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16:28 24.11.2019
Dieser Kasten ist die innere Verschalung für 1,50 Meter dicke Betonwände. Diese werden 22 Meter tief versenkt. Durch die runde Öffnung rechts wird später die Tunnelbohrmaschine gedrückt. Quelle: Foto: Dietrich Flechtner
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Dresden

Ein gewaltiger Kasten steht auf dem Volksfestgelände an der Pieschener Allee. Mehr als neun Meter hoch ist das Bauwerk, zwölf Meter lang und sechs Meter breit. Es ist Teil eines Senkkastens, der bis zum Frühjahr 2020 etwa 22 Meter in die Tiefe gebracht wird. Und der erste sichtbare Teil für ein ganz besonderes Bauwerk: Zwischen Volksfestgelände und Hafencity lassen die Stadtwerke Drewag in etwa 18 Meter Tiefe Dresdens ersten begehbaren Elbtunnel bauen.

Deshalb wird gebaut: Der Norden braucht Fernwärme

„Es geht um die Versorgungssicherheit“, begründet Norbert Gassel das Vorhaben in einem Satz. Bei der Stadtwerketochter Drewag Netz ist er für die Fernwärmeerschließung in Pieschen zuständig. Der neue Elbdüker – so nennen die Fachleute den Tunnel – gehört zum Projekt, auch wenn er auch aus anderen Gründen gebraucht wird. Damit ist vor allem das wachsende Fernwärmenetz auf Neustädter Seite gemeint. Große Teile der Neustadt wurden seit den 90er Jahren angeschlossen, dazu Klotzsche und vor einigen Jahren das Hechtviertel. Derzeit wird an bis zu elf Baustellen gleichzeitig in Pieschen und der Leipziger Vorstadt gebaut – und von dort soll das Netz weiter in Richtung Trachau und Kaditz wachsen.

Das Schema zeigt den Vortrieb. Die Bohrmaschine wird von der Zielgrube aus mit den dahinter liegenden Tunnelsegmenten durchs Erdreich gepresst. Quelle: PR

Allerdings gibt es dabei ein Problem: Mehr als 90 Prozent der Fernwärme werden in den Kraftwerken Nossener Brücke und Reick erzeugt – beide auf Altstädter Elbseite. Auf die andere Elbseite führt nur eine Fernwärmehauptleitung, die in dem Teil der Carolabrücke liegt, über den die Straßenbahnen rattern. Um das wachsende Netz sicher betreiben zu können, brauche es eine zweite Elbquerung, sagt Gassel. Da keine der in Frage kommenden Elbbrücken Platz für im Außendurchmesser 80 Zentimeter dicke Leitungen hat, muss es ein Elbtunnel sein.

Das wird gebaut: Bauwerke an und unter der Elbe

Der Tunnel ist am Vorhaben noch das einfachste. Er ist 2,60 Meter im Innen- und 3,20 Meter im Außendurchmesser, 240 Meter lang und verläuft sieben Meter unter dem tiefsten Punkt der Elbe. Aufwendiger sind die Startgrube auf Altstädter und die Zielgrube auf Neustädter Seite. Sie müssen 22 Meter in die Erde getrieben werden, damit der Tunnel in gerader Linie verlegt werden kann. „Wir wollten einen Tiefpunkt in der Fernwärmeleitung vermeiden“, sagt Ulrich Forst, der Bauverantwortliche für den Elbdüker. Dort würde man im Havariefall nur schwer das Wasser herausbekommen.

In der Startgrube kommt die von der Probebühne der Semperoper abgezweigte Leitung an, die extra bis zum Volksfestgelände gebaut wird. Allein vier Millionen Euro kostet dieser Abschnitt, für den im Sommer auch auf dem Terrassenufer gebaut wurde. Von der Startgrube aus gräbt die Bohrmaschine mit ihrem 3,20 Meter breiten Hydroschild den Tunnel, der aus Wartungsgründen begehbar sein muss. Zunächst werden dort nur die zwei Leitungen für Vorlauf und Rücklauf der Fernwärme liegen, meint Ulrich Forst. „Aber es werden sich bestimmt noch andere melden, die dort Leitungen verlegen wollen.“

Am anderen Elbufer gibt es neben der Zielgrube, in der der Tunnel ankommt, noch ein zweites Bauwerk für die Armaturen. Dort wird geregelt, in welche Richtung die Fernwärme weiterfließt. Tunnel und dazugehörige Bauwerke kosten weitere neun Millionen Euro.

So wird gebaut: Zehn Meter wächst der Tunnel pro Tag

Zunächst geht es darum, Start und Ziel sauber zu setzen. Das geschieht auf beiden Elbseiten mehr oder weniger gleichzeitig. Beispiel Volksfestgelände: Dort ist eine sogenannte Schneide – ein stahlverstärkter und angespitzter Betonrahmen – bereits eingegraben, darüber entsteht gerade die Verschalung für 1,50 Meter dicke und neun Meter hohe Betonwände. Er hoffe, das diese bis Jahresende gegossen sind, sagt Ulrich Forst. Anschließend wird das Erdreich aus dem von Schneide und Wänden umschlossenen Baufeld ausgebaggert, was dazu führt, dass der Senkkasten sich durch sein Eigengewicht von mehr als 1500 Tonnen ins Erdreich drückt. Damit er dabei nicht verrutscht, weil er etwa durch Felsgestein abgelenkt wird, haben Bauleute zuvor durch Bohrungen die Erde bis in 22 Meter Tiefe durch Kies ausgetauscht.

Hat sich der Kasten gesenkt, kommen ein zweites Mal neun Meter hohe Wände darauf und der Vorgang wird wiederholt. Anschließend wird mit Unterwasserbeton eine vorläufige Bodenplatte gesetzt, das Grundwasser abgepumpt und eine ordentliche Bodenplatte eingebaut. Im März sollen die beiden Schächte fertig sein, im April dann die Bohrmaschine ihre Arbeit tun.

Es dauert etwa einen Monat, bis sie in der Zielgrube an der Hafencity ankommt. Die Bohrmaschine wird dabei unter der Elbe durchgepresst, indem immer neue, vier Meter lange Tunnelsegmente hinter sie geschoben werden. Etwa zehn Meter will die Baufirma so pro Bohrtag schaffen.

So sieht es nach dem Bau aus: Es bleiben Schachtdeckel

Wenn gebohrt wird, wird es auf dem Volksfestgelände sehr laut. Dort wird das Bentonit-Bindemittel, mit dem das abgetragene Erdreich an die Luft gebracht wird, wieder von den Sedimenten getrennt und zurück zum Bohrschild gepumpt. Die Startgrube wird zudem mit vier Meter hohen Wänden vor einem Elbehochwasser geschützt. Ist der Tunnel einmal fertig, ändert sich das Bild komplett. „Dann wird man von unserem Elbdüker auf dem Volksfestgelände nur noch einen Schachtdeckel sehen“, sagt Norbert Gassel. Unterhalb der Hafencity sind es zwei Einstiege ins Erdreich. Ein Belüftungsschacht wird mit einer Bank kaschiert. Bis dahin wird es allerdings noch eine Weile dauern. Ende 2020 soll die neue Fernwärmehauptleitung unter der Elbe in Betrieb gehen.

Bei den Stadtwerken ist man übrigens intensiv mit den Planungen für den nächsten Düker beschäftigt. Der soll unter den Bahngleisen hindurch vom Kraftwerk Nossener Brücke zur Zwickauer Straße führen und ist Voraussetzung dafür, dass die Nossener Brücke abgerissen und neu gebaut werden kann. Man sei da abhängig vom Planungsrecht. Aber er denke, dass der Bau am Bahndüker in zwei Jahren beginnen könne, sagt Norbert Gassel.

Von Uwe Hofmann

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