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Lokales Sicherheit im Grünen Gewölbe – „Ein Brand ist die größte Gefahr“
Dresden Lokales Sicherheit im Grünen Gewölbe – „Ein Brand ist die größte Gefahr“
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12:14 25.11.2019
Das Juwelenzimmer im Historischen Grünen Gewölbe im Dresdner Schloss der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD). Quelle: Sebastian Kahnert/zb/dpa
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Dresden

Michael John, Technischer Direktor der Staatlichen Kunstsammlungen, sorgt für Sicherheit im Grünen Gewölbe

Frage: Wer über so viele Exponate und Werte zu wachen hat - schläft der manchmal unruhig?

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John: Ein klares Nein. Sicher ist das Grüne Gewölbe die wohl wertintensivste Sammlung in Dresden, wobei ich jetzt vom reinen Materialwert spreche. Denken Sie nur an die zahlreichen Edelsteine. Aber wir haben lange über ein Sicherheitskonzept nachgedacht. Und mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden.

Wie sieht dieses Konzept aus?

Wir haben beispielsweise eine ausgeklügelte Brandschutzplanung. Denn ein Brand wäre die mit Abstand größte Gefahr für das Gebäude. Denken Sie nur an das Feuer in der Anna Amalia-Bibliothek in Weimar, das ist noch gar nicht so lange her. So haben wir in den Decken des Gewölbes kleine Bohrungen, wenn man genau hinsieht. Dort sind Brandmelder versteckt. Die größten Risiken sind die Elektrik, Bauarbeiten im Haus und Brandstiftung. Alle anderen Ursachen für ein Feuer sind eigentlich ausgeschlossen.

Und wie schätzen Sie die anderen Gefahren ein?

So viel kann ich verraten, dass wir zusammen mit dem Landeskriminalamt eine Bedrohungsanalyse ausgearbeitet haben. Als Ergebnis existiert ein mechanisches Sicherheitskonzept - also wenn jemand mit physischer Gewalt versuchen sollte, gewaltsam Türen oder Fenster aufzuhebeln. Und elektronisch sorgen wir unter anderem dafür, dass die Videoüberwachung und andere Signale, die uns Unregelmäßigkeiten anzeigen, in der Sicherheitszentrale zusammenlaufen. Das ist ein separater, geschützter Raum. Wir haben sowohl über brachiale Gewalt, über den „Versuchungstäter“, der der Gelegenheit nicht widerstehen kann, und über trickreiche Geschichten á la „Mission Impossible“ nachgedacht. Ich denke schon, dass wir da alles im Blick haben.

Sicherheit bedeutet aber nicht nur Schutz vor Feuer und Einbruch...

Nein, wir müssen die Exponate vielmehr gegen tägliche Einflüsse wie Temperaturschwankungen, Feuchtigkeit oder Staub schützen. Im Neuen Grünen Gewölbe ist das ja recht einfach geregelt, dort steht alles in Vitrinen. Das Historische Grüne Gewölbe ist dagegen eine begehbare Vitrine. In ihr herrscht also ein Mikroklima, das ständig von den Besuchern leicht verändert wird. Jede Schwankung wirkt sich auf unsere gezeigten Stücke aus. Zu viel Feuchtigkeit könnte zum Beispiel schlimmstenfalls dazu führen, dass sich Materialien wie Holz und Farbe voneinander lösen.

Und wie begegnen Sie diesem Problem?

Das beginnt schon im Vorgewölbe, dem „Wartezimmer“ für das eigentliche Historische Grüne Gewölbe. Der Raum ist bereits klimatisiert, hier können sich einzelne Besucher oder Reisegruppen gleichermaßen akklimatisieren. Zwei wechselseitig betriebene, leistungsstarke Klimaanlagen sorgen dann dafür, dass auch in den Ausstellungsräumen relativ gleichbleibende Bedingungen herrschen. Um das zu erreichen, haben wir im Vorfeld viel simuliert, haben die Einflüsse von Sonne, künstlichem Licht und Feuchtigkeit erprobt. Wir konnten dabei unter anderem auf die Unterstützung des Getty Conservation Institute in Los Angeles zurückgreifen. Die dortigen Fachleute wissen auch eine Menge über den Einfluss von Schadstoffen auf Ausstellungsstücke.

Welche Schadstoffe denn?

Nun, wir haben ja zum Beispiel mit Quecksilber bearbeitete Spiegel. Sollte von dem Quecksilber etwas in die Umgebung der Ausstellungsräume gelangen, signalisiert uns das ein Messgerät. Wir könnten also umgehend eingreifen, bevor Schäden für Besucher oder Exponate entstehen.

Zurück zum Staub, den die Menschen ja naturgemäß mit ins Museum „einschleppen“...

Stimmt, jeder Besucher bringt ihn mit. Was für die frei stehenden Exponate natürlich nicht gut ist. Lediglich die wenigen, in Extra-Vitrinen untergebrachten Objekte sind davor geschützt. Uns helfen vor allem zwei technische Einbauten. Da ist zuerst eine Art elektrischer Schuhabstreicher am Eingang des Vorgewölbes. Der ist so dezent, dass er gar nicht auffällt. Und dann sind da unsere Schleusen, hinter denen man erst in die Räume des Grünen Gewölbes kommt. Dort wird die Kleidung der Besucher durch einen minimalen Luftstrom entstaubt und von losen Partikeln gereinigt. Wenn Sie so wollen, bekommen unsere zahlenden Gäste so etwas wie eine unauffällige Gratis-Reinigung. Wir hatten im Vorfeld auch über andere Lösungen wie ein „Pantoffel-Museum“ oder Reinraumschuhe nachgedacht. Aus logistischen Gründen haben wir das aber verworfen. Am Ende standen die Schleusen als Variante eines ungetrübten Besuches.

Von Torsten Klaus