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Lokales Titanic-Verein auf Dampferfahrt in Dresden
Dresden Lokales Titanic-Verein auf Dampferfahrt in Dresden
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17:55 25.05.2018
Susanne Strömer und Malte Fiebing-Petersen vom Deutschen Titanic-Verein. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Sie ist wohl das bekannteste Schiff aller Zeiten – die Titanic. Mythen ranken sich um ihren tragischen Untergang, viele Fragen sind nach wie vor unbeantwortet. Auch 106 Jahre nach dem Zusammenprall der Titanic mit einem Eisberg lebt die Faszination weiter. Am Wochenende trifft sich der Deutsche Titanic-Verein zu seiner 20. Jahreshauptversammlung im Hotel „NH Collection Altmarkt“ in Dresden. Erwartet werden Mitglieder aus dem gesamten Bundesgebiet, Österreich und den Niederlanden.

„Am Sonnabend steht unsere Jahreshauptversammlung auf der Tagesordnung“, erklärt der Vereinsvorsitzende Malte Fiebing-Petersen, der aus Kiel angereist ist. „Die Vorstände stellen ihre Jahresabschlussberichte vor, und die Kassenlage wird erläutert. Das ist immer etwas trocken. Um die Mitglieder dennoch zur Teilnahme zu bewegen, betten wir die Versammlung seit Vereinsgründung in ein Titanic-Wochenende ein.“ So stehen am Sonnabend etwa Vorträge zum Thema Titanic an, ebenso wie eine Verkaufs- und Tauschbörse.

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Ein weiterer Programmpunkt für die Vereinsmitglieder ist eine 90-minütige Elbschifffahrt auf dem historischen Dampfer „Dresden“. Als Titanic-Experten könnte man an Bord eines Schiffs schnell weiche Knie bekommen – zumal die „Dresden“ bereits 92 Jahre auf dem Buckel hat. Doch eine Schiffskatastrophe scheint im derzeit rund 75 Zentimeter tiefen Wasser der Elbe eher unwahrscheinlich. Und bei sommerlichen 26 Grad Celsius hat sich selten ein Eisberg in die Landeshauptstadt verirrt.

Als krönender Abschluss wird den Mitgliedern am Sonnabend ein Fünf-Gang-Menü geboten, zusammengestellt aus der Speisekarte der 1. Klasse der Titanic. „Der Küchenchef des Hotels hat diese Idee unterbreitet. So etwas gab es noch nie bei einer unserer Versammlungen“, erzählt Fiebing-Petersen stolz. Auf der Karte stehen Speisen wie Spargelsalat mit Champagner-Safran-Vinaigrette, Maishähnchenbrust Lyonnaise oder Gefüllte Eclairs mit Vanillesauce. Einige Vereinsmitglieder haben angekündigt, in zeitgenössischer Kleidung zu erscheinen – so wie sie damals auch an Bord der Titanic getragen wurde.

Bis zur Abreise am Sonntag begleitet ein Filmteam des Fernsehsenders Pro 7 das Vereinstreffen. Für die Sendung „Galileo Spezial“ dreht die Crew den Beitrag „Mythos Titanic“ und stellt darin die Arbeit des Deutschen Titanic-Vereins vor.

Dieser wurde 1997 gegründet und hat derzeit etwa 300 Mitglieder. Der Verein gibt vierteljährlich die Mitgliederzeitschrift „Der Navigator“ heraus. Regelmäßig trifft man sich, diskutiert und recherchiert zum Schiffswrack. Doch wer sind diese Menschen, die der Faszination Titanic erlegen sind? Immerhin ist der tragische Untergang der Titanic mittlerweile über hundert Jahre her. „Im Verein sind alle Altersschichten vertreten“, sagt Fiebing-Petersen. „Das beginnt bei Schülern und hört bei Rentnern auf.“

Die Mitglieder kommen mit ganz unterschiedlichen Interessen zum Verein. Da wäre eine Schneiderin zu nennen, die sich für die Kleidung der Titanic-Passagiere begeistert. Oder mehrere Modellbauer, die für die einzelnen Bauteile des Schiffs brennen. Oder eben Malte Fiebing-Petersen, der sich vorwiegend für die Biografien der Menschen an Bord interessiert.

Die Titanic verbindet – bis heute. „Sie sagt einfach viel über das damalige Leben, die Gesellschaft, die Technik und die Mode aus. Das Schiff ist ein gutes Element, um mehr über die damalige Zeit zu erfahren“, findet Susanne Störmer, die im Verein für die Finanzen zuständig ist. Den Beginn ihrer Leidenschaft markierte ein Fernsehfilm über das Passagierschiff, den sie als Achtjährige sah. Bis heute forscht Störmer zur Schuldfrage des Ersten Offiziers der Titanic, William McMaster Murdoch. Er hatte zum Zeitpunkt der Kollision Wache.

Störmer und Fiebing-Petersen versuchen, sich bei ihrer Recherche an die Fakten zu halten. Eigentlich machen sie sich deshalb nicht viel aus Hollywood-Blockbustern. Sein heutiges Bestehen verdankt der Deutsche Titanic-Verein jedoch dem Regisseur James Cameron. „Sein großartiger Titanic-Film hat die Mitgliederzahl im Jahr 1997 hochschießen lassen“, erinnert sich Fiebing-Petersen. „Cameron hat einen immensen Aufwand betrieben. Durch seine Bemühungen, die Titanic im Film so detailgetreu wie möglich darzustellen, hat er viel Bewegung in die Untersuchungen gebracht. Ohne den Film würde die Forschung zur Titanic heute nicht dort stehen, wo sie sich momentan befindet.“

www.titanicverein.de

Von Junes Semmoudi