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Lokales Stadtwerke-Chef: Trinkwassernetz im Dresdner Norden ist am Limit
Dresden Lokales Stadtwerke-Chef: Trinkwassernetz im Dresdner Norden ist am Limit
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08:58 22.06.2019
René Schurig lässt es sprudeln. Im Zuge der Arbeiten an der Ecke Radeburger Straße/Wilschdorfer Landstraße spült er eine Trinkwasserleitung. Quelle: Fotos: Dietrich Flechtner
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Dresden

Der Dresdner Norden boomt. Neben Häuslebauern sorgen dort vor allem Unternehmensansiedlungen für Zuwächse – und bringen die Infrastruktur ans Limit. „Das Trinkwassernetz ist mit den Großverbrauchern wie Globalfoundries, Infineon, Flughafen Dresden, X-FAB, den Fraunhofer-Instituten sowie den Ortsteilen Klotzsche, Weixdorf und Langebrück an seiner Leistungsgrenze angelangt“, sagt Gerd Kaulfuß, Geschäftsführer bei der Stadtwerke-Tochter Drewag-Netz. Da sich mit Bosch gerade der nächste Großabnehmer an der Wilschdorfer Landstraße ansiedelt, besteht Handlungsbedarf.

Deshalb verlegen Arbeiter im Auftrag der Drewag Netz nun bis Ende 2021 rund 4,5 Kilometer Rohrleitungen in Klotzsche, die bis zu einem halben Meter Durchmesser haben. Fließen derzeit stündlich 930 Kubikmeter Wasser durch die Leitungen, sind es nach dem Ausbau reichlich 1500 Kubikmeter. Das Plus an Trinkwasser würde genügen, um jede Stunde 3000 Badewannen zu füllen – eine gewaltige Menge. Die ist allerdings nötig, da gerade die im Dresdner Norden angesiedelte Mikroelektronik und Nanotechnologie große Mengen Wasser verbraucht. „Wir orientieren uns am Bedarf, schaffen aber auch einen Puffer“, sagt Robert Franke, der das Amt für Wirtschaftsförderung leitet.

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In Rähnitz wächst die Bosch-Ansiedlung. Sie ist einer der Gründe für den Leidungsausbau im Dresdner Norden. Quelle: Dietrich Flechtner

5,6 Millionen Euro kostet der Ausbau, von denen 3,9 Millionen Euro der Freistaat und 1,7 Millionen Euro die Stadt bezahlt. Gut angelegtes Geld, wenn man Franke fragt. Bei Wirtschaftsansiedlungen gehe es eben nicht nur um die passende Fläche, sondern auch um die Infrastruktur. „Deshalb bauen wir jetzt hier Trinkwasserleitungen.“

Wobei die Vorarbeiten bereits im vergangenen Jahr begannen. In der Radeburger Straße und der Hellerstraße wurden neue Leitungen verlegt, aktuell wird an einer Leitung gebaut, die einen Bogen von der Ludwig-Kossuth-Straße in die Straße Am Torfmoor schlägt. Hauptbaustrecke ist allerdings die Wilschdorfer Landstraße. Dort wurde in den letzten Tagen an der Kreuzung mit der Radeburger Straße ein großes Schieberkreuz installiert. Das war nötig, um die bestehende Leitung von der neu zu bauenden in Richtung Hermann-Reichelt-Straße und der 2021 geplanten in Richtung Globalfoundries an der Wilschdorfer Landsstraße zu trennen. „Wir können dann bauen, ohne die Versorgung hier oben zu beeinflussen“, sagt Drewag-Netz-Geschäftsführer Kaulfuß. Außerdem würden Redundanzen, also parallel laufende Leitungen geschaffen, die im Havariefall kompletten Leitungsstörungen entgegenwirken.

Auch wenn der Leitungsbau die gesamte Versorgungssicherheit von Wilschdorf bis Schönfeld-Weißig zum Ziel hat, ist er doch vor allem auf die Unternehmensansiedlungen ausgerichtet. Deshalb sind die Anschlüsse zu den noch zu bauenden Leitungen etwa im Bosch-Gelände schon gelegt. „Wir wollen für so geringe Einschränkungen wie nötig sorgen“, sagt Amtsleiter Franke. Dem Wirtschaftsförderer kommt dabei auch die kommissarische Verantwortung für das Straßen- und Tiefbauamt zugute. Durch dendirekten Zugriff lasse sich viel besser planen, so dass nicht zeitgleich zwei Verbindungen in derselben Richtung durch den Leitungsbau gesperrt werden. Die Unterquerung der Wilschdorfer Landstraße und der Autobahn 4 sind dennoch Knackpunkte des Vorhabens.

Darüber hinaus baut die Drewag auch anderswo weitere Trinkwasseranlagen aus. Geplant sind Erweiterungen in der Anlage Hochbehälter Nord und Anpassungen im Pumpwerk Pillnitz-Moritzburger Weg. Zudem wird der Hochbehälter Hosterwitz – der sich anders als der Name vermuten lässt am Fischhaus befindet – zur Versorgung von Dresden-Nord angepasst. Außerdem wird in die Strom- und Gasversorgung investiert. Unter anderem hat die Drewag an der Wilschdorfer Landstraße ein neues Umspannwerk errichtet und im Karree Rähnitzer Allee, Knappsdorfer Straße, Am Ehrlichtberg neue Gas-Hochdruckleitungen verlegt.

Von Uwe Hofmann