Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Geheimplan: Dieser Manager soll das Städtische Klinikum Dresden retten
Dresden Lokales Geheimplan: Dieser Manager soll das Städtische Klinikum Dresden retten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
09:09 06.03.2020
Das Städtische Klinikum am Standort Friedrichstadt. Quelle: Archiv
Anzeige
Dresden

Unter dem Stichwort „Klinikleitung“ des Städtischen Klinikums Dresden ist im Internet zu lesen: Jürgen Richter, Kaufmännischer Direktor. Hinter den Kulissen hat das Rathaus längst einen Nachfolger für den Manager, dessen Vertrag noch bis Ende des Jahres läuft, gesucht. Und ist fündig geworden. In einer geheimen Unterlage soll dem Stadtrat der Klinikmanager Marcus Polle als neuer Kaufmännischer Direktor des Städtischen Klinikums vorgeschlagen werden.

Sollte sich der Stadtrat für diesen Personalvorschlag aussprechen, dann steht Polle vor einer gewaltigen Aufgabe: Das Klinikum, zu dem die Krankenhäuser Friedrichstadt und Dresden-Neustadt gehören, steckt in einer tiefen finanziellen und strukturellen Krise.

Anzeige
Marcus Polle soll das Städtische Klinikum aus der Krise führen Quelle: PR

Ein Gutachten der Betriebswirtschaftsexperten von Ernst & Young ist zu teilweise ernüchternden Urteilen gekommen. Dringend notwendige Entscheidungen würden im Klinikum verzögert umgesetzt oder boykottiert, heißt es wortwörtlich, es herrsche das Denken vor: Die Stadt werde die Verluste schon ausgleichen.

Minus für das Jahr 2019 beträgt um die 12 Millionen Euro

Verluste hat das Klinikum in den vergangenen Jahren in Millionenhöhe angehäuft. Allein für das Jahr 2019 wird ein zweistelliger Betrag herauskommen, wie erste belastbare Prognosen verdeutlichen. Um die 12 Millionen Euro wird das Minus betragen, eine kurzfristige Besserung ist nicht in Sicht. Ernst & Young soll jetzt ein Betriebskonzept erarbeiten, das wirtschaftlich tragfähig ist.

Der 53-jährige Polle hat Betriebswirtschaftslehre studiert und 2003 zum ersten Mal die kaufmännische Verantwortung für ein Krankenhaus in Paderborn übernommen. Der Manager kennt sich auch in Dresden bestens aus – 2006 wurde er zum Geschäftsführer des Herzzentrums Dresden ernannt. Polle war auch Geschäftsführer des Sana Herzzentrums Cottbus, des Evangelischen Krankenhauses in Oberhausen und der Kliniken des Landkreises Sigmaringen.

Beruflicher Aufstieg – bis zum Posten in Berlin

Zum 1. Januar 2017 wurde Marcus Polle Verwaltungsdirektor des Deutschen Herzzentrums in Berlin. Bei seiner Berufung wurden seine Erfahrungen bei der Verbindung von Krankenversorgung, Forschung und Lehre hervorgehoben, aber auch die Fähigkeit zur Zusammenarbeit mit den politischen Instanzen. Genau diese wird Polle an der Spitze des größten kommunalen Krankenhauses in Sachsen brauchen, so er denn zum Kaufmännischen Direktor berufen werden sollte. Das Städtische Klinikum ist ein städtischer Eigenbetrieb und Aufsichtsgremium der Ausschuss für Gesundheit – besetzt mit Mitgliedern des Stadtrats.

Für Polle ging es beruflich immer voran – bis er nach Berlin kam. Dort wurde er nach einem Konflikt mit dem Finanzsenator entlassen, wie der Tagesspiegel schreibt. Es habe heftige interne Auseinandersetzungen über die Finanzierung des neuen Universitären Herzzentrums Berlin gegeben, heißt es in einem Artikel vom Juni 2019. Polle habe sich mit Kollegen angelegt und die geplante Neuordnung des Herzzentrums nur zögerlich unterstützt.

Lesen Sie auch

Von Thomas Baumann-Hartwig

Wer wird neuer Bildungsbürgermeister? Am Freitag veröffentlicht die Stadt die Stellenausschreibung für den Posten. Das hat der Stadtrat am Donnerstag beschlossen. Gestritten wurde um viel größere Zusammenhänge. Und das heftig.

05.03.2020

An vielen Dresdner Hauswänden sind kleine Eisen-Rosetten zu finden. Deren Aufgabe ist längst in Vergessenheit geraten. Matthias Schanzenbach kennt deren Geschichte.

05.03.2020

Die Situation an der türkischen Grenze hat sich ebenso zugespitzt wie auf den griechischen Inseln. Tausende Asylbewerber wollen in die Europäische Union gelangen. Dresden müsse sich auf die Aufnahme von Flüchtlingen vorbereiten, so die Linken.

05.03.2020