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Lokales Streuobstwiese adé? Bürger machen gegen Baumfällungen in Mockritz mobil
Dresden Lokales Streuobstwiese adé? Bürger machen gegen Baumfällungen in Mockritz mobil
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20:35 27.03.2019
Christoph Hille, Jens Rösler (Vorsitzender des Kleingärtnervereins Mockritz e.V.) und Anwohnerin Kathrin Schiffel sind fassungslos, dass die Streuobstwiese abgeholzt wurde. Quelle: Catrin Steinbach
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Dresden

In Mockritz hat sich am Dienstagabend eine Bürgerinitiative gegründet. Anlass sind Baumfällungen auf einer Streuobstwiese nahe des Nöthnitzbaches und benachbartem Gartenland südlich der Eutschützer Straße.

Streuobstwiese und Gartenflächen als Grünanlage erhalten

Weil Anwohnern, Gewerbetreibenden der Umgebung und Mitgliedern des anliegenden Kleingartenvereins Dresden-Mockritz e.V. nichts Gutes schwant, haben sie sich zusammengetan. Ihr Ziel ist, die Gartenflächen an der Eutschützer Straße als Grünanlage und die Streuobstwiese zu erhalten, „wie beides im aktuellen Flächennutzungsplan und Landschaftsplan festgelegt ist“, so Verleger Christoph Hille. Er wurde zum Vorsitzenden der Bürgerinitiative gewählt.

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Anwohner informiert Umweltamt

Auf die Baumfällungen im großen Stil wurden Anwohner am 11. Februar aufmerksam. Am 12. Februar informierte ein Anwohner das Umweltamt. Bäume einer Streuobstwiese und auf einem angrenzenden Areal, auf dem sich bislang viele Gärten befanden, fielen der Säge zum Opfer. Das Gartenland habe sich in Privatbesitz befunden und sei verkauft worden. Der neue Eigentümer habe den Gartennutzern gekündigt, erzählt ein Mitglied der Bürgerinitiative, das selbst betroffen ist.

Zweifel, ob das Land bebaut werden darf oder nicht

Jetzt kommen bei den Anwohnern Befürchtungen hoch, dass das Grünland einer Bebauung weichen könnte. Doch darf auf dem Areal überhaupt gebaut werden? Die Anwohner haben den Entwurf des Flächennutzungsplanes unter die Lupe genommen. Dort ist das Gebiet als Grünfläche markiert. Aber ist das wirklich in Stein gemeißelt?

Fällung auf Streuobstwiese ohne Genehmigung

„Die Fällung der westlich an das Gartenareal angrenzenden Streuobstwiese, Flurstück 69, erfolgte ohne Kenntnis und Genehmigung des Umweltamtes. Erst durch den Anruf eines Anwohners wurde das Umweltamt über die Fällarbeiten informiert“, heißt es auf Anfrage der DNN aus dem Umweltamt.

Stadt will Wiederherstellungsanordnung erlassen

„Ein Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde war unmittelbar danach vor Ort und verfügte die unverzügliche Einstellung der ungenehmigten Rodungsarbeiten an den alten Obstbäumen auf der Streuobstwiese. Da es sich um ein gesetzlich geschütztes Biotop handelt, wird in Kürze von behördlicher Seite eine Wiederherstellungsanordnung für die Streuobstwiese ergehen, eventuell ordnungsrechtliche Konsequenzen werden vorbehalten. Über diesen Sachverhalt wurden die Eigentümer bei einem Anhörungstermin vor Ort bereits informiert.“

Im Zuge einer weiteren Ortsbesichtigung am 1. März 2019 habe das Umweltamt zudem festgestellt, „dass im Bereich des Garten-Areals sehr umfangreich Laub- und Nadelbäume, Obstbäume, Großsträucher, Hecken, geschützte Klettergehölze gefällt wurden, welche dort seit Jahren/Jahrzehnten gewachsen sind und beachtliche Ausmaße erreicht haben“, heißt es in der Antwort der Stadt weiter.

Einige auf dem Gartenland gefällten Bäume fallen unter Gehölzschutzsatzung

„Unter den gefällten Gehölzen konnten einige Bäume, Großsträucher und Klettergehölze festgestellt werden, die unter die Gehölzschutzsatzung der Stadt Dresden fallen.“ Eine Fällung von geschützten Gehölzen im Bereich des Garten-Areals sei beim Umweltamt weder beantragt noch genehmigt worden. „Überwiegend handelt es sich jedoch um nicht geschützte Gehölze im Sinne der Gehölzschutzsatzung.“ Die Entscheidung über den Erhalt dieser Gehölze liege allein beim Eigentümer. „Für die Fällung von geschützten Gehölzen werden verwaltungsrechtliche Maßnahmen geprüft“, so das Umweltamt.

Es liegen keine Bauanträge vor

Eine Anfrage beim zuständigen Sachgebiet Plauen/Cotta des Bauaufsichtsamtes habe ergeben, dass derzeit keine Bauanträge vorliegen, teilte die Stadt Dresden mit. Eine Antwort auf die Rückfrage, ob auf dem Land, auf dem sich bisher Gärten befanden, grundsätzlich eine Bebauung möglich ist, ging bis zum Redaktionsschluss nicht mehr ein.

Von Catrin Steinbach