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Tödlicher Messerangriff in Dresden: Verteidiger fordern Urteil nach Jugendstrafrecht

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14:09 19.05.2021
Der Syrer Abdullah A. beim Prozessauftakt in Dresden. Das Urteil soll am Freitag gesprochen werden.
Der Syrer Abdullah A. beim Prozessauftakt in Dresden. Das Urteil soll am Freitag gesprochen werden. Quelle: Sebastian Kahnert/dpa
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Dresden

Im Dresdner Mordprozess nach dem Angriff auf eine schwules Paar im Oktober 2020 hat die Verteidigung eine Verurteilung des 21-jährigen Angeklagten nach Jugendstrafrecht gefordert. Er sei drei Jahre in staatlicher Obhut im Gefängnis gewesen, zum Teil in Isolation, sagte Verteidiger Peter Hollstein am Mittwoch in seinem Plädoyer vor dem Dresdner Oberlandesgericht.

Bundesanwaltschaft fordert lebenslang

Es sei fraglich, ob sein Mandant dort zu einem Erwachsenen herangereift sei. Rein rechtlich sei er aber für Mord, versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung zu bestrafen. Die tödliche Messerattacke sei zu bedauern, sie sei eine Einzeltat eines Einzeltäters gewesen. Sein Mandant sei nicht Teil einer organisierten Struktur.

Das Urteil gegen den jungen Syrer wird für Freitag erwartet. Die Bundesanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer eine lebenslange Freiheitsstrafe für den Angeklagten mit Sicherungsverwahrung unter Vorbehalt gefordert.

Chronik zur Tat

Am Abend des 4. Oktober werden auf der Schloßstraße zwei Touristen angegriffen. Einer der Männer erliegt im Krankenhaus seinen Verletzungen. Dem Täter gelingt die Flucht.

Vier Tage später schalten die Ermittler ein Hinweisportal frei. Am 13. Oktober wird die Sonderkommission „Schloßstraße“ gegründet. Der Fall wird auch im Fernsehen vorgestellt.

Am 21. Oktober dann vermeldet die Sonderkommission Erfolg: Ein 20-jähriger Syrer sei festgenommen worden. Gleichzeitig steht plötzlich ein islamistisches Motiv im Raum. Abdullah H. ist als Gefährder bekannt und einschlägig vorbestraft. Er war nur wenige Tage zuvor aus dem Gefängnis entlassen worden und stand unter Beobachtung des Verfassungsschutzes.

Wenige Tage später erscheint eine Traueranzeige für den Getöteten, es wird klar: Der Angriff galt einem homosexuellen Paar.

Sie hatte auf das radikal-islamistische und homophobe Tatmotiv des damals 20-jährigen Syrers verwiesen. Der Angeklagte habe sich spätestens seit 2016 zunehmend radikalisiert. Der Syrer soll am 4. Oktober 2020 in Dresden ein schwules Paar niedergestochen haben. Einer der Männer aus Nordrhein-Westfalen starb kurz nach dem Angriff, sein Lebenspartner wurde schwer verletzt. Der Prozess hatte am 12. April begonnen.

Von epd