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Lokales Thees Uhlmann am Mittwoch im Alten Schlachthof
Dresden Lokales Thees Uhlmann am Mittwoch im Alten Schlachthof
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16:48 03.12.2019
Thees Uhlmann vor sechs Jahren in Dresden. Quelle: Foto: Dietrich Flechtner/Archiv
Dresden

Da ist sie wieder, die norddeutsche Schroffheit, auch bekannt als Thees Uhlmann. Er meldet sich nach fünf Jahren ohne Schaffenspause am Mittwochabend im Alten Schlachthof mit neuer Platte im Gepäck zurück. Gemeinsam mit seiner Band wird er seine Meinung und Gedanken zu „Junkies und Scientologen“, so der aktuelle Albumtitel, präsentieren. Sein erstes Stück darauf „Fünf Jahre nicht gesungen“ fasst in vier Minuten zusammen, was es braucht und nicht braucht, um gute Musik zu machen, und wer alles daran beteiligt ist und/oder dich davon abhält. „Ein Stift und ein Zettel reicht aus...“, um seine Gedanken fließen zu lassen, das Leben sei kein Highway, sondern eine Bundesstraße. Was man noch benötigt in den fünf Jahren: die Vielfalt seiner Talente nutzen und sich die Zeit dafür nehmen.

Das hat er getan. Der 45-jährige „Multijobber“ veröffentlichte in dieser Zeit den Roman „Sophia, der Tod und ich“, reiste daraus lesend durch das Land und synchronisierte die Autobiografie von Bruce Springsteen. Auch sonst ist der Teilhaber von Hamburgs Label Grand Hotel van Cleef gut beschäftigt und veröffentlichte erst im Oktober „Die Toten Hosen“, einen Erlebnisbericht in Buchform über seine Jugendliebe zur Band, Freundschaften zu den Mitgliedern, Fußballausflüge und wichtige Erkenntnisse für das Leben in der Zeit zwischen Helmut Schmidt und Angela Merkel.

Berührende Distanzlosigkeit

Nach seiner achtjährigen singenden Laufzeit bei Tomte oder als Redakteur bei namhaften Musikmagazinen brachte Uhlmann 2011 sein erstes Solowerk „Thees Uhlmann“ und zwei Jahre später „2“ unters Volk, also mit eher einfach strukturierten Albentiteln, aber dafür mit viel Inhalt. Als nun Album Nummer drei bereit für die Masse war, stand das Angebot von Marcus Wiebusch (Sänger von Kettcar) für einen persönlichen Besuch bei Thees, plus Austeilung einer Ohrfeige, wenn das neue Werk nur „3“ hieße. So entstand „Junkies und Scientologen“. Beim gleichnamigen Titel in Roadmovie-Manier wird für alle Gruppen, unter anderen für methadonabhängige Junkies, für die viel zu freundlich lächelnden Scientology-Aktivisten, für den Dealer aus’m Görli, mit Frau und Tochter daheim in Ghana, für die letzten Punks und für die misogynen Schreiber, die die Luft zum Atmen nehmen, gesungen.

Musik erreicht alle, immer. Viele Gedanken kreisen in und um die Musik, kein Anprangern oder Reden Schwingen, auch nicht sorgenbehaftet, dafür fehlt dem gebürtigen Cuxhavener laut eigener Aussage die Kompetenz. Auch mal sein lassen, wenn die Blockaden einen festhalten. Eine Auszeit nehmen, sich besinnen.

Berührende Distanzlosigkeit, kein Geschwafel in halsbrecherischen Phrasen, manchmal Sprechgesang, eher treibendes, gesungenes Wortspiel, dazu zügige Gitarren und „tanzrhythmisches“ Schlagzeug, zwischendrin auch mal ruhig und zart mit Klavierbegleitung. Sonst nichts.

morgen, 20 Uhr, Alter Schlachthof, Tickets ab 39 Euro im Vorverkauf

Von Anne Gräfe

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