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Lokales So will die Neustadt die Plagen des Partytourismus vertreiben
Dresden Lokales So will die Neustadt die Plagen des Partytourismus vertreiben
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11:48 22.06.2019
Die Kampagne „Du bist doch nicht von allen guten Geistern verlassen“ startete mit einer Kopfhörerdisko auf dem Scheunevorplatz. Quelle: Anja Schneider
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Dresden

Glasbruch, Wildpinkler, Lärm und Müll – das sind die vier schlimmen Plagen, die vor allem an den Wochenenden das Szeneviertel Neustadt heimsuchen. Diesen Schattenseiten des Partytourismus setzt das Stadtbezirksamt nun seit Freitagabend etwas entgegen: vier Geister. Am längsten Tag des Jahres startete die Kampagne „Du bist doch nicht von allen guten Geistern verlassen“ mit einer Kopfhörerdisko auf dem Scheunevorplatz.

„Du bist doch nicht von allen guten Geistern verlassen?“ fragt das Ausgehviertel Dresden-Neustadt seine Besucher in einer am Freitag vorgestellten Kampagne. Die Aktion richtet sich gegen Wildpinkler, Glasbruch, Müll und Lärm. Mit einer Köpfhörerdisco auf dem Scheunevorplatz zelebrierte die Kampagne den Startschuss.

Anlass für die Kampagne ist, dass sich in letzter Zeit mehr und mehr die Beschwerden über die Hinterlassenschaften der Nachtschwärmer im Ausgehviertel mehrten, wie Stadtbezirksamtsleiter André Barth sagt. „Dass die Neustadt mit 18 000 Einwohnern eines der am dichtesten besiedelten Stadtteile von Dresden ist, vergessen viele“, sagt er. Es ginge nicht darum, den meist von außerhalb kommenden Kneipengängern das Feiern zu verbieten. „Aber es geht um Respekt und Rücksicht“, betont Barth.

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Nach mehreren Besprechungen in den AGs Sicherheit und Ordnung sowie einer großen Gesprächsrunde mit Anwohnern wurde die Idee für die Kampagne geboren. Vier gute Geister thematisieren in ebenso vielen 30 Sekunden langen Clips die vier Neustadtplagen. Zu sehen sind sie zunächst den Sommer über immer freitags und sonnabends im Fahrgastfernsehen der Dresdner Verkehrsbetriebe sowie auf der Internetseite der Stadt. Ebenso wurden Plakate und City-Postkarten gedruckt. Auf einer ist etwa ein mit Wunderbaum und Nasenklammer ausgerüsteter Geist zu sehen, der einen Wildpinkler erwischt. „Läuft bei dir?“, fragt der Geist. „Wir wollten etwas mit einem Augenzwinkern“, sagt Stadtbezirksamtsleiter Barth.

Mit der Kampagne wurde die Leipziger Agentur „die superpixel“ beauftragt. Dennoch steckt genügend Neustadt-Knowhow darin. So reagiert sich der Lärmgeist an Musikboxen ab, die laut Neustadtkümmerin Manuela Möser zuletzt immer mehr zu einem Ärgernis im Ausgehviertel wurden. Der Müllgeist sucht einen Junggesellinnenabschied heim. Am Ende der Clips stehen ortstypische Hinweise, etwa auf die Aktion „Nette Toilette“, an der sich bisher 18 Lokale im Viertel beteiligen.

Knapp 30 000 Euro hat sich der Stadtbezirk die Aktion bisher kosten lassen. Noch nicht ganz fertig gedruckte Bierdeckel werden demnächst in den Kneipen verteilt. Später seien Kinowerbung und die Bestrahlung von Fassaden weitere Ideen, sagt Barth. Weitere Aktionen seien denkbar.

Die Kampagne stellt freilich nur einen Teil der des Vorgehens gegen rücksichtsloses Feiern dar. Dazu gehören auch Angebote wie die „Nette Toilette“ oder die Möglichkeit, Glasflaschen ohne Pfand in Spätis abgeben zu können. Aber auch Kontrollen durch Ordnungsamt und Polizei. „Wenn ein Wildpinkler erwischt wird, wird er weiterhin 68,50 Euro zahlen müssen“, sagt Barth.

www.dresden.de/geister

Von uh