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Lokales Dresdner E-Rolli-Fußballer will Deutscher Meister werden – doch der richtige Rollstuhl fehlt
Dresden Lokales Dresdner E-Rolli-Fußballer will Deutscher Meister werden – doch der richtige Rollstuhl fehlt
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21:26 06.03.2020
Diesen herkömmlichen E-Rollstuhl will Acacio Cossa gegen einen „Strike Force“ tauschen, um den Meistertitel holen zu können. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Sie schnellen über das Feld, kicken den Ball in Richtung Tor, doch die Verteidiger blocken rechtzeitig ab. Beim nächsten Spielzug landet der Ball im Aus. Ganz klassische Fußballszenen mit einer kleinen, aber entscheidenden Ausnahme: Die Spieler sitzen im Rollstuhl.

Einer von ihnen ist Acacio Cossa. Er ist seit rund zehn Jahren aufgrund einer fortschreitenden Muskelerkrankung auf einen Elektro-Rollstuhl angewiesen. Der 30-Jährige ist seit 2017 aktiv im Sportverein Motor Mickten-Dresden.

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Acacio will Anschluss finden – und findet zum Sport

Damals war er gerade von Brandenburg nach Dresden gezogen und hatte begonnen, Medieninformatik zu studieren. Nebenbei suchte er immer mal wieder nach Möglichkeiten, Rollstuhl-Hockey zu spielen, doch die gab und gibt es in Dresden nicht. Im Studentenwohnheim lernte er dann ein Mädchen kennen, das ihm vom E-Rollstuhl-Fußball erzählte. Da Acacio endlich Anschluss finden wollte, wagte er einen Versuch.

Acacio Cossa Quelle: Dietrich Flechtner

Beim E-Rolli-Fußball spielen zwei Teams mit je vier Mitspielern gegeneinander auf einem Basketballfeld. Drei davon sind im Feld unterwegs, der vierte ist für das Tor verantwortlich. Mit sogenannten Spin-Kicks versuchen die Spieler, den Ball ins Tor zu bekommen. Dabei visieren sie den Ball an, drehen sich einmal fast komplett rum, um sich dann mit voller Wucht zurück in Richtung Ball zu drehen und ihn so übers Feld zu schießen.

Dabei hilft ein Gitter, welches unten am Rollstuhl angebracht wird und wie ein Abstandshalter aussieht. Das hilft nicht nur beim Schießen, es verhindert auch, dass der Ball unter den Rollstuhl gerät und den Spieler zu Fall bringt. Außerdem müssen die Rollstühle mindestens vier Räder haben und dürfen nicht schneller als zehn Kilometer pro Stunde fahren. Als Acacio mit dem Sport begann, schaffte er mit seinem Rollstuhl gerade mal sechs. Eine Halbzeit dauert 20 Minuten.

Alltags-Rollstühle sind nicht wendig genug

Inzwischen ist Acacio das dritte Jahr dabei und gehört zu den besten Spielern im Team, verrät Romy Pötschke, die ebenfalls mitspielt. Er werde sogar als Kandidat für die Nationalmannschaft gehandelt. Letztes Jahr spielten die Power Lions, wie sich die Mannschaft nennt, sogar um den Titel der erstmals ausgetragenen Deutschen Meisterschaft im E-Rolli-Fußball. Im Entscheidungsspiel mussten sie eine Niederlage einstecken, wurden aber immerhin Vizemeister. Wie Romy Pötschke erzählt, lag das vor allem an den unterschiedlichen technischen Voraussetzungen. Grundsätzlich kann jeder mit seinem Alltagsrollstuhl mitspielen, diese kommen jedoch technisch schnell an ihre Grenzen, lassen sich nicht so gut wenden und sind langsamer.

Im Video: Eindrücke vom E-Rolli-Fußball

Im „Strike Force“ zum Titel

Einige im Team der Power Lions haben zwar schon einen Sportrollstuhl, Acacio aber hat sich noch ein höheres Ziel gesteckt: Bei der nächsten Meisterschaft will er im „Strike Force“ sitzen. Dieser Rollstuhl wurde in den USA speziell für E-Rolli-Fußball entwickelt. Mit ihm können sich die Spieler viel schneller drehen, nicht so leicht kippen und effektivere Pässe spielen. Das Problem: Der Spezial-Rollstuhl kostet 10.000 Euro und die Krankenkasse übernimmt die Kosten nicht.

Gemeinsam mit dem Team entschloss sich Acacio dazu, das Geld mittels Crowdfunding zu sammeln. 11.000 Euro brauchen die Power Lions, um den Rollstuhl und die Crowdfunding-Plattform bezahlen zu können. Einen Monat läuft die Aktion und schon jetzt sind fast 5000 Euro zusammengekommen. In 27 Tagen müssen die 11.000 Euro gesammelt sein, sonst werden alle Beträge an die Spender zurückgezahlt – und Acacio fängt bei Null an.

Zuschauer willkommen

Wer sich genauer anschauen möchte, wie E-Rolli-Fußball funktioniert, kann jeden Freitag zwischen 19 und 22 Uhr beim Training in der Ballsportarena zuschauen. Acacio hat mit dem E-Rolli-Fußball nicht nur eine sportliche Beschäftigung gefunden, sondern auch neue Freunde. Gemeinsam mit ihnen will er bei der kommenden Deutschen Meisterschaft 2020/21 den Titel nach Hause holen. Bis dahin wird mit den herkömmlichen Rollstühlen trainiert und am perfekten Pass gefeilt.

Das Crowdfunding läuft unter www.toyota-crowd.de/powerlionacacio

Von Lisa-Marie Leuteritz

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