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Lokales Streit um Sicherheit für Radfahrer auf der St. Petersburger Straße
Dresden Lokales Streit um Sicherheit für Radfahrer auf der St. Petersburger Straße
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16:45 08.04.2019
Ein weißes Fahrrad erinnert an den Unfall im August des vergangenen Jahres, bei der eine Frau tödlich verunglückte. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Plötzlich öffnet sich die Tür eines parkenden Autos, viel zu schnell für eine Radfahrerin auf dem Radweg daneben. Sie kann nicht mehr bremsen, knallt gegen die Tür und wird auf die Fahrbahn ge­schleudert, wo sie ein Auto überrollt. Kurze darauf stirbt die 45-Jährige in ei­ner Klinik. Für den Dresdner ADFC war dieses Drama auf der St. Petersburger Straße nur eine Frage der Zeit. Die Fahrradlobby spricht von lebensgefährlichen Zu­ständen – und macht jetzt auch verkehrsrechtliche Bedenken geltend.

Der Unfall im Au­gust des vergangenen Jahres hatte viel Bestürzung und rege Anteilnahme ausgelöst. Die Mitglieder des ADFC starten ei­ne Petition, forderten darin unter an­derem die so­fortige Streichung der Parkplätze entlang der Radwege an der St. Pe­tersburger Straße zwischen Wiener Platz und Georgplatz. Die Fraktion der Grünen goss diese Forderung da­raufhin in einen Antrag, am Donnerstag soll sich nun der Dresdner Stadtrat mit der Situation vor Ort beschäftigen. Dort liegt in­zwischen allerdings ein Kompromiss auf dem Tisch – der aus Sicht des ADFC keineswegs ausreichend ist.

ADFC-Mitstreiter Wolfgang Fröb hat selbst schon einmal auf der St. Petersburger die Situation er­lebt, wenn eine aufgerissene Autotür plötzlich den Radweg versperrt: „Ich bin quasi flugerprobt“. Dass auf der St. Pe­­tersburger Straße in einem derart engen Korridor Fahrräder zwischen rollendem Verkehr und parkenden Autos hindurchgeführt werden, sei jedoch gerade mit Blick auf die empfohlenen Mindestabstände ein nicht haltbarer Zustand.

Wolfgang Fröb spielt auf die aktuelle Rechtssprechung an. Demnach sind Radfahrer angehalten, mit ei­nem Abstand von 90 Zen­timeter oder mehr an einem parkenden Auto vorbeizufahren. „Es gibt Ge­richte, für die ist selbst das noch nicht ausreichend“, sagt das ADFC-Mitglied. Zugleich sei beim Überholen von Fahrrädern ein Min­destabstand von 1,50 Me­ter einzuhalten. Da­­bei gelten als Bezugspunkte jeweils die Au­ßenkanten der Räder und Autos.

ADFC-Landesgeschäftsführer Konrad Krause hat nachgemessen: Auf der St. Petersburger Straße ist für Radfahrer zu wenig Platz. Quelle: Anja Schneider

Für die St. Petersburger Straße hieße das: „Nur wenn der Radfahrer dort äußerst links auf dem Radweg unterwegs sei, hält er ausreichend Abstand zu parkenden Autos“, sagt Wolfgang Fröb. Dort befindet er sich dann allerdings schon in dem Be­reich, wo Autos, Laster und Busse mit unzureichendem Abstand überholen. „Das ist ein strukturelles Pro­blem“, sagt Wolfgang Fröb, weshalb der ADFC zu seiner Forderung auch keinerlei Alternative sieht.

Anders im Stadtrat. Im zuständigen Ortschaftsrat Altstadt war die Vorlage der Grünen zwar zunächst noch auf eine breite Zustimmung ge­stoßen. Die Mehrheit der Mitglieder im Bauausschuss speckte den Vorstoß zur Streichung der Parkplätze jedoch deutlich ab. Auf der Westseite, also dort, wo die Prager Straße an­grenzt, sollen nach dem Mehrheitswillen keine Parkplätze entfallen. Auf der Ostseite könnten die Parkflächen immerhin über den Bordstein hin­aus verbannt werden. Außerdem plädieren die Ausschussmitglieder dafür, dort Planungen für eine sicherer Radverbindung vor­zu­nehmen. So sieht es auch die für die Stadtratssitzung am Donnerstag vorbereitete Be­schlussempfehlung vor.

Angesichts der Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat rechnen sich der Dresdner ADFC-Vorstand Nils Larsen und Landesgeschäftsführer Konrad Krause keine sehr große Chancen aus, dass das Anliegen, das als Petition immerhin mehr als 5000 Un­terstützer fand, durch­kommen wird. Um­so eindrücklicher appellieren die ADFC-Mitglieder daher noch einmal an Rat und Verwaltung – und weisen zu­gleich die Befürchtung zu­rück, dass mit der Streichung der insgesamt 100 Stellflächen die Parkplatzsituation im Dresdner Stadtzentrum verschärft werden könnte.

Die Mitglieder vom ADFC haben dazu in den vergangenen Monaten das städtische Parkplatzinformationssystem ausgewertet. Ihr Er­geb­nis: Für das 2018 wies das System in 98,9 Prozent des Jahresverlaufs über 100 freie Stellplätze in umliegenden Parkhäusern aus. Praktisch dürften es sogar noch mehr sein, weil die An­­gebote, die nicht mit Informationssystem integriert sind, noch gar nicht mitgezählt wurden. Außerhalb einzelner Ta­ge des Striezelmarktes sind im Be­reich um die Prager Straße im­mer ausreichend Parkplätze verfügbar, so das Fazit vom ADFC.

„Es gibt an der St. Petersburger Straße kein Parkplatzproblem“, sagt Nils Larsen. Mit Blick auf die Gefahren für Radfahrer findet der ADFC-Vertreter klare Worte: „Tatsächlich“, so fügt er an, „werden in dieser Stadt Menschenleben gegen freie Parkplätze abgewogen.“ Die Bevorzugung des ruhenden Autoverkehrs ge­genüber der Si­cherheit von täglich mehreren Tausend Radfahrern sei als Begründung nicht akzeptabel. Der Zugewinn der Sicherheit für den Radverkehr ließe sich indes durch die Nutzung der umliegenden Parkhäuser ohne Einschränkungen für den Autoverkehr realisieren.

Von Sebastian Kositz

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