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Lokales Im Lingnerschloss Dresden hängt der Haussegen schief
Dresden Lokales Im Lingnerschloss Dresden hängt der Haussegen schief
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10:11 10.04.2019
Das Lingnerschloss in Dresden blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück. Das Heute ist aber auch nicht ohne. Quelle: DNN-Archiv
Dresden

Seit 2002 saniert ein Förderverein das Lingnerschloss Dresden. Langsam nähert sich das ehrgeizige Projekt, das einst die Unternehmer Peter Lenk, Eberhard Reißmann und weitere Enthusiasten angestoßen hatten, dem Finale.

Doch kurz vor der Zielgeraden hängt der Haussegen im Schloss gewaltig schief. Die einstigen Partner haben sich hoffnungslos zerstritten. Eine Palastrevolte gegen Vereinschef Lenk ist nun allerdings gescheitert.

Für Dr. Peter Lenk, Chef des Fördervereins, ist die Schlosssanierung ein wichtiges Anliegen. Quelle: Dietrich Flechtner

Seine Gegner, die sich allerdings namentlich nicht zitieren lassen wollen, werfen Lenk das Gebaren eines feudalen Schlossherren vor. Andere Kritiker fordern ein professionelleres Finanzmanagement im Verein und Mitspracherechte für Fördermitglieder.

Eskaliert ist vor allem aber ein alter Streit um die Schlossgastronomie. Die hatte 2008 die „Lingnerschloss Gastronomiebetriebs GmbH“ (LGB) um Wirt Oliver Schlupp übernommen.

Die LGB zahlte damals die Miete für zehn Jahre vorab, damit der Verein am Schloss weiterbauen konnte. Im Gegenzug bekam Schlupp bis 2020 freie Miete für das Innenrestaurant „Lingnerterrassen“, Exklusiv-Catering für Schlossveranstaltungen und die Außengastronomie zugesagt.

Die Chemie stimmt nicht mehr

Die Probleme begannen, nachdem Schlupp ins Ausland ging und Lenk einen Ausschank bauen ließ. Der ursprüngliche Deal hatte vorgesehen, dass die LGB die Bergstation der Lingner-Seilbahn für den Außen-Ausschank bekommt.

Laut Lenk soll Schlupp diese Lösung aber bald als zu klein verworfen haben. Daraufhin habe man sich, so Lenk, zunächst auf ein provisorisches Bistrogebäude geeinigt, das später durch einen festen, größeren Ausschankbau abgelöst werden sollte.

Dieses Gebäude ersetzte eine Ausschankbaracke. Quelle: Anja Schneider

Und: Seit Schlupp weg ist, stimmt die „Chemie“ nicht mehr, hat Lenk andere LGB-Teilhaber als Verhandlungspartner. Dazu gehören sein einstiger Mitstreiter Reißmann sowie Carsten Dietmann, der den „DD+V“-Verlag leitet, der wiederum die „Sächsische Zeitung“ herausgibt.

Und die wollen von mündlichen Absprachen zwischen Lenk und Schlupp nichts wissen. Seitdem tobt der Streit, wer den neuen Ausschank bezahlt.

Lenk und der Verein verweisen auf die hohen Zusatzkosten im Vergleich zu der Bergstation-Lösung und wollen ihre Investition durch eine sechsprozentige Umsatzbeteiligung refinanzieren. Die LGB aber pocht auf die Gratismiete aus dem Ursprungsvertrag.

„Notfalls schieße ich weitere Privatdarlehen nach.“

Zwischenzeitlich schien ein Kompromiss möglich, nachdem drei neue Mitglieder in den Vereinsvorstand gewählt worden waren, die frischen Wind in die verhärteten Fronten zu bringen versuchten.

Die Verhandlungen um eine Umsatzmiete seien bereits recht weit gediehen gewesen, erzählt der damalige Finanzvorstand Walter Netter. Eine Lösung dränge auch, da die wirtschaftliche Lage des Vereins schwierig sei.

Ende März kam es jedoch zum Eklat: Der Unmut über Lenks Entscheidungen, der Ewigstreit um den Ausschank, das sinkende Spendenaufkommen – all dies eskalierte in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung und führte zum Versuch, den 80-jährigen Lenk zu entmachten.

Verein will an neuer Satzung arbeiten

Die Abwahl scheiterte indes. Statt dessen traten die drei neuen Vorstände zurück. Auch ein Rückzug des Großspenders GSK stand Anraten von dessen Vertreter Peter Schu zur Debatte.

Das Pharmaunternehmen erklärte auf DNN-Anfrage: „Wir prüfen unsere nächsten Schritte“. Schu werde aber „weiterhin die Interessen unseres Hauses im Förderverein vertreten“.

Der Verein will nun an einer neuen Satzung arbeiten, um einen Teil der Kritik auszuräumen. Dass das ganze Sanierungsprojekt und der Verein auf den letzten Metern noch den Bach heruntergehen könnte, hält Lenk aber für ausgeschlossen. „Das ist mein Kind“, sagt er über die Schlosssanierung. „Notfalls schieße ich weitere Privatdarlehen nach.“

Von Heiko Weckbrodt

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