Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Stasi-Ausweis von Wladimir Putin in Dresden aufgetaucht
Dresden Lokales Stasi-Ausweis von Wladimir Putin in Dresden aufgetaucht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:28 11.12.2018
Der Ausweis von Wladimir Putin bei der Stasi in Dresden ist aufgetaucht.
Der Ausweis von Wladimir Putin bei der Stasi in Dresden ist aufgetaucht. Quelle: BStU/DNN
Anzeige
Dresden

Überraschung in Dresden: In der Außenstelle des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen ist ein Stasi-Ausweis des heutigen russischen Präsidenten Wladimir Putin aufgetaucht. Auch verschiedene Fotos illustrieren den Aufenthalt des damaligen KGB-Mitarbeiters in der DDR.

Fotos aus den Stasi-Unterlagen zeigen Wladimir Putin bei einer Feierlichkeit mit Führungskräften der MfS-Bezirksverwaltung Dresden. Quelle: BStU

„Der Ausweis war ein bürokratischer Vorgang, um den Zugang zu Stasi-Objekten zu erleichtern“, erklärte Außenstellenleiter Konrad Felber gegenüber DNN. Er bestätigte damit einen Bericht der „Bild“-Zeitung über den Fund, widersprach aber einer Interpretation, dass Putin damit Stasi-Mitarbeiter oder gar inoffizieller Mitarbeiter der Stasi gewesen wäre.

Der Ausweis von Wladimir Putin bei der Stasi in Dresden ist aufgetaucht. Quelle: BStU/DNN

1985, also vor mehr als 30 Jahren, soll Putin nach Dresden gekommen sein. Er gehörte hier allen Erkenntnissen nach zur Mannschaft des sowjetischen Geheimdienstes KGB, der seine Residenz auf der Angelikastraße hatte, ganz in der Nähe der Stasi-Bezirksverwaltung auf der Bautzner Straße. Spätestens 1999, als Putin erstmals russischer Ministerpräsident und im Jahr darauf erstmals Präsident der ehemaligen Führungsmacht im sozialistischen Ostblock wurde, nahmen die Spekulationen über seine Rolle in Dresden Fahrt auf.

Dazu liefern die aktuellen Funde keine wesentlich neuen Erkenntnisse. Der Stasi-Ausweis, der am 31. Dezember 1985 ausgestellt wurde, ist bis Ende 1989 quartalsweise regelmäßig verlängert worden. Lediglich der Stempel für das vierte Quartal 1986 fehlt.

Das Dokument hat Scheckkarten-Größe und ist außen vollkommen schwarz. Zwischen dem Einband mit Kunstleder-Anmutung klemmen sechs Seiten. Auf allen prangt die Nummer B 217590. Putin hat offenbar mit lateinischer Schrift persönlich unterschrieben. Anfang November ist das Dokument in der Dresdner Außenstelle entdeckt worden gemeinsam mit sechs weiteren Ausweisen gleicher Machart für weitere Offiziere der damaligen Sowjetunion. Hinweise auf die konkrete Tätigkeit der Ausweisinhaber gibt es in den Dokumenten nicht.

Nach der Erstürmung der Bezirksverwaltung der Stasi in Dresden im Dezember 1989 hatten die MfS-Leute noch Zeit, in ihren Büros „aufzuräumen“. So wanderten die Ausweise in kleine Säckchen. Anfang 1990 kam das endgültige Aus für den DDR-Geheimdienst. Akten und Ausweise lagerten zunächst bis 1993 noch in den Zellen der Untersuchungshaftanstalt in der ehemaligen Bezirksverwaltung.

Beim Umzug des Aktenarchivs auf die Riesaer Straße in Dresden sichteten die Behördenmitarbeiter die kleineren Säcke kurz. Da es sich bei dem Material der Abteilung „Kader und Schulung“, der bürokratischen Mitarbeiterverwaltung des MfS, aber weder um Opfer- noch um Täterakten handelte, hatte das Material bei der Erschließung durch die Archiv-Experten zunächst keine Priorität. Bei 8,5 Kilometer Aktenmaterial und 1100 großen Säcken mit zerrissenem Aktenmaterial mussten Schwerpunkte gesetzt werden.

Heute sind 95 Prozent des Aktenbestandes erschlossen und die Archivare können sich auch dem zunächst zurückgestellten Material widmen. Dabei kamen die Ausweise zum Vorschein.

Der Ausweis trägt eine Unterschrift „Wladimir Putin“. Quelle: BStU/DNN

Laut Felber bedeutet der Ausweis jedoch nicht, dass Putin für die Stasi gearbeitet hat. „Das diente nur dem leichteren Zugang zu den Objekten der Stasi.“ Außerdem sei er als Legende nutzbar gewesen für den Fall, dass Putin, irgendjemanden in der DDR kontaktieren wollte. Er habe sich dann als MfS-Mitarbeiter ausweisen können. Zudem sei gut vorstellbar, dass der Ausweis auch dazu dienen konnte, einen Volkspolizisten einzuschüchtern, wenn Putin – der allerdings nie viel getrunken haben soll – nach dem Besuch einer Dresdner Kneipe gestoppt worden wäre.

Die Pressestelle des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen ergänzte, es sei übliche Praxis beim DDR-Ministerium für Staatssicherheit gewesen, die Verbindungsoffiziere des russischen Geheimdienstes KGB und die ihnen untergeordneten Offiziere wie Putin mit Hausausweisen der zuständigen MfS-Dienststelle auszustatten. Dies sei am 29. März 1978 von Minister für Staatssicherheit Erich Mielke und dem KGB-Vorsitzenden Juri Andropow in einem Protokoll über die Zusammenarbeit der Geheimdienste schriftlich verankert worden.

Putin wohnte in Dresden in einer Plattenbau-Wohnung an der Radeberger Straße, war Ende 1988 Parteisekretär beim KGB in Dresden. Heute ranken sich Vermutung um Putin, der mit einer Deutschlehrerin verheiratet war und die Sprache fließend spricht. Er habe in der DDR als Mann der Perestroika von Michael Gorbatschow den Weg bereiten sollen oder wollen für eine Zeit nach den alten Kadern um Erich Honecker und Erich Mielke. Putin habe angeblich zur hochkonspirativen Spionageorganisation „Lutsch“ (russ: Strahl) gehört, heißt es. Seit Mitte der 80er Jahre soll sie versucht haben, Führungskräfte aus der DDR für den KGB zu gewinnen. Selbst der Stasi sei diese Truppe unbekannt gewesen.

Das könnte natürlich erklären, warum sich davon nichts in den Akten der Staatssicherheit findet. Lediglich etwa 40 Aktenblätter gibt es über Wladimir Putin in den Archiven der Stasi-Unterlagenbehörde. Das den DNN vorliegende Material lässt nicht erkennen, dass der KGB-Offizier damals eine ganz besondere Mission erfüllen sollte.

Von Ingolf Pleil

Lokales Sexuelle Nötigung in zehn Fällen - „Grapscher-Prozess“: Angeklagter schweigt weiter
11.12.2018