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Lokales Stadträte fordern Sanierung des Berufschulzentrums Altroßthal
Dresden Lokales Stadträte fordern Sanierung des Berufschulzentrums Altroßthal
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08:17 21.12.2018
Eine Studie soll zeigen, wie das Schloss künftig genutzt werden kann. Als BSZ kommt es dauerhaft nicht mehr in Frage. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Kaum ist der städtische Haushalt für die nächsten beiden Jahre beschlossen, gibt es auch schon die ersten Änderungswünsche. „Wir wollen, dass die Stadt sich zum Standort des Beruflichen Schulzentrums für Agrarwirtschaft und Ernährung in Altroßthal bekennt und mit der Sanierung beginnt“, sagt Dana Frohwieser. Die von ihr geführte SPD-Stadtratsfraktion hat gemeinsam mit Linken und Grünen einen Antrag eingebracht, der einen Sanierungsbeginn im baufälligen Schulkomplex in Naußlitz bis spätestens 2020 fordert. Die Stadt sei lange genug untätig gewesen, sagt Anja Apel (Linke).

Rückblende: Vor sechs Jahren wollte das Schulverwaltungsamt den BSZ-Außenstandort in Altroßthal, wo vor allem grüne Berufe unterrichtet werden, schließen. Begründet wurde das damals schon mit der Baufälligkeit der Gebäude. 2012 sorgten Proteste der Lehrer und Schüler sowie ein einmütiger Stadtratsbeschluss dafür, das aus diesen Plänen nichts wurde. Getan habe man seither das Nötigste und den Brandschutz erneuert, um überhaupt den Schulbetrieb aufrecht zu erhalten, sagt Apel. So gehe es nicht weiter.

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Vor allem zwei Probleme drücken die Schule: Die Turnhalle, 1967 in einem ehemaligen Kuhstall eingerichtet, sei für den Unterricht mehr als ungeeignet, sagt Frohwieser. Dazu kommt, dass die oberen Geschosse desselben Gebäudes derzeit gesperrt sind und einer Asbestsanierung harren. Die Klassenräume im derzeit von der Schule genutzten Schloss entsprechen ebenfalls nicht mehr den Anforderungen. Daran könnten auch Umbauten wenig ändern. Die Schulleitung sehe keine Möglichkeit, das Schloss als Unterrichtsgebäude zu erhalten. Also bräuchte man ein neues Schulgebäude.

Beides sieht Rot-Grün-Rot auf dem Schulgelände. Dort steht eine große Scheune, die derzeit als Lager für Schulmöbel dient und sich zur Turnhalle umnutzen ließe. „Dafür gibt es auch Pläne im Schulverwaltungsamt, die dem Kollegium bereits vorgestellt worden sind“, sagt Frohwieser. Demnach würde der Umbau zwei Millionen Euro kosten. Auf Nachfrage im Schulverwaltungsamt sei zu hören gewesen, dass diese Pläne noch nicht weit gediehen seien. Wie der Stand nun ist, will Frohwieser nun durch eine Anfrage bei Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) herausbekommen.

In einem weiteren Schritt sollen die derzeitige Turnhalle mit den darüberliegenden Räumen saniert werden, sobald die neue steht. Das soll noch einmal neun Millionen Euro kosten. Die Schule habe signalisiert, dass die Räume im ehemaligen Stallgebäude fürs erste ausreichen dürften, so Frohwieser. Außerdem soll eine Erweiterung auf eigenem Grundstück geprüft werden. Im Schulverwaltungsamt will man den Platz auf dem Gelände offenbar mit Leichtbauhallen bebauen, die als Lager genutzt werden sollen. Dem soll dieser Vorstoß entgegenwirken. Zudem könnten die Container, in denen derzeit die Floristen unterrichtet werden, eine Auffrischung und ansprechendere Gestaltung vertragen, so die SPD-Fraktionschefin. Sie hoffe aus Zustimmung aus anderen Fraktionen, von denen zum Beispiel auch die CDU sich mehr Aktivitäten in Altroßthal wünscht. Doch woher das benötigte Geld nehmen?

„Geld für den Schulhausbau ist da“, sagt Frohwieser. Sie verweist auf Spielräume im Haushalt. So ist dort der Neubau 150. Oberschule an der Freiberger Straße mit mehr als 50 Millionen Euro Budget vorgesehen, obwohl die Stadträte einmal Baukosten von 37 Millionen Euro beschlossen haben. Frohwieser hält das für eine versteckte Reserve, die sich anzapfen lasse. Allerdings trägt sich Bildungsbürgermeister Hartmut Vorjohann (CDU) mit dem Plan, an der Freiberger Straße auch ein Gymnasium zu bauen – was der Stadtrat allerdings bisher abgelehnt hat. Um diesen Punkt müsste also noch eine Debatte geführt werden.

Was die Finanzlage in Sachen Schulhausbau in jedem Fall verbessert, ist ein Geldgeschenk des Freistaats. Von 310 Millionen Euro für den Ausbau von Bildungsstätten in den kreisfreien Städten, die das Land in den nächsten zwei Jahren überweisen will, fallen laut Frohwieser rund 102 Millionen Euro auf Dresden. Außerdem will der Freistaat die Fördersätze für Schulhausbau von derzeit 40 Prozent auf bis zu 60 Prozent hochsetzen.

„Das Geld spielt nicht die Rolle, es geht um ein Bekenntnis zum Standort“, betont Frohwieser. Und das fehle bisher, obwohl die Lage für die Ausbildung grüner Berufe ideal sei, wie Grünen-Stadträtin Ulrike Caspary sagt. „Altroßthal ist gut an den ÖPNV angebunden und liegt dennoch im Grünen, weshalb sich zum Beispiel zwischen dem Ausbildungsgang für Pferdewirte und einem nahen Pferdehof eine Zusammenarbeit entwickelt hat.“ Außerdem leiste die Schule hervorragende Arbeit, sei erst 2018 mit einem Preis für ihren „Garten der Nachhaltigkeit“ mit dem Sächsischen Schulpreis ausgezeichnet worden.

Beim Schulverwaltungsamt verweise man auf die eigene Untätigkeit angesprochen auf den Schulnetzplan des Landes, dessen Abschluss allerdings auf das Jahr 2020 verschoben ist, sagt Frohwieser. So lange wolle sie nicht warten und für die Landespolitik sichtbar in Altroßthal anfangen. In einem zweiten Schritt solle dann ein Umgang mit dem nach der Sanierung nicht mehr benötigtem Schloss gefunden werden. Dafür wird im Antrag ein Nutzungskonzept bis Ende April 2019 gefordert. Bisher werde vom Verkauf ausgegangen, aber man solle doch zuvor einen Verbleib im städtischen Besitz und eine Nutzung für kulturelle oder soziale Zwecke prüfen, sagt Apel.

Von Uwe Hofmann