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Lokales Sorgenkind Kunstrasen: Warum eine EU-Richtlinie Fußballplätze in Dresden gefährdet
Dresden Lokales Sorgenkind Kunstrasen: Warum eine EU-Richtlinie Fußballplätze in Dresden gefährdet
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08:27 16.08.2019
Gummigranulat auf einem Kunstrasenplatz im Dresdner Ostragehege: Das Füllmaterial hat sehr positive Eigenschaften, verursacht aber auch Umweltprobleme. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Noch Ende Mai herrschte bei der SG Einheit Dresden Mitte große Euphorie: Feierlich nahmen die Kicker ihr neues Trainingsareal in Betrieb. Nach neunmonatiger Bauzeit erhielt der Verein eine moderne Flutlicht­anlage, neue Tore und eine 6 600 Quadratmeter große, zeitgemäße Spielfläche. Wo der Ball früher über schroffem Ascheplatz rollte, wird nunmehr auf Kunstrasen gekickt – mit Gummigranulat als Füllstoff.

Nun allerdings herrscht Ungewissheit an der Eibenstocker Straße. Grund sind die Pläne der Europäischen Union (EU), die entschlossen gegen Mikroplastik vorgehen will. Die kleinen Kunststoffteilchen, die als Bodenbelag auf Fußballplätzen dienen, seien umweltschädlich.

Granulat-Verbot ist möglich

Im Auftrag der EU wird aktuell untersucht, wie gefährlich Mikroplastik tatsächlich ist. Je nach Ergebnis könnten die Kunststoffgranulate ab 2022 nicht mehr zulässig sein, ein entsprechendes Gesetz wird derzeit vorbereitet.

Das Granulat verringert zwar die Verletzungsgefahr und verbessert das Ballgefühl. Das hat aber seinen Preis: Jedes Jahr könnten laut einer Fraunhofer-Studie deutschlandweit 8000 Tonnen Granulat in die Umwelt gelangen – durch Regen oder Fußballschuhe. Allein in Dresden müssten laut Stadt jährlich etwa 3,5 Tonnen Füllstoff nachgelegt werden.

34 Plätze in Dresden betroffen

Das mögliche Granulat-Verbot sorgt für Aufruhr im Amateurfußball – und gefährdet tausende Sportplätze in ganz Deutschland. Den Vereinen würden teure Umrüstungen oder gar Platzschließungen drohen.

In Dresden sind insgesamt 26 Kunstrasenfelder und acht kleinere Plätze mit Mikroplastik befüllt. Laut Stadt entsprechen alle Felder der aktuell gültigen Gesetzgebung. „Es gilt abzuwarten, welche Übergangsfristen vom Gesetzgeber eingeräumt werden und welche Erkenntnisse tiefergehende Forschungen hervorbringen“, erklärt Sportbürgermeister Peter Lames (SPD).

Stadt reagiert mit Verzicht

Trotz Unsicherheit macht die Stadt schon jetzt Nägel mit Köpfen: Ab sofort werden alle Bauprojekte im Vereinsfußball mit Verzicht auf Gummigranulat umgesetzt. Dies betrifft im nächsten Jahr die Arbeiten auf den Sportanlagen des FV Löbtauer Kickers 93 (Saalhausener Straße), der SG Dresden Striesen (Bärensteiner Straße) sowie des FV Blau-Weiß Zschachwitz (Pirnaer Landstraße).

Bis Ende November soll eine Entscheidung fallen, welcher Kunstrasen wie verfüllt wird. „Dieses Zeitfenster wird genutzt, um Erfahrungsberichte zu den derzeit angebotenen, kunststofffreien Alternativen einzuholen“, teilt die Stadt mit. Mögliche Füllmaterialien sind etwa Sand, Kork, Olivenkerne oder Kokosnussfasern. Diese seien laut Stadt jedoch sieben- bis zwölfmal teurer als herkömmliches Mikroplastik-Granulat.

Umbau würde viel kosten

Die Stadt Dresden geht nicht von einer allgemeinen Umrüstungspflicht außerhalb der normalen Erneuerungszyklen ihrer Fußballplätze aus. Dennoch hat man sich bereits Expertenmeinungen eingeholt: „Nach ersten Informationen von Fachherstellern würde eine Umrüstung auf alternative Füllstoffe knapp 100 000 Euro pro Platz kosten“, heißt es von der Stadt. Im Fall eines schnellen Granulat-Verbotes wären Umbaukosten in Millionenhöhe fällig.

Auf die lokalen Sportvereine würden indessen keine eigenen Investitionen zukommen: „Bei städtischen Plätzen wird grundsätzlich keine Finanzierungsbeteiligung nutzender Vereine verlangt“, erklärt Lames.

DFB will Übergangsfrist

Bis 2022 ist der Wechsel auf alternative Füllmaterialien nur schwer umsetzbar, schätzt der Deutsche Fußballbund (DFB). Er will daher eine Übergangsfrist von sechs Jahren für bestehende Plätze aushandeln. Dies sei notwendig, um die hohen Investitionen für die Platzsanierungen leisten und gleichzeitig den Sportbetrieb aufrechterhalten zu können, heißt es. Die EU hat derweil betont, dass sie Übergangslösungen offen gegenüberstehe.

Von Junes Semmoudi

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