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Lokales Stadt plant 300 Hektar großen Grünzug zwischen Prohlis und Elbe
Dresden Lokales Stadt plant 300 Hektar großen Grünzug zwischen Prohlis und Elbe
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10:55 25.04.2019
Wiese, wohin das Auge schaut: Bei Tolkewitz gibt es entlang des Bachs viel Platz für neue Ideen. Quelle: Anja Schneider
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Dresden

Noch ist alles nur eine große Vision – doch schon bald könnten die Pläne aus dem Rathaus konkrete Züge annehmen: Das Stadtplanungsamt und das Umweltamt wollen von Prohlis bis zur Elbe entlang des Geberbachs und Niedersedlitzer Flutgrabens ein mehr als vier Kilometer langes Natur- und Er­holungsgebiet schaffen. Ein Projekt, hinter dem ganz verschiedene Interessen stecken und von dem ne­ben den Menschen im Dresdner Südosten sogar die Wirtschaft profitieren soll. Die DNN erklären, was die Stadt vor hat und wie die Bürger sogar konkret mitreden können.

Die Idee: Ein blaues Band von Prohlis bis zur Elbe

Gegenwärtig plätschert das Wasser des Geberbachs, der ab der Dohnaer Straße Prohliser Landgraben ge­nannt wird und anschließend in den Niedersedlitzer Flutgraben mündet, noch wenig romantisch erst un­terirdisch durch Rohre und später durch einen künstlich gezogenen Ka­nal in Richtung Elbe. Das will die Stadt ändern, hat dazu das Projekt „Blaues Band Geberbach“ ins Le­ben gerufen.

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Der Bach soll renaturiert werden, also wieder in einen naturnahen Zustand versetzt werden. Und: Ringsherum soll ein von Prohlis durchgehender Grünzug mit Rad- und Fußwegen und vielen Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten entstehen – ei­ne immerhin mehr als 300 Hektar große Grünschneise, die perspektivisch auch die Kiesseen in Leuben mit einbinden soll.

Lageplan: Rehwaldt LA

Die Ziele: Stadtentwicklung, Flutschutz und Gewerbeflächen

Der durchgehende Grünzug ist die große Vision, mit der die Verantwortlichen von der Stadt eine ganze Reihe von Problemen in den Griff kriegen wollen. Da geht es einerseits um den Flutschutz. Gerade da, wo der Bach durch Rohre fließt, war es bei Hochwassern im­mer wieder zu enormen Schäden ge­kommen, wie Jens Olaf Seifert vom Umweltamt den dringenden Handlungsbedarf betont.

Zugleich ist aber auch eine Chance, Prohlis besser anzubinden – und die Aufenthaltsqualität für die Menschen in den angrenzenden Stadtteilen wie Tolkewitz oder Seidnitz zu verbessern, sagt Thomas Pieper vom Stadtplanungsamt. Dabei gehe es um Sitz- oder Spielgelegenheiten – aber auch um größere Ideen, wie etwa den alten Dobritzer Dorfkern. Sogar neue Kleingärten sind denkbar.

Im Hinterkopf haben die Experten zudem die Wirtschaft. Denn weil viele Be­reiche im Umfeld als Hochwassergebiet gelten, können dort keine neuen Flächen für kleines oder mittelgroßes Gewerbe er­schlossen werden. Nicht zuletzt hat das Vorhaben einen ökologischen Aspekt: Ein na­turnaher Bach bietet bessere Lebensbedingungen, zugleich werde das Stadtklima durch von Gehölzen be­schattete Flächen verbessert.

Die Kosten: Stadt will verschiedene Fördertöpfe anzapfen

Rund 17 Millionen Euro, so die ge­genwärtigen Berechnungen, wird das Vorhaben unterm Strich kosten. Viel Geld, von dem sich die Stadt ei­nen großen Teil von Bund und Land holen möchte. Angezapft werden sollen verschiedene Töpfe – für die Stadtentwicklung, für Radwege, für den Wasserbau oder sogar die Wirtschaftsförderung. Zwölfeinhalbmillionen Euro könnten so fließen. Den Rest muss die Stadt aus eigener Tasche aufbringen.

Verzögerungen wie beim Südpark, dessen Umsetzung hakt, weil kein Geld im aktuellen Haushalt eingeplant ist, fürchten die Verantwortlichen nicht. Bei den Eigenmitteln sei die Verwaltung durchaus aber auch auf die Mitwirkung des Stadtrats angewiesen, erklärt Thomas Pieper.

Katja Schumann vom Umweltamt und Franziska Wende vom Stadtplanungsamt sind an den Planungen beteiligt. Quelle: Anja Schneider

Der Zeitplan: Zehn Jahre bis zur kompletten Umsetzung

Den entsprechenden Beschluss für das Vorhaben hat der Stadtrat be­reits vor mehr als einem Jahr ge­fasst. Gegenwärtig wird das europaweite Vergabeverfahren für die Planungsleistungen durchgeführt. Liegen dann die fertigen Planungen auf den Tisch, sollen die einzelnen Vorhaben nach und nach um­gesetzt werden. Der Start der Ar­beiten, um den Bach aus seinem engen unterirdischen Korsett zu be­freien, sei laut Jens Olaf Seifert in vier bis fünf Jahren realistisch. Zu­vor könnten aber schon Vorarbeiten, wie etwa das Anlegen von Mulden, erfolgen. Die Planer gehen da­von aus, dass der Grünzug in zehn Jahren komplett fertig ist.

Die Bürgerbeteiligung: Die Menschen dürfen aktiv mitreden

Unter dem Motto „Wecke den Ge­stalter in Dir!“ hat die Stadt jetzt ei­ne Bürgerbefragung gestartet. Im In­ternet, aber auch in den drei zu­ständigen Stadtbezirksämtern sind dazu bis Mitte Juli Fragebögen er­hältlich. Darüber hinaus sind Interviewer des Landschaftsforschungszentrums in den Stadtteilen unterwegs. Spielplätze, Sitzgelegenheiten oder Grillstellen – die Teilneh­mer können ganz konkrete Vor­schläge machen, sagt Katja Schu­mann vom Umweltamt, die an dem Vorhaben mitarbeitet.

Die Ergebnisse fließen dann in die weiteren Planungen ein. „Die Bürger haben die Möglichkeit, ak­tiv an der Ge­staltung ihrer Umwelt mitzuwirken. Das ist eine Chance, die Stadt grün und nachhaltig zu gestalten“, wirbt Jens Olaf Seifert um Beteiligung.

dresden.de/blauesband

Von Sebastian Kositz