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Lokales Sozialwohnungen statt Altenheim
Dresden Lokales Sozialwohnungen statt Altenheim
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09:57 21.08.2018
Beschmiert und zu großen Teilen ungenutzt: Im ehemaligen Altenheim Anton Saefkow könnten Sozialwohnungen entstehen. Quelle: Foto: Anja Schneider
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Dresden.

Neues Konzept für die drei Gebäuderiegel an der Parkstraße direkt gegenüber vom Blüherpark: Die neue städtische Wohnungsbaugesellschaft „Wohnen in Dresden“ (WiD) will die Gebäude übernehmen, sanieren und zu Wohnhäusern umbauen. Das erklärte WiD-Geschäftsführer Steffen Jäckel auf Anfrage der DNN. In den drei Blöcken könnten ungefähr 130 Sozialwohnungen entstehen.

„Die Bausubstanz ist erstaunlich gut. Wir haben eine Mittelgangerschließung vorgefunden, diese Struktur ist für den Wohnungsbau ideal“, so der WiD-Geschäftsführer. Der Gebäudekomplex wurde von 1959 bis 1960 an der Bürgerwiese errichtet. Die Entwürfe dafür stammten unter anderem auch von Wolfgang Hänsch, dem bekanntesten Architekten der Dresdner Nachkriegsmoderne. Der Komplex beherbergte das erste Dresdner Altenheim, das nach dem Zweiten Weltkrieg neu errichtet wurde. In den drei Häusern wurden 452 Betten untergebracht, das Heim in der Seevorstadt Ost erhielt den Namen des kommunistischen Widerstandskämpfers Anton Saefkow. Die einzelnen Gebäude waren durch Gänge mit Pergola verbunden.

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Der Wille ist auf beiden Seiten vorhanden

Nach 1990 übernahm das Unternehmen Alloheim den Gebäudekomplex von der Landeshauptstadt Dresden in Erbbaurecht. Doch die räumlichen Gegebenheiten waren mit fortschreitender Zeit mit den Ansprüchen an eine moderne Pflegeeinrichtung nicht mehr vereinbar. Anfang 2006 zogen die ersten Bewohner in einen Neubau in unmittelbarer Nähe. Zwei der alten Gebäude stehen seitdem leer. An ihnen toben sich seit Jahren nur noch Graffitisprüher aus. Im Zuge der Flüchtlingskrise 2015 waren die leerstehenden Häuser kurzzeitig als Asylbewerberunterkunft im Gespräch, diese Pläne wurden aber verworfen.

Seit mehreren Monaten verhandelt die Landeshauptstadt mit Alloheim über eine Auflösung des Erbaurechts. „Es stoßen zwei Interessenlagen perfekt aufeinander“, so Jäckel, allerdings seien noch einige rechtliche Fragen zu klären. Der Wille, zu einem Ergebnis zu kommen, sei auf beiden Seiten vorhanden. „Wir sind sehr zuversichtlich.“

Sollte der Übergang der Gebäude an die Stadt gelingen, könnte die WiD mit der Sanierung und dem Umbau Neuland betreten. Bisher hat sich die städtische Gesellschaft auf den Neubau von Sozialwohnungen konzentriert und wird in wenigen Wochen die ersten Vorhaben starten. Der Umbau des ehemaligen Altenheim-Komplexes zu Wohngebäuden wäre das erste Sanierungsvorhaben.

„Es würde in die Maßgaben des Förderprogramms passen“, weiß der WiD-Geschäftsführer. Der Freistaat Sachsen fördert nicht nur den Neubau von Sozialwohnungen, sondern auch den Umbau von Bestandsgebäuden, wenn darin belegungsrechtsgebundener Wohnraum entsteht. In den einzelnen Riegeln könnten jeweils 44 Wohneinheiten für Ein- oder Zwei-Personenhaushalte entstehen. An der Vorderfront der Gebäude sind Balkons installiert, das ließe sich auch an der Rückfront bewerkstelligen. Die Gebäudeinfrastruktur müsste erneuert werden. Im Moment sind nur ein-Raum-Einheiten vorhanden, aber auch das könnte dank vieler nicht tragender Wände problemlos geändert werden, so Jäckel.

Von Thomas Baumann-Hartwig