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Lokales Streit um Radwegebau an Albertstraße – Es geht um eine Sekunde
Dresden Lokales Streit um Radwegebau an Albertstraße – Es geht um eine Sekunde
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06:33 10.01.2019
Radeln an der Albertstraße, das ist derzeit alles andere als komfortabel. Nicht nur wegen des Schneematsches. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Eine Sekunde. Darum geht es im Streit um die Umgestaltung der Albertstraße. Eine Sekunde müssten laut einer Berechnung Autos durchschnittlich am Carolaplatz länger warten, wenn die Albertstraße eine ihrer vier Fahrspuren zugunsten ordentlicher Radverkehrsanlagen verlieren würde. Der längst beschlossene Ausbau, der im Frühjahr beginnen soll, wird nach dem Zerfall der rot-grün-roten Stadtratsmehrheit vom bürgerlichen Block aus CDU, FDP/FB und Bürgerfraktion in Frage gestellt. In einem Eilantrag fordern diese Fraktionen den Erhalt der Vierspurigkeit auf der Albertstraße.

Darum geht es

Die Albertstraße hat keine eigenen Radwege. Dabei gehört sie zur wichtigen Nord-Süd-Route. Obwohl die Bedingungen derzeit für Radler alles andere als rosig sind, seien dort „zwar nicht ganz so viele Radfahrer wie auf der Albertbrücke, aber sehr viele Radler unterwegs“, wie Straßen- und Tiefbauamtsleiter Reinhard Koettnitz sagt. Er geht davon aus, dass es noch mehr werden, sobald die Königsbrücker Straße saniert ist und dann ebenfalls über Radwege verfügt. Der motorisierte Verkehr lässt auf der Albertstraße dagegen beständig nach. Seit 2005 sei er um 40 Prozent auf rund 19 700 Autos am Tag zurückgegangen, sagt Verkehrsbürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne). „Die Prognosen zeigen, dass die Menge an Kraftfahrzeugen weiter abnimmt.

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Das ist geplant

Deshalb gibt es seit 2010 diese Idee: Eine Fahrspur für Autos macht ordentlichen Radwegen Platz. Damals brachte sie der Radlerverband ADFC in den Petitionsbeschluss ein, der im darauffolgenden Jahr einstimmig beschloss. Seither wurde geplant, geprüft und nun diese Variante gefunden: In Richtung Albertplatz verschwindet eine von derzeit zwei Fahrbahnen, in Richtung Carolaplatz ändert sich kaum etwas. Der Grund liegt am Carolaplatz: Dort gibt es derzeit zwei Spuren für Linksabbieger, eine für Geradeausfahrer und eine Spur für Rechtsabbieger sowie Geradeausfahrer. Da sich in der letzgenannten zumeist Rechtsabbieger in die Wigardstraße tummeln, meiden Geradeausfahrer diese Spur und konzentrieren sich auf die ausschließlich für die Geradeausfahrt gedachte. Das greifen die Planer auf und führen diese eine Spur einfach weiter. Aus der optionalen Geradeausspur wird eine reine Rechtsabbiegerspur. Das hat – so haben es Berechnungen gezeigt – maximal die erwähnte Sekunde Wartezeitplus zur Folge. Mehr nicht.

Das ist der Vorteil

Radwege lassen sich dadurch relativ einfach anordnen. Die Kosten sind mit geschätzt 530 000 Euro entsprechend moderat. Der Vorschlag, Radwege auf die Fußwege links und rechts der Albertstraße zu bringen, so wie von den Vierspurbefürwortern verlangt, lasse sich dagegen kaum verwirklichen, wie Bürgermeister Schmidt-Lamontain ausführt. Es fehle an Mindestbreiten. Außerdem müsste man dafür die Straße komplett umplanen, was lange Vorlaufzeiten und hohe Kosten nach sich ziehe.

Das sind die Probleme

Die treten an Albertplatz und Carolaplatz auf. „Das Einfädeln des Radverkehrs ist nicht leicht“, sagt Amtsleiter Koettnitz. Da die Mittellage der Straße verschoben wird, müssen an beiden Plätzen Borde und Fußgängerinseln versetzt werden. „Es gibt viele kleine Änderungen im Detail, die dafür sorgen, dass alles funktioniert“, sagt der Verkehrsbürgermeister.

So geht es weiter

Noch gibt es einen gültigen Baubeschluss. Die Ausschreibung war im zweiten Versuch erfolgreich, man habe fünf Bewerber, die sich größtenteils im Kostenrahmen bewegten, heißt es. Mitte Februar steht der Vergabebeschluss an, einen Monat später der Baubeginn. Wenn nicht die Stadtratsmehrheit anders entscheidet. Der Eilantrag der Vierspurbefürworter soll noch im Januar verhandelt werden. „Wir hoffen, dass wir sie noch umstimmen können“, sagt Schmidt-Lamontain. Die beklagten Nachteile für den Autoverkehr seien schließlich kaum spürbar.

Von Uwe Hofmann

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