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Dresden Lokales So soll die Dresdner Clubkultur gerettet werden
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10:47 08.10.2019
Hinter dem „objekt klein a“ steht ein Kollektiv. Diese elf jungen Leute haben es begründet. Quelle: David Pinzer
Dresden

Wummernde Bässe, die im ganzen Körper spürbar sind. Treibende Rhythmen, die durch den Raum schallen. Menschen, die zur elektronischen Musik tanzen – und für wenige Stunden aus dem gewohnten Alltag ausbrechen. Bis vor kurzem war diese Szenerie Normalität im TBA am Bahnhof Neustadt. Jetzt steht das Publikum des Techno-Clubs vor geschlossenen Türen. Das erst 2016 eröffnete TBA musste jüngst schließen. Im Juli fand die letzte Veranstaltung statt.

Clubs unter Finanzdruck

„Ein Kernproblem war der hohe finanzielle Druck, mit dem wir konfrontiert wurden“, erzählt der ehemalige Besitzer Christoph Töpfer. Sowohl die Miete – der Hauptkostenfaktor – als auch laufende Kosten wie GEMA-Gebühren konnten die Betreiber über Eintrittspreise und Getränkeverkäufe nicht refinanzieren. Das TBA ist indessen kein Einzelfall: Im Jahr 2017 musste bereits das Sabotage in der Neustadt nach rund sechs Jahren Betrieb seine Pforten schließen.

Mussten das TBA schließen: Christoph Töpfer (l.) und Harald Köhler. Quelle: Hauke Heuer/Archiv

Die finanzielle Belastung ist ein wiederkehrendes Phänomen, mit dem auch andere Spielstätten konfrontiert sind – beispielsweise das 2017 eröffnete „objekt klein a“ (oka) im Industriegelände: „Die hohen Kosten können nur schwer über das junge, oft nicht allzu finanzstarke Szenepublikum gedeckt werden“, sagt Felix Buchta, Mitglied im Club-Kollektiv. „Vielen Gästen ist nicht bewusst, welche Kulturarbeit Clubakteure tatsächlich zu leisten haben. Die daraus resultierenden Preiserwartungen paaren sich mit der Miete und dem Konkurrenzdruck der Clubs untereinander. Im schlimmsten Fall führt das zur Schließung.“

Darüber hinaus bestünde die Annahme, Clubs seien normale Wirtschaftsbetriebe. „Allerdings sind Clubs auch kulturelle Einrichtungen“, erzählt Töpfer. Mitnichten wolle man kommerziell erfolgreiche Musik reproduzieren, sondern vielmehr neuen Trends und politisch ambitionierten Menschen eine Plattform bieten. „Clubkulturakteure betreiben Szenewirtschaft“, findet auch Buchta. „Dabei geht es in erster Linie um Selbstverwirklichung, nicht um ökonomischen Profit.“

Schritt in die Öffentlichkeit

Aufgrund der finanziellen Probleme sehen sich die Clubakteure nunmehr gezwungen, mit der Stadt zusammenzuarbeiten – ein untypischer Schritt, wie Buchta erklärt: „Die Subkultur ist gerne unsichtbar. Eine Kooperation mit der Stadt ist ein Schritt in Richtung Öffentlichkeit und liegt somit nicht in der Natur der Szene.“ Womöglich ist dies aber der einzige Weg, das subkulturelle Kapital am Leben zu halten.

Grund genug also für die Clubbetreiber, Fördergelder seitens der Stadt einzufordern. „Clubs versorgen die Gesellschaft mit Kultur – und das in einem ähnlichen Umfang wie die Semperoper oder das Staatsschauspiel“, sagt Töpfer. Zum Teil gebe es auch gute Fördermöglichkeiten: Sowohl institutionelle Förderung als auch Projektförderung wird seitens der Stadt angeboten.

Berücksichtigung der Interessen junger Menschen

Institutionelle Förderungen sind kontinuierliche Leistungen über einen längeren Zeitraum, Projektförderungen beschreiben einmalige Leistungen für Einzelvorhaben. Über Anträge entscheidet das Amt für Kultur und Denkmalschutz anhand des städtischen Kulturleitbildes und des Kulturentwicklungsplans.

Letzterer sieht unter anderem die Berücksichtigung der Interessen junger Menschen vor, „um Dresden weiterhin attraktiv zu machen“. Doch obwohl die Technoclubs im Industriegelände laut Stadt „zu den besonderen Kristallisationspunkten für Zeitgenössisches“ zählen, bleibt eine Förderung bis dato aus.

Von den aktuell rund zehn Musikclubs in Dresden werden nur zwei institutionell gefördert, teilt Stadtsprecher Karl Schuricht mit: Der Jazzclub Tonne erhielt in diesem Jahr 120. 000 Euro, der Beatpol 110 .000 Euro. Beide Lokalitäten unterbreiten allerdings in der Regel Angebote außerhalb des Genres elektronischer Musik.

Immerhin: Die Groovestation erhielt zumindest eine Projektförderung in Höhe von 3 000 Euro – als einzige Dresdner Spielstätte mit einem regelmäßigen elektronischen Angebot.

Der Eingangsbereich des Clubs „objekt klein a“ an der Meschwitzstraße in der Albertstadt. Quelle: David Pinzer

Nachtbürgermeister für Dresden

Neben der Förderung gibt es weitere Lösungsansätze, die Lage der lokalen Techno-Szene aufzubessern: „Die Idee eines Nachtbürgermeisters für die Stadt Dresden wäre etwa eine gute Initiative“, sagt Töpfer. Amsterdam gilt als Vorreiter des Konzeptes, Mannheim zog zuletzt als erste deutsche Stadt nach. Der Nachtbürgermeister soll die Betreiber von Bars, Kneipen und Clubs vernetzen und ihnen eine Stimme innerhalb der Stadtverwaltung geben.

Auch der Aufkauf und die Weitervermietung des oka-Geländes durch die Stadt wird seitens der Betreiber als progressiver Schritt gehandelt: „Dadurch würde der Unsicherheitsfaktor durch den Vermieter wegfallen und wir könnten perspektivisch planen“, sagt Buchta.

„Ein Schatz für die Stadt“

Wichtig für die Stadt seien die Techno-Spielstätten allemal: „Clubs sind Orte der Begegnung, innerhalb derer Ressentiments abgebaut und gesellschaftliche Strukturen neu geordnet werden“, sagt Töpfer.

Buchta ergänzt: „Dresden ringt um Zuzug von jungen Leuten. Wenn nach und nach Clubs als kulturelle Freiräume wegfallen, die junge Menschen als Ausgleich zum Arbeitsalltag brauchen, wird die Stadt auf Dauer nicht konkurrenzfähig bleiben.“

Ein sinnvoller Schritt wäre, zu evaluieren, wie viel Geld die Techno-Subkultur generiert und wie viele Menschen dadurch erreicht werden, findet Christoph Töpfer. „Damit auch die Stadt merkt, welchen Schatz sie da eigentlich in der Hand hält.“

Von Felix Franke

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