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Lokales So will Dresden für mehr Barrierefreiheit in der Stadt sorgen
Dresden Lokales So will Dresden für mehr Barrierefreiheit in der Stadt sorgen
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06:15 18.12.2018
Rollstuhlfahrerin Alisa Weber, hier mit Assistentin Lydia Nast, kann dank der barrierefreien Toilette an der WBS Fachoberschule lernen.
Rollstuhlfahrerin Alisa Weber, hier mit Assistentin Lydia Nast, kann dank der barrierefreien Toilette an der WBS Fachoberschule lernen. Quelle: E-Mail-LVD
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Dresden

Viele alltägliche Angelegenheiten sind für uns selbstverständlich. Wie zum Beispiel der Gang zur Toilette. Für Alisa Weber war das jedoch fast ein Grund, ihr Fachabitur nicht an der WBS Fachoberschule für Gesundheit und Soziales an der Berliner Straße machen zu können. Denn Alisa sitzt im Rollstuhl und barrierefreie Toiletten gab es an der Schule nicht.

Pünktlich zum neuen Schuljahr hat sich das nun geändert. Anne Mareck, Assistentin der Schulleitung, hat sich dafür eingesetzt, dass aus einem ehemaligen Empfangsbüro im zweiten Stock ein Behinderten-WC wird. Also bewarb sich die Schule für das Förderprogramm „Barrierefreies Bauen – Lieblingsplätze für alle“. Dieses wurde vom Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz 2014 initiiert, um die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben für Menschen mit Behinderung zu verbessern.

Handwerker waren im Sommer Mangelware

Das Programm unterstützt vor allem Bauvorhaben, die den Zugang und die Nutzung nicht kommunaler öffentlicher Einrichtungen für alle ermöglichen. Dazu gehört auch die WBS Training Schule in Dresden Mitte. Seit 2017 befinden sich die Unterrichtsräume an der Berliner Straße. Es gibt einen Aufzug, eine großzügige und barrierefreie Schülerküche. Und seit neuestem nun auch eine barrierefreie Toilette.

„Das Haus gehört zu den ersten Neubauten seit der Wende. Deshalb hatten wir ein wenig Angst, was sich hinter den Wänden verbirgt“, erinnert sich Mareck. Doch das war nicht die einzige Sorge der Schule. Dank des Super-Sommers sei es nahezu unmöglich gewesen, Handwerker für den Auftrag zu finden. Doch gerade so wurde die Toilette pünktlich zum Schuljahresbeginn fertig und Alisa konnte ihr elftes Schuljahr an der Fachoberschule beginnen.

80 Maßnahmen wurden bisher umgesetzt

Das Förderprogramm wird auch 2019 fortgesetzt. Und das sogar mit noch mehr Geld als in den Jahren zuvor. Waren es bisher jährlich 250 000 Euro, die Dresden zur Verfügung hatte, sind es nun 290 100 Euro. Davon werden Projekte, die maximal 25 000 Euro kosten, zu 100 Prozent gefördert. Das können beispielsweise Treppenlifte, Rampen, automatische Türöffner oder auch tastbare Lagepläne und induktive Höranlagen sein.

Seit 2014 wurden in Dresden rund 80 Maßnahmen umgesetzt, beispielsweise die rollstuhlgerechte Befestigung des Hauptweges in den Stadtgärten, inklusive eines unterfahrbaren Hochbeetes, oder die barrierefreie Toilette auf dem Striesener Friedhof.

Die eingereichten Anträge werden anschließend vom Stadtplanungsamt und Beauftragten sowie dem Beirat für Menschen mit Behinderungen bewertet. Die Anträge mit der höchsten Dringlichkeit erhalten im Februar eine Nachricht und dann geht es weiter mit der sogenannten qualifizierten Antragstellung.

WBS wünscht sich weitere Inklusionsschüler

Noch bis zum 11. Januar können neue Vorschläge eingereicht werden. Der Förderantrag kann online unter www.dresden.de/barrierefrei-bauen heruntergeladen werden. Der vollständig ausgefüllte Antrag wird dann an folgende Adresse gesendet: Landeshauptstadt Dresden, Stadtplanungsamt, Abteilung Stadterneuerung, Freiberger Straße 39, 01067 Dresden, per Fax an die Nummer 0351/488 32 92 oder per E-Mail an stadterneuerung@dresden.de.

Für die WBS Fachoberschule ebnete die Förderung den Weg zur ersten Inklusionsschülerin. Alisa wurde voll in ihre Klasse integriert. „Das war nicht immer so“, erinnert sie sich. Inzwischen geht sie gern zur Schule und hat nach ihrem Abschluss schon große Pläne: eine Ausbildung zur Sozialassistentin und ein Studium der Lerntherapie. Auch Schulleiterin Anja Plath ist glücklich mit ihrer ersten Inklusionsschülerin und ist sich sicher: „Diese Erfahrung wollen wir nicht nur einmal machen“.

Von Lisa-Marie Leuteritz

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