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Lokales Schüler übernehmen am Städtischen Klinikum Dresden die Regie
Dresden Lokales Schüler übernehmen am Städtischen Klinikum Dresden die Regie
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11:13 20.11.2018
Wir übernehmen! Michelle Voigt, Tanja Gebauer und Julia Slesaczeck pflegen Patient Jürgen Parchow. Für drei Wochen sind die drei mit ihren Klassenkollegen im Krankenhaus Friedrichstadt tätig. Quelle: Anja Schneider
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Dresden

Studierende des Studienganges Pflege dual an der Evangelischen Hochschule übernehmen seit drei Wochen selbstständig die pflegerischen Aufgaben eines Stationsteils im Städtischen Klinikum Friedrichstadt. Das zehnköpfige Team besteht aus Auszubildenden des Städtischen Klinikums Dresden sowie aus Kliniken in Pirna, Radeburg und Coswig. Das Praxisprojekt soll ihnen vor allem Einblick in die Realität des Klinikalltages vermitteln.

Als anspruchsvoll, aber auch abwechslungsreich beschreiben die angehenden Pflegeexperten ihre Aufgaben auf der Station R03 in der Klinik. Pflegerische und organisatorische Aufgaben gilt es dabei zu bewältigen: Unter anderem die gesamten Stationsabläufe abstimmen, pflegerische Tätigkeiten koordinieren, sich im Team organisieren und immer ein offenes Ohr für Patienten haben.

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Aus Unsicherheit wird Routine

Die Studierenden im 5. Semester finden das Projekt eine ideale Vorbereitung auf den echten Klinikalltag. „Wir lernen oft nur einzelne Arbeitsschritte. Hier haben wir die Möglichkeit, einmal alles Gelernte miteinander zu vernetzen und im Gesamten anzuwenden“, erzählt Tanja Gebauer. „Uns werden zudem viele Zusammenhänge zwischen den einzelnen Schritten deutlich“, fügt Kollegin Julia Slesaczeck an. Die Klasse betreute anfangs noch sechs, nun in der dritten Woche bereits neun Patienten.

„Jeder Arbeitstag wird von uns anschließend reflektiert. Wir hinterfragen zusammen mit der Stationsleitung und einer Mentorin, was gut und was schlecht war“, sagt Michelle Voigt. Die Erkenntnisse, die dabei von den jungen Pflegern gesammelt werden, können durchaus innovativ sein – das Klinikum wolle von den Erfahrungen profitieren, um den Stationsalltag in der Praxis zu erleichtern.

Nach anfänglich kleinen Unsicherheiten geht vieles mittlerweile routiniert von der Hand. Im Hintergrund stehen jederzeit das Stammpersonal der Station, Mentoren und Praxisanleiterinnen sowie die verantwortliche Lehrerin der Medizinischen Berufsfachschule für Fragen bereit. „Gerade die ersten Tage erwiesen sich als Herausforderungen“, erzählt Michelle Voigt. „Sich zurecht zu finden, die Tabletten für die Patienten zu setzten, die alltäglichen Termine zu koordinieren – all das war ungewohnt“, so die junge Frau.

Impulse aus der Wissenschaft für die Praxis

Seit März liefen die Vorbereitungen für das Projekt bereits. „Das Experiment gab es dieses Jahr das erste Mal in dieser Form“, erklärt Julia Baumann, die Klassenlehrerin der angehenden Pflegekräfte. Der Studiengang werde in dieser Form nämlich erst seit 2016 an der Evangelischen Hochschule in Dresden angeboten. „Das ist nun der erste Jahrgang, der dieses Pflichtpraktikum absolviert. Insgesamt haben wir mittlerweile 30 Studierende“, erzählt Baumann.

Bürgermeisterin Kris Kaufmann, Beigeordnete für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Wohnen, schaute den angehenden Pflegefachkräften am Montag über die Schulter – und war direkt begeistert: „Das Projekt ist eine wirklich wichtige Maßnahme, um junge Pflegekräfte auf das Berufsleben vorzubereiten und Theoriekenntnisse in der Praxis umzusetzen. Zudem geben die jungen Menschen auch neue Impulse aus der Wissenschaft für den Pflegealltag und das Klinikum.“

Ziel des Projektes ist es, den Studierenden einen realistischen und konkreten Eindruck zu vermitteln, wie umfangreich und verantwortungsvoll ihr gewählter Beruf ist. Auch nächstes Jahr soll die Station wieder für drei Wochen übernommen werden – dann aber vom folgenden Jahrgang.

Von Annafried Schmidt