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Lokales Nicht nur Orte für Tod und Trauer: Dresdner Friedhöfe (er)leben
Dresden Lokales Nicht nur Orte für Tod und Trauer: Dresdner Friedhöfe (er)leben
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16:11 12.09.2019
Friedhöfe mal aus einem völlig anderen Blickwinkel sehen, das können Sie am Sonntag, 15. September, am Tag des Friedhofs. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Wussten sie, dass Dresden nach Berlin bundesweit die meisten Friedhöfen besitzt? 58 Kirch- und Friedhöfe gibt es in der Landeshauptstadt: 49 evangelische, zwei katholische, zwei jüdische, vier kommunale und einen staatlichen. Darunter sind sogar preisgekrönte: Der Johannisfriedhof in Tolkewitz zum Beispiel wurde 2011 zum schönsten Friedhof Deutschlands gekürt und der Alte Katholische Friedhof in der Friedrichstadt (einer der ältesten Dresdner Friedhöfe) belegte 2012 Platz acht.

16 Friedhöfe und das Krematorium Tolkewitz beteiligen sich am Sonntag mit vielfältigen und oft nicht alltäglichen Veranstaltungen, Führungen, Konzerten, Lesungen und Gesprächsrunden am „Tag des Friedhofs“. Der wurde 2001 vom Bund Deutscher Friedhofsgärtner gemeinsam mit Steinmetzen, Bestattern, Floristen, Städten und Dörfern initiiert. Ziel war und ist es, den Umgang mit den Themen Tod und Trauer zu enttabuisieren und Friedhöfe auch als Begegnungs- und Erholungsstätten zu präsentieren.

Preisgekrönt: Der Johannisfriedhof in Dresden-Tolkewitz wurde 2011 zum schönsten Friedhof Deutschlands gekürt. Quelle: Anja Schneider

Denn Friedhöfe sind mehr als ein Ort, an dem Verstorbene bestattet werden. Friedhöfe sind Orte der Ruhe, der Erinnerung, Begegnung und Entdeckung, aber auch Erholungs- und Lebensraum für Menschen, Pflanzen und Tiere. Mit dem bundesweit ausgegebenen Motto „Friedhöfe: Leben – Lachen – Freude“ hat man aber wohl doch etwas übertrieben.

Lebendige Orte und grüne Lungen

Die Landeshauptstadt entschied sich für ein eigenes Motto: „Dresdner Friedhöfe (er)leben“. „Unsere Friedhöfe sind ‚lebendige Orte‘ – Orte zum Leben, denn sie bieten Raum für Erinnerung und Gedenken, sind grüne Lungen inmitten der Stadt und beherbergen einmalige Zeugen unserer Geschichte und Handwerkskunst“, meint Eva Jähnigen (Bündnisgrüne), Bürgermeisterin für Umwelt und Kommunalwirtschaft, zu deren Ressort auch die Dresdner Friedhöfe gehören.

Grabgestaltung weist auf Beruf hin

Von Handwerkskunst zeugen vor allem die älteren Friedhöfe mit ihren kunstvollen Grabstätten und Grüften. Alte Familiengräber berichten viel über die Menschen, die da begraben liegen. Man erkennt schon an der Grabsteingestaltung, ob da ein Bäcker oder Musiker liegt.

L Quelle: Monika Löffler

Die kunstvollen Anlagen mit Skulpturen aus Marmor oder Metall wecken allerdings auch Begehrlichkeiten. Schon im alten Ägypten wurden Gräber geplündert, heute auch noch. Dreiste Diebe bedienen sich an Metallskulpturen, Kreuzen, Gittern oder auch am kunstvollen Sandstein. „Es gibt immer wieder Fälle von Grabräuberei, Einbrüchen in Kapellen oder Friedhofsgärtnereien“, sagt Polizeisprecher Lukas Reumund. „Erst am vergangenen Wochenende wurde auf dem Neuen Annenfriedhof ein zwei Meter hohes Metallkreuz gestohlen“. Geklaut werden aber auch Grabgestecke und Blumensträuße.

Nicht nur Langfinger, auch die jüngsten heißen Sommer haben den Friedhöfen zugesetzt. Nach Angaben des Grünflächenamtes fielen der Dürre zum Beispiel auf dem Eliasfriedhof 20 Bäume und auf dem St.-Pauli-Friedhof sogar 80 Bäume zum Opfer.

Indianerhäuptling auf dem Katholischen Friedhof

Dessen ungeachtet bildet ein Friedhofsbummel. Friedhöfe sind wie „Geschichtsbücher“, man findet Grabstellen von prominenten Dresdnern, hat gelegentlich einen Aha-Effekt, wenn man zum Beispiel entdeckt, dass auf dem Neuen Katholischen Friedhof ein Indianerhäuptling vom Stamme der Lakota-Sioux begraben ist. Edward Two-Two trat im Zirkus Sarrasani auf und wollte in Dresden beerdigt werden.

Häuptling Edward Two-Two, auch „Sungila Cigal" (Kleiner Fuchs) genannt, kam 1913 mit seiner Familie zum Zirkus Sarrasani nach Dresden. Quelle: Repro: Dietrich Flechtner

Und man erfährt viel über den Alltag, das Leben und Sterben der Menschen vieler Generation und auch über den Wandel der Trauerkultur – weg vom Einzelgrab hin zu oft anonymen Gruppengräbern. „Friedhöfe sind Orte des Gedenkens und der persönlichen Trauer, aber auch das Gedächtnis der Stadt. Je mehr Überlebende fehlen, umso wichtiger sind Friedhöfe“, sagt Eva Jähnigen.

Die Dresdner Veranstalter verweisen in diesem Jahr auf die besondere Verbindung des Friedhofstages mit dem Bauhaus-Jubiläum 2019 „Die Welt neu denken“. Spuren des vor 100 Jahren von Walter Gropius gegründeten Bauhauses finden sich auch auf dem Inneren Plauenschen Friedhof. Dort befindet sich die Grabstelle von Erwin und Friedrich Bienert, Sohn und Enkel des bekannten Dresdner Mühlenbesitzers Gottlieb Traugott Bienert.

Zweimal Bienert in Plauen: rechts die Grabanlage von Gottlieb Traugott Bienert, links das moderne Grab von dessen Sohn und Enkel. Quelle: Monika Löffler

Gropius als Ideengeber für Bienert-Grab

Während der alte Herr und seine Frau nebenan in einem Mausoleum ruhen, entspricht das Grab der Nachfahren dem Zeitgeist. Ideengeber war Gropius. Ob er das Grab auch selbst entworfen hat, ist zwar nicht ganz sicher, aber es spreche vieles dafür, meinen Experten. Friedhofsleiter Andreas Thiele wird bei seiner Führung am Sonntag sicher darauf eingehen. Aber viele der alten Gräber haben niemanden mehr, der sich um sie kümmert. Bei kulturhistorisch bedeutenden Grabstätten steuert die Stadt finanzielle Mittel zu, doch auf Dauer wird das teuer. Deshalb gibt es sogenannte Patengräber, zum Beispiel auf dem Inneren Neustädter Friedhof. Der Pate spendet Geld oder nimmt ein Grab in Pflege.

„Man könnte viele Beispiele für unsinnige Ausgaben nennen, aber keines ist treffender als die Errichtung einer Friedhofsmauer. Die, die drinnen sind, können sowieso nicht hinaus, und die, die draußen sind, wollen nicht hinein“, sagte einst Mark Twain. Nehmen Sie den Meister der spitzen Feder mal nicht beim Wort und gehen sie rein in die Dresdner Friedhöfe. Es gibt viel zu entdecken, nicht nur am Tag des Friedhofs.

Veranstaltungen am Tag des Friedhofs in Dresden

Verband der Annenfriedhöfe, Alter Annenfriedhof:11 bis 12.30 Uhr „Im Lauf der Zeit – Spaziergang durch 171 Jahre Bestattungskultur und Lokalgeschichte“.

Äußerer Briesnitzer Friedhof:14 Uhr Kleines Konzert mit „Vier Mal Jot“

Innerer Briesnitzer Friedhof:12 Uhr Führungen in der erntegeschmückten Kirche, Turmbesteigungen und geführte Rundgänge über den Friedhof.

Eliasfriedhof: 14 Uhr Friedhofsführungen zur Geschichte des Eliasfriedhofs durch Mitglieder des Fördervereins.

Johannisfriedhof: 11 Uhr Führung durch die Geschichte des Friedhofs, Besichtigung von Grabstätten bekannter Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Kultur.

13 Uhr Tag des Geotops „Zwei Milliarden Jahre Erdgeschichte – der Friedhof als geowissenschaftliches Archiv“.

Alter Friedhof Klotzsche: 10.30 Uhr Bläserkonzert mit dem Posaunenchor der Ev.-Luth. Kirchgemeinde Dresden-Klotzsche.

Innerer Neustädter Friedhof:14 Uhr Friedhofsrundgang zum Thema „Grabsteine erzählen Geschichte aus Vergangenheit und Gegenwart“.

Innerer Plauenscher Friedhof: 13 Uhr Friedhofsleiter Andreas Thiele führt über den Friedhof und gibt Auskunft über historische und aktuelle Belange der Friedhofs- und Bestattungskultur.

T
rinitatisfriedhof: 13 Uhr Einweihung der restaurierten Grabstelle des Generalmajors dé Habbe.

Striesener Friedhof: 16 Uhr Konzert mit dem Ensemble Concentus, „Von Tod und Leben“mit Werken von Schütz und Lechner.

Urnenhain Tolkewitz: 16 Uhr Führung durch das historische Krematorium.

Mehr Informationen zum Tag des Friedhofs und den Veranstaltungen in Dresden unter www.dresden.de/friedhofstag

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Von Monika Löffler

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