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Lokales Thronbaldachin August des Starken erstrahlt in neuem Glanz
Dresden Lokales Thronbaldachin August des Starken erstrahlt in neuem Glanz
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15:17 25.09.2019
Barocke Pracht: Letzte Handgriffe an den Baldachinbehängen für den Thron August des Starken im Dresdner Schloss. Julia Zitzmann, Christa Zitzmann und Isa Hesse (von links). Quelle: Bernd Gartenschläger
Dresden

Ein kunsthistorisches Großereignis steht am Wochenende an der Elbe bevor: Im Westflügel des Dresdner Schlosses werden die am Ende des Zweiten Weltkrieges völlig zerstörten Paraderäume August des Starken wiedereröffnet. Solche Edelappartements schmückten einstmals viele Residenzen in ganz Europa, haben sich aber weder in Versailles noch in Wien erhalten. Nun sind sie in Dresden mit Mitteln des Landes Sachsen neu erstanden und erstrahlen in altem Glanz.

„Hier ist wirklich alles Gold, was glänzt“

Eröffnet wurde die Festetage vor genau 300 Jahren, im September 1719, der sächsische Herrscher hatte sie anlässlich der Hochzeit seines Sohnes, des Kurprinzen Friedrich August, mit der Kaisertochter Maria Josepha von Österreich einrichten lassen, ohne Kosten noch Mühen zu scheuen. Nicht wegen der Vermählung allein, sondern vor allem um der Welt zu zeigen: Sachsen spielt jetzt in der ersten Liga mit.

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Das Edelste, was sich fand, war gerade gut genug. Von teuersten bestickten Samtbehängen und Tapisserien über vergoldeten Raumschmuck bis zu Türrahmungen aus Marmor. „Hier war wirklich alles Gold, was glänzte“, so die Dresdner Projektleiterin für die Wiederherstellung der üppigen Textilausstattung Sabine Schneider.

Teile des Thronbaldachins sind erhalten

Vieles davon ist verlorengegangen. Zumindest einige der Originale haben aber Dank rechtzeitiger Auslagerung den Krieg überlebt. So haben sich im Audienzgemach der Thronstuhl, seltene Silbermöbel, aber auch ein großer Teil der Wandbehänge und Teile des Thronbaldachins erhalten. Die Posamentenbesätze des Thronbaldachins wurden in den vergangenen beiden Jahren von einem Potsdamer Expertinnenteam um Julia Zitzmann restauriert. Ihr zur Seite Christa Zitzmann und Isa Hesse.

Das Audienzgemach August des Starken mit dem Thronbaldachin. Virtuelle Rekonstruktion der Paraderäume von 1719 in Dresden. Quelle: mic-vis.de, Studio für Visualisierung Berlin / SIB D1

Auch wenn alle drei vielerlei Erfahrungen in Sachen historische Kleidung und Raumausstattungen haben, das Dresdner Projekt stellte ganz ungewöhnliche Anforderungen an sie. Zum einen, was den Zustand anlangt. „Die Objekte hatten durch die Auslagerung stark gelitten und sind eher durch einen Zufall gefunden worden“, so Julia Zitzmann. „Sie waren oftmals ineinander verknäult und dazu so stark verschmutzt, dass man ihre einstige Struktur allenfalls erahnen konnte.“

Edelste Metallgespinstfäden wurden verarbeitet

Eine weitere Herausforderung stellte der ungewöhnliche Materialmix aus Seide, Pergament und Metall dar. Aber was heißt hier Metall. „Es sind edelste Metallgespinstfäden verarbeitet worden, aus feinstem Silber mit bis zu 23,5 Karat Gold belegt“, so Zitzmann.

Außerdem handelt es sich nicht wie sonst um ein normales Gewebe, sondern um eine kunstvolle Posamentierarbeit, quasi ein Puzzle aus lauter kleinen und kleinsten Blüten, Stäben, Stegen, Gitterwerk, die einstmals zu stattlichen Flächen zusammengefügt wurden, an seinen Längsseiten misst der Baldachin etwa 350 mal 50 Zentimeter.

Der eigentlichen Restaurierung gingen intensive Voruntersuchungen zu Material und Technik voraus, um sich überhaupt erst einmal einen Überblick zu verschaffen, wie das vor 300 Jahren alles entstanden sein könnte.

Wobei bei der weiteren Arbeit das im Kern jeder Figur als Basis verarbeitete Pergament, das man gar nicht sieht, die größte Hürde darstellte. Bei jedem der Arbeitsschritte stand die bange Frage: Wie wird das pergamentene Innenleben reagieren. Es schloss beim Reinigen eine Feuchtbehandlung aus. Also Trockenreinigung mit feinsten Pinseln und Mikrosauger, Zentimeter um Zentimeter.

Wochenlange Sisyphusarbeit

Danach waren die Restauratorinnen über Wochen damit beschäftigt, das Gebilde in seine ursprüngliche Form zurückzuführen und dabei zugleich die vielfältigen Verwerfungen zurückzunehmen. Das ganz Erstaunliche: Auch wenn es zunächst so aussah, als ob es viele Fehlstellen geben würde, vervollständigten sich dabei alle Ornamente. Zur Stabilisierung wurde alles auf passend rot eingefärbtem Seidentaft und gestärktem Leinen aufgebracht.

Als schiere Sisysphusarbeit erwies sich auch die Aufbereitung der in die Tausende gehenden Fransen, die den unteren Abschluss der Behänge bilden. Alle waren sie ebenfalls stark verschmutzt, verknotet, verdreht, oft auch gebrochen. Stück um Stück mussten sie entwirrt, gereinigt und geglättet werden.

Und das Trio um Julia Zitzmann hat alles rechtzeitig geschafft. Ende August haben die drei ihr Werk im Audienzgemach über dem Thron angebracht. Den künftigen vollendeten Raumeindruck, der sich aus restaurierten Originalen und Rekonstruktionen zusammenfügen wird, konnte man da allerdings nur erahnen, denn noch etliche Gewerke legten letzte Hand an. Nun sind sie selbst gespannt darauf, wie sich die neuen Prachträume den Besuchern präsentieren.

Von Frank Starke

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