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Lokales So deutlich verfehlt Dresden die Klimaschutzziele
Dresden Lokales So deutlich verfehlt Dresden die Klimaschutzziele
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17:10 19.02.2020
Hoffnungsschimmer: Solarpaneele auf dem Dach des Geländes der Verkehrsbetriebe in Gruna. Quelle: Archiv
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Dresden

Das Rathaus hat einen aktuellen Klimaschutzbericht vorgelegt und darin aufgezeigt, an welchen Stellen Dresden im Klimaschutz vorankommt und wo es hakt. Fazit: Dresden wird seine Ziele verfehlen, wenn das Tempo nicht deutlich erhöht wird.

Welches Klimaschutzziel hat sich Dresden gestellt?

Mit dem Beitritt zum Klima-Bündnis europäischer Städte hat sich Dresden 1994 verpflichtet, den Kohlendioxidausstoß alle fünf Jahre um zehn Prozent zu senken. Damals lag dieser Wert bei rund 15 Tonnen pro Jahr und Einwohner.

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Wie sieht es mit der Erfüllung des Zieles aus?

Schlecht. 2015 hätten es 8 Tonnen pro Jahr und Einwohner sein müssen. Doch der Wert lag bei 10,2 Tonnen. Heißt: Das Zwischenziel wurde um fast 30 Prozent verfehlt.

Gibt es aktuellere Werte zum Ausstoß?

Inzwischen liegt die Bilanz für 2016 vor. Diese besagt, dass der Wert auf einstelliges Niveau gesunken ist und 9,9 Tonnen pro Einwohner und Jahr beträgt. Der Zielwert für 2030 beträgt aber 5,8 Tonnen. „Uns bleiben noch zehn Jahre, um unsere Schutzziele zu erreichen. Die Zeit drängt also. Die Verringerung der Treibhausgasemissionen erfordert nach wie vor größere Anstrengungen als bisher,“ erklärte Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (Bündnis 90/Die Grünen).

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Wer ist für den Ausstoß von Treibhausgasen verantwortlich?

Den größten Anteil am Kohlendioxidausstoß in Dresden haben die Wärmenutzung und der Verkehr, heißt es aus dem Rathaus. Die Treibhausgasbilanz beinhaltet die von den Dresdnern direkt und indirekt verursachten Emissionen, die auch außerhalb von Dresden entstanden sein können – zum Beispiel durch Berufspendler oder die Nutzer von Flugzeugen.

Was macht Hoffnung auf Zielerfüllung?

Der Stadtrat hat ein umfangreiches Klimaschutzpaket mit 50 konkreten Maßnahmen in verschiedenen Handlungsfeldern beschlossen. Das Rathaus berichtet mindestens einmal im Jahr über den Umsetzungsstand. So schreitet die Erzeugung von erneuerbaren Energien auf kommunalen Dächern in kleinen Schritten voran. Das Stadtbahnprogramm 2020 der Dresdner Verkehrsbetriebe zeitigt mit Oskarstraße und Kesselsdorfer Straße erste Erfolge. 50 Maßnahmen aus dem Radverkehrskonzept sind umgesetzt oder befinden sich im Bau. Die Stadtverwaltung schafft Elektrofahrzeuge für ihren Fuhrpark an und setzt auf E-Bikes sowie Lastenfahrräder. Die energetische Sanierung von städtischen Gebäuden wie Schulen und Kitas schreitet voran.

Wo besteht der größte Nachholbedarf?

„Hinderlich ist, dass Klimaschutz bisher eine freiwillige kommunale Aufgabe ist und diese wenig finanzielle Unterstützung durch Bundes- und Landesebene erfährt“, erklärt die Umweltbürgermeisterin. Sie fordert auch die intensive Unterstützung der Dresdner Gewerbe- und Industriebetriebe sowie der Bevölkerung ein.

Von Thomas Baumann-Hartwig