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Lokales Tatort Huschhalle – 36-Jähriger wegen Totschlags vor Gericht
Dresden Lokales Tatort Huschhalle – 36-Jähriger wegen Totschlags vor Gericht
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08:00 19.06.2018
Die Huschhalle im August 2017. Quelle: Archiv
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Dresden

Der „Imbiss am Dreikaiserhof“ kurz „Huschhalle“ genannt, hat in Dresden seinen eigenen Ruf und keinen guten. Die kleine Kneipe in Löbtau ist ein Treffpunkt der Trinkerszene. In den Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft taucht das Lokal zigfach als Tatort auf – von Beleidigung über Sachbeschädigung bis zur gefährlichen Körperverletzung.

Am späten Abend des 1. August 2017 Jahres machte ein Kellner in der Huschhalle einen grausigen Fund. Im Vorraum der Toilette lag ein zusammengeschlagener, lebloser Mensch. Der herbeigerufene Notarzt konnte nur noch den Tod des 61-jährigen Ungarn feststellen. Das Opfer hatte erhebliche Schläge und Tritte gegen den Kopf, den Körper und in die Genitalien erhalten und war an akutem Herzversagen gestorben.

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Der Tatverdächtige verharmlost seine Probleme

Im Zuge der Ermittlungen geriet schnell Kenny P. aus Löbtau ins Visier der Polizeibeamten, er wurde wenig später festgenommen und sitzt seitdem in U-Haft. Seit Montag steht der 36-Jährige wegen Totschlags vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts.

Der Angeklagte hat ein erhebliches Alkohol- und Drogenproblem. Täglich eine Flasche Whisky, Pfefferminzlikör und Bier, dazu ein halbes bis ein Gramm Crystal und ein bis zwei Gramm Haschisch – pro Tag wohlgemerkt. Ein übler und teurer Cocktail, da stellt sich die Frage, wie er das alles verkraftet und finanziert hat. Von Hartz IV, einem gelegentlichen Schnapsdiebstahl und Plasmaspenden, wie er der Kammer glaubhaft machen wollte, funktioniert das nicht. Das machte ihm der Vorsitzende Richter klar. Und da zeigte sich, dass der Angeklagte, der nach eigenen Aussagen einer Auseinandersetzung lieber aus dem Weg geht oder seine Wut nur an „Sachsen“ auslässt, durchaus bockig werden kann, wenn etwas nicht so funktioniert, wie er es sich vorstellt.

Der 36-Jährige hat sich sein eigenes Bild von sich zurechtgebastelt – und da hat er alles im Griff: seine Sucht, sein Privatleben, seine möglichen Aggressionen. Er verharmlost alles und lügt sich dabei selbst in die Taschen. Motto: Es nicht sein kann, was nicht sein darf. Der Prozess wird mit Einlassungen des Angeklagten zur Tat fortgesetzt.

Von Monika Löffler