährten würdigten die Verdienste von Sven Seifert. Der gelernte Schlosser und studierte Wasserbauingenieur, am 7. Mai 1962 in Lommatzsch geboren, war 1992, begleitet von fünf Freunden, mit einem Hilfstransport in den Nordirak aufgebrochen, wo Krieg herrschte. Kurze Zeit später gründeten sie den Verein „arche noVa – Initiative für Menschen in Not“.

Seit 2009 war er dessen Geschäftsführer.

Aus der lokalen Initiative ist inzwischen eine international anerkannte Hilfsorganisation geworden, die in 14 Ländern mit mehr als 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern tätig ist. Die Mitglieder leisten in Katastrophengebieten der Welt zunächst Soforthilfe, rüsten die Menschen vor Ort jedoch zugleich mit dem nötigen Wissen aus, so dass diese aus eigener Kraft selbstständig ihre Krisen lösen. Bei den langfristig angelegten Projekten vor allem in den Bereichen Hygiene, Sanitär und Trinkwasser passte Sven Seifert humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit an die konkreten Bedingungen an.

2016 erhielt er für sein Engagement das Bundesverdienstkreuz aus den Händen des damaligen sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich (CDU). Anfang Juni, als die Krankheit Sven Seifert an der weiteren Arbeit hinderte, übernahm Jens Voigt die Geschäftsführung.

Von Tomas Gärtner