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Lokales Stillstand der Städtebahn erntet Kritik und sorgt für Spekulationen
Dresden Lokales Stillstand der Städtebahn erntet Kritik und sorgt für Spekulationen
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13:47 25.07.2019
Die Städtebahn Sachsen steht derzeit still. Quelle: Peter Weckbrodt
Dresden

Seit Donnerstagmorgen stehen die Züge der Städtebahn still. Auf den Anzeigetafeln lesen die Reisenden den Hinweis „Ersatzlos gestrichen.“ In der Nacht zuvor versandte die Pressestelle der Städtebahn Sachsen eine Meldung über die sofortige Einstellung des Zugverkehrs. Mittlerweile rollen Ersatzbusse, organisiert vom Verkehrsverbund Oberelbe. Der plötzliche Komplettausfall trifft vor allem Pendler hart und erntet heftige Kritik.

Berufspendler hat es kalt erwischt

Vollkommen kalt erwischt hat es auch die Großröhrsdorferin Brita, die am Morgen zur Arbeit nach Dresden fahren wollte. „Ich hab mich gewundert, dass der Bahnsteig so leer ist, aber dann hab ich oben das Laufbahn auf der Anzeigetafel gesehen: ‚Zugverkehr ersatzlos eingestellt‘. Na super!“ Nach und nach seien weitere Fahrgäste gekommen und hätten ratlos dagestanden. „Zum Glück hat uns dann ein junger Mann mitgenommen, der eigentlich auch mit dem Zug nach Dresden fahren wollte, aber aufs Auto umsteigen konnte.“ Sie selbst hätte nicht gewusst, wie sie ihre Arbeitsstelle ohne Zug erreichen soll. Ihre Frau arbeite im Schichtdienst, erzählt Brita. „Es gibt doch ganz viele, die auf zuverlässige Zugverbindungen angewiesen sind!“

Auch Mitarbeiter scheint die Entscheidung überraschend getroffen zu haben. Ein Twitter-Nutzer sagt: „Ich muss dazu sagen, da ich Leihpersonal bin und nicht zur Städtebahn gehöre, kann es schon sein, dass sowas an mir vorbeigeht. Meine Chefin hat mich aber angerufen heute früh. Jedoch weiß sie leider auch nicht, was da los ist. Insolvent? Kündigung vom VVO?“

Verhalten der SBS erntet Kritik

Das Sächsische Wirtschaftsministerium (SMWA) äußerte sich empört via Twitter: „Wir teilen den Unmut der Kunden der Städtebahn: Es kann nicht sein, dass ohne Vorwarnung der Zugbetrieb eingestellt wurde. Wir erwarten, dass der Betreiber unverzüglich den Betrieb wieder aufnimmt.“

Berechtigte Bedenken kamen von Seiten des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs Sachsen: „Die sächsische Städtebahn stellt plötzlich ihren Betrieb auf unbestimmte Zeit ein. Ein Ersatzverkehr mit Bussen soll eingerichtet werden. Auch für Radreisende & Pendler, die auf die Fahrradmitnahme angewiesen sind, ein großes Problem.“

„Herber Rückschlag für den ländlichen Raum“

Pirnas Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke zeigte sich entrüstet: „Es kann nicht sein, dass ein Streit zwischen zwei Bahngesellschaften auf dem Rücken der Reisenden ausgetragen wird, die auf dieses Angebot angewiesen sind. So schaffen wir es nicht, die Menschen wieder mehr für Bus und Bahn zu begeistern und unsere Straßen vom Individualverkehr zu entlasten. Das ist ein herber Rückschlag für den ländlichen Raum. Die Bürger über Nacht über diese Entscheidung zu informieren, ist zudem alles andere als kundenfreundlich!“

Die Oberbürgermeister der Städte Pirna und Sebnitz hatten sich 2016 gemeinsam mit einer Interessengemeinschaft für den Erhalt der Strecke stark gemacht. Mehr als 9000 Unterschriften waren zusammengekommen.

„Vorgang durch nichts zu rechtfertigen“

„Die sofortige Einstellung des Verkehres ohne Frist und ohne jegliche Vorwarnung für Pendler und Urlauber ist ein unglaublicher Vorgang und durch nichts zu rechtfertigen“, zeigt sich auch Thomas Baum, Sprecher für Verkehrspolitik der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, empört. „Ich kann mich nicht erinnern, dass die Städtebahn bei uns im Landtag um Unterstützung gebeten hätte. Hier soll anscheinend von innerbetrieblichen Problemen abgelenkt werden“, so Baum weiter. Er fordert die Städtebahn Sachsen auf, den Fahrbetrieb sofort wieder aufzunehmen und ihren gültigen Vertrag mit dem Verkehrsverbund Oberelbe zu erfüllen.

In den sozialen Netzwerken wird geschimpft und spekuliert. Ein Nutzer auf Twitter sagt: „Es klingt auch plausibel, dass bei den Schäden ein kleines Unternehmen wie die Städtebahn von der großen DB aus Kostengründen in die Insolvenz getrieben wird. Was ich der SB vorwerfe ist die Art und Weise....“

Erreichbar ist die Sächsische Städtebahn derzeit nicht. Das Servicetelefon ist umgelegt auf die Hotline der VVO.

Von PS

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