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Lokales Start für Unischule steht vor dem Scheitern
Dresden Lokales Start für Unischule steht vor dem Scheitern
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17:31 17.03.2018
Für die Unischule haben sich zu wenig Schüler gemeldet. Quelle: dpa
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Dresden

Dem geplanten Schulversuch „Universitätsschule“ der TU Dresden droht ein schwerer Rückschlag. Der Starttermin zum Beginn des Schuljahres 2018/19 im Sommer könnte platzen. Am 13. August soll das Projekt starten. Doch nach den ernüchternden Anmeldezahlen bekennt sich derzeit niemand klar zu diesem Termin.

Anfang März konnten Eltern ihre Kinder für die Schule anmelden. Die TU Dresden will damit völlig neue Bildungsmethoden erforschen. Es ist ein Grundschul- und ein Oberschulbereich geplant. Der Unterricht soll auf den Lernfortschritt der Kinder individuell abgestimmt werden. Auch die Abläufe sollen sich grundsätzlich von herkömmlichen Schulen unterscheiden. So soll es keine Klassen geben und statt fester Ferientermine sind individuelle Urlaubstage vorgesehen. Die Kinder sollen jahrgangsübergreifend unterrichtet werden. Ein Schwerpunkt ist die Digitalisierung der Prozesse. Die Gründung der Universitätsschule ist am Standort der 101. Oberschule an der Pfotenhauerstraße in Dresden-Johannstadt geplant.

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Stadt verweist auf Land

Mit zwei Klassen in der 1. und einer in der 2. sowie zwei 5. und einer 6. Jahrgangsstufe will die Schule starten, hieß es bei einem Elternabend Ende Februar. Für die 1. und 2. Klasse gab es jeweils nur 14 Anmeldungen, für die Klassen 5 und 6 sind 14 beziehungsweise 15 Kinder angemeldet worden. Mit insgesamt 57 Anmeldungen blieben die Zahlen deutlich unter den Erwartungen. Dem Vernehmen nach waren sowohl für die Grundschule als auch für die Oberschule jeweils etwa 60 Kinder angestrebt worden.

Nun herrscht allgemein Unklarheit über den weiteren Kurs. Die Stadtverwaltung verwies auf DNN-Anfrage an das Landesamt für Schule und Bildung (LASUB) sowie das sächsische Kultusministerium. „Dort muss entschieden werden, ob die Schule überhaupt unter den aktuellen Anmeldezahlen gegründet werden kann – dann können weitere Fragen geklärt werden“, erklärte Karl Schuricht für die Stadt.

Fragen zum Standort

TU Dresden, Stadt Dresden und das Landesamt für Schule und Bildung prüfen derzeit, wie ein Start der Universitätsschule zum nächsten Schuljahr angesichts der vorliegenden Anmeldezahlen realisiert werden kann“, erklärte Dirk Reelfs, Sprecher von Kultusminister Christian Piwarz (CDU) gegenüber DNN. Dazu gehörten die Umsetzung des Konzeptes ebenso wie Fragen zu den Räumlichkeiten und dem Standort, fügte er hinzu. Alle Beteiligten seien sich einig, dass die Entscheidung im Interesse der Schülerinnen und Schüler sorgfältig abgewogen werden müsse.

„Wir sind überrascht von den geringen Anmeldezahlen und bedauern sehr, dass sich nicht mehr Familien für die Universitätsschule Dresden entschieden haben“, zeigte sich die für das Projekt zuständige TU-Professorin Anke Langner enttäuscht. „Noch ist keine endgültige Entscheidung über den Start der Universitätsschule gefallen“, stellte sie fest. Alle Beteiligten – TU Dresden, LASUB und Landeshauptstadt – blieben weiter im Gespräch.

Ist Konzept derzeit umsetzbar?

Dabei sind die Anmeldezahlen für sich genommen wohl eher Nebensache. Bei einem Schulversuch dürfte sich kaum jemand an übliche Vorgaben klammern. Doch die Zahlen geben offenbar Anlass, verschiedene Probleme zu diskutieren. So hatte Schulamtschef Falk Schmidtgen schon beim Elternabend im Februar erklärt, die Unischule könnte in einigen Jahren die Oberschule vom Standort verdrängen (DNN berichteten). Das verstärkt die seit langem herrschende Unruhe unter Schülern, Eltern und Lehrer, die auch die 102. Grundschule in der Nachbarschaft einschließt. Ist es wirklich der richtige Standort?

Problematisch ist offenbar auch die soziale Zusammensetzung der bisherigen Anmeldungen. Die TU will keine Eliteschule schaffen, aber eine Auswahl von Schülern aus allen Schichten der Stadt zusammenstellen. Dafür wurde ein stadtweiter Grundschulbezirk geschaffen. Doch jetzt gibt es offenbar reichlich Anmeldungen von Schülern einer existenzgefährdeten freien Schule, von Kindern, die eine Klassenstufe wiederholen sollen, und von Schülern mit besonderem Förderbedarf. Ist damit eine Auswahl im Sinne des Konzepts noch möglich? In einer Arbeitsgruppe aus Stadt, Universität und Freistaat rauchen dazu die Köpfe. Offen ist, ob womöglich noch eine Debatte über die Trägerschaft der Stadt entbrennt.

Von Ingolf Pleil